Die Villa Bulfon in Velden, gelegen im Dreiländereck zwischen Österreich, Italien und Slowenien, zeigt noch bis zum 14. August 2011 laut Werbeprospekt ein „in ihrer Art außergewöhnliches und für Kärnten einzigartiges Kunstevent“. Unter dem Titel Ikonen der Pop Art sollen dort Fotographien, Gemälde und Skulpturen von bekannten Pop Art-Künstlern wie Andy Warhol, Tom Wesselmann, Russel Young und Romero Britto gezeigt werden. BN-Autor Lukas Steinwandter hat sich von Südtirol aus auf den Weg gemacht und sich das Ganze einmal für uns angesehen.
Der erste Eindruck enttäuscht
Vergangenen Mittwoch mache ich mich gemeinsam mit einem Freund auf den Weg zum Wörthersee. Dort soll hochklassige Pop Art zu sehen sein. Wir haben uns schlau gemacht: An diesem Tag sind ausschließlich ausgesuchte Werke von Romero Britto, einem brasilianischen Neo-Pop-Künstler, sowie Arbeiten des britischen Fotographen Russel Young zu sehen. Eigentlich wollen wir ja Warhol sehen, na ja. Pünktlich um 15 Uhr stehen wir auf der Matte und werden von zwei überaus freundlichen Damen empfangen. Gute Laune.
Noch bevor der Blick auf das Banner mit der Aufschrift Ikonen der Pop Art fallen kann, sticht uns sofort Brittos auffällige Skulptur „For you“ ins Auge. Auch unmittelbar nach dem Eingang sowie im Saal der Galerie werden dem Besucher ausschließlich seine Werke präsentiert. Wir kommen uns schnell wie in einem noblen Fachhandel für Britto-Artikel vor: Neben einigen ausgesuchten Gemälden und Skulpturen, die ein bisschen wie ein Alibi wirken, sind mitten im Saal unzählige Brief-, Hand- und Reisetaschen sowie andere Accessoires aufgereiht: bunt, kräftig, immer mit seiner Unterschrift und Signatur versehen. Ein Stapel Blätter mit den Preislisten von seinen Werken und, so darf man sagen, Werbeartikeln, liegt griffbereit daneben.
Britto schrieb über sein Werk: „Ich hatte immer die Idee mit meinen Bildern für alle Menschen erreichbar zu sein, die jung in ihrem Herzen geblieben sind. Ich möchte sie mit meiner Kunst direkt ansprechen, jeder soll die Möglichkeit erhalten Kontakt mit meiner Arbeit machen zu können.“ In der (Verkaufs-)Ausstellung in Velden gilt das allerdings nur, wenn man eine dicke Brieftasche bei sich hat. Insofern sind wir zunächst enttäuscht.
Wo war gleich noch mal die Kunst? Ach ja, …
Die Vereinbarkeit von Kunst und Leben sowie die Entzauberung der Mythen des Alltages, allesamt Hauptanliegen der Pop Art, sind nicht so richtig zu spüren. Stattdessen findet man das Gegenteil vor: die schillernd-bunten Werke Brittos, sein Hang zur Selbstdarstellung und seine plakativ wirkende, optimistische Einstellung und Sicht auf das Leben. Klar ist, dass hier erstmal Geld verdient werden soll. Alles eher unangenehm. Aber wir geben nicht auf.
Vom Saal aus gelangen wir in die Bar der Villa Bulfon. Das ist schon eher was: Man wird in die 60er, 70er und 80er Jahre zurückversetzt: Russel Youngs zum Teil bearbeiteten und mit Effekten versehenen Fotographien zeigen Marilyn Crying, Brigitte Bardot, Mick Jagger, Coco Chanel und Grace Kelly. Im Zusammenspiel mit den alten Möbeln der Bar strahlt der Raum ein einzigartiges Flair aus. Unsere Laune steigt noch mehr durch den Genuss eines Glenfiddich 12-years-old. Immerhin ist Urlaub…
Mit Pop Art wird geworben – Neo-Pop Art soll verkauft werden
Russel Young definiert den Zweck seiner Arbeit folgendermaßen: „Ich will eine Art Soundtrack zu meinem Leben, der Liebe, Erfahrungen und Einflüssen basteln. Ich arbeite mit Suchen, Zerstören und Kreieren.“ Youngs Fotographien verstehen es, die Mythen des Alltags und die Ikonen der Massenmedien zu entzaubern. Insofern passt das durchaus ins Bild. Ob er hingegen zur klassischen Pop Art gerechnet werden kann, ist eher fraglich.
Nach einer reichlichen Stunde laufen wir noch zum Wörthersee rüber. Die in der Werbung angekündigten großen Namen haben wir nicht gefunden, keinen Warhol, keinen Wesselmann. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass man hier mit dem immer gängigen Namen Pop Art wirbt, um dann eigentlich etwas aus der sehr schwammigen Kategorie Neo-Pop Art zu zeigen und natürlich zu verkaufen. Das ist schade. Aber die Stimmung ist nach dem Port Ellen gut und außerdem ist ja Urlaub, nicht wahr …
Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist täglich von 15 bis 22 Uhr zugänglich. |