Startseite Rezension Deutschrock III: Die Toten Hosen – bodenständige und aufrechte Jungs von der Straße
Deutschrock III: Die Toten Hosen – bodenständige und aufrechte Jungs von der Straße PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ann-Kathrin Seidel   
Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 05:46 Uhr

Die Toten Hosen: fast alle kennen sie, fast jeder verbindet etwas mit ihnen. Zumeist sind das Alkohol, lauter Punkrock und hymmnenartige Trinklieder. Unbestreitbar sind es Stücke wie „Kein Alkohol“ oder „Zehn kleine Jägermeister“, die das öffentliche Bild der fünf Düsseldorfer prägen. Ihre bodenständige Art fasziniert ihre Fans bis heute. Ihr Motto lautet deshalb: Das Leben ist kein Wunschkonzert, Musik machen wir trotzdem.

Der Beginn in den tiefen Achtzigern

Die Toten Hosen bestehen aus Campino, Andreas von Holst, Michael Breitkopf, Andreas Meurer und Vom Ritchie, wobei dieser erst seit 1998 Schlagzeug bei den Hosen spielt. Bis dahin hatte der Schlagzeuger schon zweimal gewechselt, seit die Band 1982 gegründet wurde. Bereits 1987, nach Wechseln zu verschiedenen Plattenfirmen, erzielten sie mit dem dritten Album Never mind the Hosen - Here’s Die Roten Rosen, einer Karikatur des Albumtitels Never mind the Bollocks, here’s the Sex Pistols ihren ersten Charterfolg.

Schon ein Jahr später erschien das bis heute bekannte Stück „Hier kommt Alex“, was der Band nun auch den kommerziellen Durchbruch brachte. Das erste Album unter ihrem eigenen Label war Opium fürs Volk von 1996. Ein Jahr später bei ihrem Jubiläumskonzert im Rheinstadion Düsseldorf kam im Gedränge eine 16-Jährige zu Tode. Geschockt von dieser Tragödie sagte die Bands alle Konzerte dieses Jahres ab und spielte ein halbes Jahr lang gar nicht und ganze zwei Jahr nicht mehr in einem Stadion. Diesem Mädchen widmeten sie das Stück „Alles ist eins“.

Bekanntheit nutzen um gesellschaftlichem Auftrag gerecht zu werden

Mittlerweile sind die Toten Hosen einer der musikalischen Exportschlager Deutschlands. Ob in Südamerika oder Kasachstan – wo die Düsseldorfer hinkommen, erwartet sie eine Menge Fans. Umso lobenswerter, dass sie diese Beliebtheit nutzen, um wichtige Dinge anzusprechen und einem großen Publikum näher zu bringen. So stehen die Toten Hosen nicht nur für lustige Partyliedchen und Fußballhymmnen, sondern auch für die Auseinandersetzung mit tiefgründigeren Themen wie Liebe, Glauben und Religion, Rechtsextremismus und sozialen Problemen. Das tun sie auf eine so natürliche, alltägliche und doch satirische Art und Weise, dass die Botschaft immer ankommt. Die bekanntesten Beispiele sind wahrscheinlich „Alles aus Liebe“ und „Sascha - ein aufrechter Deutscher“ um zu zeigen, dass Musik auch mit Kritik an Politik, Gesellschaft und bestimmten Ideologien durchaus erfolgreich sein kann – und das über Jahre hinweg.

Doch nicht nur in ihren Texten engagieren sich die Fünf. Trotz vieler Auftritte auf Festivals, Demonstrationen und Beiträgen gegen Ausländerfeindlichkeit auf Musik-Samplern, ließen sich die Toten Hosen nie in eine bestimmte politische Ecke stecken. Auch als die Tierschutzorganisation PETA mit ihrer Kampagne „Lieber nackt als im Pelz“ mit den Düsseldorfer werben wollte, erklärten sie sich dazu bereit und posierten unbekleidet auf deren Plakaten.

Darüber hinaus sind sie sehr aktiv in der Entwicklungshilfe in Afrika, setzen sich für Menschenrechte ein und schaffen es immer, das alles mit ihrer Musik zu verbinden. Die Liebe zur Musik macht sie bis heute aus. Die teilweise versteckte Tiefe und Ernsthaftigkeit in vielen ihrer Texte, die Gradwanderung zwischen Partylied und politischem Statement, der Versuch, die Welt ein bisschen besser zu machen. Das ist, wofür die Toten Hosen bis heute stehen. Sie sprechen wichtiges an, in einer Sprache, die jeder versteht.

Fehlt Eure Lieblingsband? Seid Ihr anderer Meinung als unsere Autoren? Die Reihe kann fortgesetzt werden. Schreibt selbst eine Rezension und schickt Sie an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

 
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