Startseite Rezension Links, Rechts, „Querfront“: Zeitschriften außerhalb des Mainstreams
Links, Rechts, „Querfront“: Zeitschriften außerhalb des Mainstreams PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolf-Dieter Lassotta   
Freitag, den 29. Juli 2011 um 13:44 Uhr

Die Frage, was denn BlaueNarzisse.de-Leser für Zeitschriften lesen, brachte vor zwei Wochen ein breites Spektrum an Veröffentlichungen hervor. Drei Zeitschriften, die mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen, eigenen Themensetzungen und ihrem Abstand zu den etablierten Medien herausstechen, müssen allerdings ergänzt werden. Unabhängig vom eigenen Standpunkt sind sie auf jeden Fall eine Horizonterweiterung. Es handelt sich um Hintergrund, Umwelt & Aktiv sowie Compact.

Das linke Nachrichtenmagazin Hintergrund beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe (2. Quartal 2011) intensiv mit dem sozialen Netzwerk Facebook. In einem ausführlichen Artikel beschreibt Sascha Adamek einerseits, wie Facebook vorgeht, um an die Daten seiner Nutzer heranzukommen und dabei keinerlei Rücksicht auf Datenschutzanliegen nimmt. Der Konzern kündigt zwar Datenschutz an, reagiert aber erst auf konkrete Vorwürfe. Die anschließenden Zugeständnisse an Datenschützer seien zudem, so Adamek, in der Regel Lippenbekenntnisse.


Hintergrund: Geheimdienste bei Facebook und die Solidarisierungen mit dem „Irren von Tripolis“

Noch interessanter ist der Teil des Artikels, der sich mit der Veränderung unseres Verhaltens durch die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken beschäftigt. Durch die inflationäre Verwendung des Begriffes Freundschaft bei Facebook und anderen wird ihr Wert zerstört. Außerdem entwickelt sich eine Spirale aus intensiver Nutzung sozialer Netzwerke und einem steigenden sozialen Druck. Wer nicht an der virtuellen Freundeswelt teilnimmt, dem werde suggeriert, ein „Fenster zur Welt“ zu verpassen und nicht genügend am Leben anderer teilzuhaben.

Adamek entlarvt auch die „Facebook-Revolutionen“. Zwar können per Facebook schnell Aktionen organisiert werden. Doch auch die Geheimdienste nutzen die offen zugänglichen Daten für ihre Zwecke. Der ehemalige CIA-Direktor Michael Hayden brachte es auf den Punkt: „Geheime Informationen sind nicht alles in unserem Beruf, und es macht wirklich Spaß, Probleme mithilfe von Informationen zu lösen, die Leute so dumm waren, offen ins Netz zu stellen.“

Linke Zeitschrift, die auch für Konservative interessante Themen wie Geopolitik bereithält

Artikel über die Konflikte in Libyen weisen auf die seltsamen Allianzen hin, die UNO und NATO bei ihrem Bombardement des Gaddafi-Regimes eingehen. Renate Eisel, Leiterin eine Sprachlehrzentrums in Tripolis und während der Bombenangriffe in Libyen geblieben, erklärt in einem Interview: „Diese Bomben sind keine Sympathieträger – das sollen sich NATO und UNO nicht einbilden!“ Vielmehr führen sie zu Solidarisierungen mit dem „Irren von Tripolis“, selbst wenn große Teile der Bevölkerung ihm politisch nicht nahe stehen.

Thomas Konicz analysiert in seinem Artikel „Die Weltvernichtungsmaschine“ den Zusammenhang zwischen dem Aufstieg sogenannter alternativer Energien und Industriezweige und der Abhängigkeit von „seltenen Erden“. Diese Abhängigkeit ist besonders deswegen gravierend, weil im Jahr 2010 90 Prozent der weltweit geförderten Metalle dieser Art aus China stammten. Konicz zeigt, dass die Verknappung des Exports seltener Erden nicht in erster Linie der Spekulation der Chinesen geschuldet ist, wie die USA vermuten, sondern dem steigenden eigenen Bedarf.

Er schlussfolgert, dass die neoliberale Ideologie der ordnenden Macht durch die „unsichtbare Hand des Marktes“ nicht in der Lage ist „eine vernünftige strategische Planung der eigenen Ressourcensicherheit zu bewerkstelligen“. Gleichzeitig desillusioniert er alle Hoffnungen, mit der Umstellung auf Elektro- und Hybridfahrzeuge den Klimawandel aufhalten zu können: Für die jährliche globale Autoproduktion (ca. 70 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2010) als Elektro- und Hybridfahrzeuge würde man mehr als eine Million Tonnen einer bestimmten Sorte Seltenerdmetall (Lanthanoide) benötigen. Die Förderung aller (!) Seltenerdmetalle könne allerdings bis 2014 nur unter größten Anstrengungen auf etwas mehr als 200 000 Tonnen gesteigert werden.

Wer sich für internationale und Geopolitik interessiert, für den lohnt sich Hintergrund auf jeden Fall. Zwar gibt es auch immer wieder Artikel, die über das (linke) Ziel hinausschießen und vor allem bei innenpolitischen Themen einige fast ulkige Interpretationen des Zeitgeschehens bieten. Ärgerlich ist auch, dass die Fußnoten, die in vielen Texten zu finden sind und häufig wertvolle weiterführende Informationen bieten, nur im Internet zu finden sind. Davon abgesehen ist die Zeitschrift auch für Konservative eine anregende Lektüre.

Umwelt & Aktiv: Umweltschutz ist Heimatschutz

Mit dem Thema „Globaler Landraub“ setzt sich auch Umwelt & Aktiv. Zeitschrift für gesamtheitliches Denken in der aktuellen Ausgabe auseinander. Die Zeitschrift versteht sich als Rundbrief an die Mitglieder und Förderer des Umweltvereins Midgard. Da der Verein unter Umweltschutz auch und in erster Linie Heimatschutz versteht und auch rechten Autoren ein Forum zur Publikation bietet, ist die Zeitschrift ins Visier der Kämpfer „gegen Rechts“ geraten. Im Vorwort schildert der Schriftleiter Christoph Hofer die Konsequenzen: Dem Trägerverein wird die Gemeinnützigkeit unter „fadenscheiniger Argumentationen“ aberkannt. „Umweltschutzorganisationen erheben Urheberrechtsansprüche“ und öffentlicher Druck wird auf aktive und ehemalige Redaktionsmitglieder ausgeübt.

Wer nun eine Propagandazeitschrift erwartet, die NPD-Parolen unter dem Umweltmäntelchen verbreitet, der wird „enttäuscht“. Der Artikel über den globalen Landraub („Land Grabbing“) in der aktuellen Ausgabe bietet einen Überblick über die Folgen des weltweiten Bevölkerungswachstums und dem steigenden Wohlstand in Schwellenländern wie China. Im bevölkerungsreichsten Land der Erde wächst nicht nur die Wirtschaft immer weiter. Jährlich steigt die Bevölkerung um ca. 7,5 Millionen Menschen an.

Das bringt gewaltige Versorgungsschwierigkeiten mit sich, zumal der steigende Wohlstand Konsumwünsche entstehen lässt. So stieg der Fleischkonsum der Chinesen von 20 Kilogramm pro Kopf im Jahr 1985 auf über 50 Kilogramm heute an. Gleichzeitig sinkt die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, da viele Felder der Industrialisierung weichen mussten. Nur noch auf neun Prozent der Fläche der Volksrepublik lassen sich Nahrungsmittel anbauen.

Der Kampf um Ackerland in Afrika

Als Folge bemüht sich China, die Nahrungsmittelproduktion ins Ausland zu verlagern. Es besitzt inzwischen 100 000 Hektar Ackerland allein in Kamerun, Australien und Laos. Davon profitierten auch chinesische Saatguthersteller, die das Hybridsaatgut für die Felder produzieren. Auch Indien, viele arabische Staaten, Südkorea und Japan bemühen sich vor allem in Afrika um den Kauf von Ackerland, um ihre wachsenden Bevölkerungen ernähren zu können.

Michael Howanietz beschäftigt sich mit dem „Projekt-Gigantismus“, der infolge der Politik der alternativen Energien gewaltige Wind- und Solarparks sowie Wellenkraftwerke entstehen lässt. Häufig hat dies katastrophale Folgen für die regionale Umwelt. Weitere lesenswerte Artikel erläutern die Schwierigkeit in Deutschland Speichertechniken zu erforschen, die unbedingt benötigt werden, wenn die Umstellung auf alternative Energien gelingen soll und mögliche Gründe für das Bienensterben in den letzten Jahren.

Außerdem stellt auch Umwelt & Aktiv das „Guerilla Gardening“ vor. In jeder Ausgabe finden sich darüber hinaus Bastelanregungen für Kinder und Wissenswertes über die heimische Tierwelt und Kultur.

Compact: Demokratische Linke und Rechte zum Dialog zusammenbringen

Eine der schillerndsten Veröffentlichungen im deutschen Zeitschriften-Handel ist das von Jürgen Elsässer herausgegebene Magazin Compact. Elsässer – früher Stichwortgeber der Antideutschen, nun Begründer einer „Volksinitiative gegen Finanzkapital“, die im Nationalstaat den einzigen Schutz gegen die fatalen Folgen der Globalisierung sieht – will mit diesem Format „demokratische Linke und demokratische Rechte, kluge Islamkritiker und kluge Moslems im Dialog zusammenführen“. Elsässer provoziert gerne, dafür wird er auf der Linken inzwischen gemieden bis gehasst.

Nicht zu seiner Anerkennung und der des Magazins beitragen, wird sicherlich Josefine Barthels Artikel über Jugendkriminalität in der aktuellen Ausgabe. Sie sieht in dem Begriff bereits eine Verschleierung der Realität. Die überwiegende Kriminalität gehe von Ausländern aus. Die Deutschen schreckten durch die Befürchtung unter den „Nazi-Verdacht“ zu fallen, davor zurück, die Tatsachen klar zu benennen. Vor allem falsch verstandene Ausländerfreundlichkeit statt einer in den etablierten Medien angenommenen Ausländerfeindlichkeit sei dafür verantwortlich, dass viele jugendliche Migranten keinerlei Respekt vor ihrem Gastland haben.

Mit dem Hinweis auf das respektvolle und höfliche Verhalten junger Menschen gegenüber Älteren in arabischen Ländern erteilt sie der „Kulturalisierung“ der Kriminellen eine Absage. Eine verstärkende Funktion jedoch könne der Islam haben. Dabei spiele keine Rolle, ob der Islam an sich friedlich ist oder nicht: „Jede Religion wird, wenn sie instrumentalisiert und als Waffe zur Unterdrückung und Herabsetzung anderer eingesetzt wird, grausam, gewalttätig und intolerant.“

Elsässer selber besuchte für die aktuelle Ausgabe das diesjährige Bilderberger-Treffen in St. Moritz. Den zwingenden Zusammenhang zwischen dem Treffen und darauffolgenden politischen Entscheidungen und Personalverschiebungen muss man nicht teilen. Dass das Thema, das sonst in deutschen Medien kaum vorkommt, von ihm immer wieder aufgegriffen wird, ist dennoch wichtig. Gerhard Wisnewski ergänzt diesen Artikel mit einem Porträt von David Rockefeller, der maßgeblich an der Bilderberg-Verschwörung beteiligt sein soll.

Sex-Skandale unter der Lupe: Machte Strauss-Kahn eine Kampfansage an die Wallstreet-Interessen?

Drei Artikel beschäftigen sich mit aktuellen Sex-Skandalen und der Rolle des Feminismus. Michael A. Xenos wirft einen Blick auf die Rolle von Alice Schwarzer im Kachelmann-Prozess und fragt, wie viel Privates in den Kampagnen der „Männerhasserin“ steckt. Raphal-Maria Grünwald zeigt die politischen Positionen des wegen Vergewaltigung angeklagten Dominique Strauss-Kahn auf, die eine „Kampfansage an die Wallstreet-Interessen“ darstellten. Er schließt nicht aus, dass Strauss-Kahn den „Versuch, den Casino-Kapitalismus der Finanzmärkte zu bändigen, mit dem Karriereende bezahlen“ musste.

Schließlich legt der Medienwissenschaftler und Männerrechtler Arne Hoffmann dar, wie der bloße Vergewaltigungsvorwurf einen Mann ruinieren kann. Selbst wenn juristisch die Unschuld erwiesen ist, bleibt der Verdacht hängen. Dabei gehe man in der Rechtsmedizin inzwischen davon aus, dass bis zu 50 Prozent der Vergewaltigungsvorwürfe reine Erfindung seien.

Churchill und Michelangelo: Die Retter Europas

Zwei Interviews runden das abwechslungsreiche Magazin ab. Der frühere Linksterrorist Bommi Baumann fordert endlich die Verstrickungen der Geheimdienste in den RAF-Terror zu klären. Viele der Terroristen hätten Verbindungen zu GLADIO gehabt, einer der NATO unterstellten Geheimarmee. Auch habe es durchaus Verbindungen der RAF zu Rechtsextremisten gegeben: „Das war damals nicht ungewöhnlich. Die Szene, die mit Gewalt vorgehen wollte, war relativ überschaubar. Alle Leute, die Putz machen wollten, kannten sich, egal, wie sie ideologisch drauf waren.“

Im zweiten Interview erklärt der Schriftsteller Rolf Hochhuth, warum eine Revolution kommen muss. Außerdem kritisiert er den Prozess der deutschen Wiedervereinigung und stilisiert Winston Churchill zum Retter Europas: „Er war der eine in der Geschichte, der Michelangelo in der Kunst war.“

 
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