| Deutschrock II: „Feuer frei!“ – Der deutsche Exportschlager Rammstein |
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| Geschrieben von: Robin Classen |
| Mittwoch, den 25. Januar 2012 um 08:06 Uhr |
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In den Vordergrund drängen sich unzweifelhaft die zahlreichen Erfolge der Gruppe: 15 Millionen verkaufte Tonträger und Millionen Fans selbst in den USA beweisen, dass es für internationalen Erfolg nicht zwangsläufig englische Texte braucht. Rammstein sind bis auf wenige Ausnahmen der deutschen Sprache treu geblieben, nutzen die ihr eigenen Raffinessen und Stilmittel geschickt, um ihrer Musik einen lyrischen Touch zu geben. Rammstein, das ist Poesie mit kräftigen Bässen und E-Gitarren, deutsche Dichterkunst im kulturellen Umfeld des 21. Jahrhunderts. Anlehnungen an Goethe und Bertolt Brecht sind kein Zufall, sondern bewusstes Element, das nach eigenen Angaben für DDR-Bands charakteristisch war und übernommen wurde. Rammstein: ein Produkt der Wiedervereinigung Doch nicht nur deutsche Dichtung, auch die deutsche Geschichte bewegte und prägt die Band, die selbst ein Produkt der Wiedervereinigung ist. Der Gitarrist Richard Kruspe floh 1989 aus der DDR, kehrte nach dem Mauerfall zurück und lernte in Schwerin Till Lindemann – Textschreiber und Sänger der Band – sowie Oliver Riedel, Bassist, und Christoph Schneider, Schlagzeuger, kennen. Später holte man noch den zweiten Gitarristen Paul Landers mit ins Boot, was die Truppe komplettierte. 1995 wurde der erste Plattenvertrag geschlossen, der kometenartige Aufstieg der Band begann. Bereits 2002 landeten sie in Hollywood: Ein Auftritt im Action-Film xXx – Triple X (s. u.) steigerte ihren internationalen Bekanntheitsgrad sprunghaft. Den Filmausschnitt anzusehen lohnt sich, ist er doch eine beispielhafte Vorführung der im Rock-Bereich selten aufwendigen und detailverliebten Bühnenshows der Band. Flammenwerferhelme, brennende Mikrophone und sogar Selbstentzündungen sind an der Tagesordnung, weswegen Rammstein eine der Bands ist, bei denen ein Konzertbesuch sich definitiv nicht nur der Musik wegen lohnt. Allgegenwärtig ist dabei neben der tiefen Gesangsstimme Lindemanns mit dem rollenden „R“ vor allem das Stilmittel des Feuers, welches die Band von Namensgebung über Texte bis hin zur Bühnenshow immer begleitet. Richtig bekannt wurden Rammstein mit ihrem zweiten Album Sehnsucht, das sich in Deutschland 65 Wochen auf Platz 1 der Album-Charts hielt. Die Stücke „Du hast“ und „Engel“ prägten das Bild dieser Zeit und sorgten für den kommerziellen Durchbruch. Rammstein wurden dafür mit 2 goldenen und 6 Platinschallplatten ausgezeichnet. Die lange Reihe von bewussten Tabu-Brüchen und der kommerzielle Erfolg Wie es sich für eine erfolgreiche deutsche Rockband gehört, ließen angesichts des gigantischen Erfolges auch die Kritiker nicht lange auf sich warten. Zunächst stand die Namensgebung im Fokus: Der Name Rammstein ist eine unzweifelhafte Anspielung auf das schreckliche Unglück bei einer Flugshow auf der Ramstein Air Base im Jahr 1988, das 70 Menschen das Leben kostete. Darf man einen solchen Namen, sechs Jahre danach nutzen? Die Band wählte diesen Namen bewusst und verwies auch auf die schwierigen und oftmals düsteren Themen der Lieder, zu denen die Anspielung auf das Unglück halbwegs passend schienen. In Wirklichkeit handelte es sich um den Anfang einer langen Reihe von bewusst inszenierten Tabu-Brüchen. Wenn Rammstein etwas gleich begriff, dann das Spiel mit den Medien. Am stärksten in die Bredouille kam Rammstein jedoch, als der Band eine rechtsextreme Einstellung vorgeworfen wurde: Die Diskussion begann, weil Rammstein Ausschnitte aus dem Olympia-Film von Leni Riefenstahl für das Musikvideo zum Stück „Stripped“ verwendeten – für die Sittenwächter nicht nur des Feuilletons ein Skandal. Problematisch ist jedoch viel eher das Verhalten der Band zu bewerten, die im Gegensatz zur Debatte über die Namensgebung nicht auf die düsteren Motive, die zur Musik angeblich passende nationalsozialistische Ästhetik oder das in ihren Liedern regelmäßig vorkommende Spiel mit Gut und Böse, Schwarz und Weiß verwies, sondern sich schlichtweg politisch korrekt von sich selbst distanzierte. Das Kreuz mit der Politik Endgültig zum Gespött machten sich Rammstein dann, als sie den Song „Links, 2, 3, 4“ nur deshalb schrieben und veröffentlichten, um sich selbst als „linke Band“ zu inszenieren und die Vorwürfe zu entkräften. Die Presse zeigte sich angesichts des musikalischen und lyrischen Ausreißers nach unten mit klarer Demutsbotschaft beruhigt und bot den Bandmitgliedern nun bereitwillig Interviews an. Darin konnten Rammstein ihren Canossa-Gang noch bekräftigten, indem sie noch härtere Strafen gegen rechte Straftäter forderten und das charakteristisch gerollte „R“ als Sprachfehler abtaten. Von ihrem gewaltverherrlichenden Image sind sie bis heute hingegen schlecht weggekommen. Als nach dem Littleton-Schulmassaker herauskam, dass die Attentäter bekennende Rammstein-Fans waren, löste das erneutes Entsetzen aus, tat dem kommerziellen Erfolg jedoch keinen Abbruch. Das letzte Album „Liebe ist für alle da“ wurde 2009 wegen der erneut gewaltverherrlichenden und sadomasochistischen Texte zunächst indiziert. Seitdem sich Rammstein an politischen Einordnungen die Finger verbrannt hatten, provozieren sie mit weniger konkreten Themen wie Sex und Gewalt. „Liebe ist für alle da“ hielt sich 47 Wochen auf Platz 1 der deutschen Album-Charts und jeweils 29 an der Spitze der Album-Charts in Österreich und der Schweiz… Und die nächsten 15 Jahre? Offen ist die Zukunft der Band: Anders als beispielsweise die Böhsen Onkelz wirkt die Fanszene von Rammstein verschlafen und die rockigen Rhythmen scheinen eher in die 90er zu passen, als in unsere Zeit, in der House- und leichte Partykost den Mainstream bestimmen. Entscheidend wird sein, ob die Band es vermag weiterhin mit innovativen Texten, Ideen und Shows zu glänzen, oder ob sich die Kreativität langsam verläuft. Eines scheint man heute jedoch sagen zu können: Die ganz großen Zeiten, in denen Rammstein im Mittelpunkt der Musikwelt standen und in aller Munde waren, sind endgültig vorbei. Wer die politische Beliebigkeit und die düstere Musik mag, dem kann ein Besuch nur empfohlen werden: Schon allein des zu erwartenden Effekt-Feuerwerks wegen! Fehlt Eure Lieblingsband? Seid Ihr anderer Meinung als unsere Autoren? Die Reihe kann fortgesetzt werden. Schreibt selbst eine Rezension und schickt Sie an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! 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