Startseite Rezension Facebook macht die Welt nicht besser: Wie das Netz unsere Gewohnheiten verändert
Facebook macht die Welt nicht besser: Wie das Netz unsere Gewohnheiten verändert PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dirk Taphorn   
Mittwoch, den 15. Februar 2012 um 07:28 Uhr

Eine Studie erklärte Ende Januar, Facebook mache unglücklich und fördere narzisstische Tendenzen. Gleichzeitig warnten zwei Zeit-Journalisten vor dem Internet. Da bietet sich eine Rezension zu dem Buch Die Facebook-Falle – Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft von Sascha Adamek geradezu an.

Der Journalist Adamek beschreibt, wie sich das Leben vieler Menschen, insbesondere junger Leute immer weiter virtualisiert. Nicht nur positive Kommunikation wird über das soziale Netzwerk weltweit verbreitet, auch negative. So erweitern Cybermobbing oder Bullying das „Dissen“ auf dem Schulhof ins Netz, jedoch wesentlich anonymer und weitreichender. Soziale Netzwerke erhöhen so den sozialen „Anpassungsdruck“ auf Jugendliche. Einige zerbrechen daran. So gab es mehrere Selbstmordfälle, nach Beleidigungen, Bedrohungen und Erniedrigungen auf Facebook.

Das Internet vergißt nichts

Und die Bilder vom letzten Saufgelage wären vor Jahren in den Fotoalben der Freunde verschwunden und verstaubt. Heute sind sie für alle Welt einsichtbar. Das interessiert natürlich auch die Personalchefs, die auf Grund von „Jugendsünden“ unliebsame Kandidaten gleich aussortieren können.

Doch nicht nur der achtlose Umgang mit unseren eigenen Daten stellt ein Risiko dar. Denn die Datenkrake Facebook, die nicht nur an unseren persönlichen Daten sondern auch denen unserer Freunde interessiert ist, offenbart immer mal wieder technische Sicherheitslücken. Und so mutiert der „Gefällt mir“-Button dank Cookies zum trojanischen Pferd, welches sich nicht für uns als Person, sondern unsere Konsumgewohnheiten interessiert. Um aus diesen Daten Geld durch Werbung zu generieren.

Wer hinter Facebook steckt

Die viel beschworene Transparenz endet laut Adamek jedoch beim Unternehmen selbst. In der Realität verstecke sich der Konzern aus Palo Alto, auch die Finanzen würden nicht offen gelegt.

Gegen den transnationalen Konzern haben deutsche Datenschützer daher auch keine rechtliche Handhabe, das Unternehmen entzieht sich journalistischen und staatlichen Nachfragen und Kontrollen.

Wer ein Teil von Facebook werden möchte, muß sich also dessen Regeln unterwerfen. In den Nutzungsbedingungen heißt es dazu: „Wir verfolgen einige Deiner Handlungen auf Facebook.“ Sascha Adamek würde eher sagen: nicht nur einige, sondern alle. Er sieht Facebook sich immer weiter in unser Leben drängen. Daher werden auch die Hintermänner von Facebook in dem Buch näher beleuchtet – zumindest soweit es möglich ist. Denn viele wichtige Personen haben beste Verbindungen zu amerikanischen Sicherheits- und Geheimdiensten.

Vielfältige Gefahren für Facebook-Nutzer

Aber nicht nur die Polizei und andere Sicherheitsbehörden sind bei Facebook. Die Diebe, Verbrecher und Extremisten natürlich auch schon lange, um uns auszuspionieren, übers Ohr zu hauen oder auf ihre Seite zu ziehen.

Und die Möglichkeiten der Kontrolle und Manipulation haben auch autoritäre Regime erkannt um Dissidenten zu überwachen. Der Journalist führt berechtigte Zweifel an, daß Facebook zu mehr Demokratie führt – und auch nicht zu mehr Freundschaft. Denn, so seine abschließende Meinung: „Nicht nur als Bürger und Konsument drohen wir also in die Facebook-Falle zu tappen, sondern auch als Freunde. Denn wenn alle Menschen Freunde sind, gibt es keine mehr.“

Während früher die Freizeit für viele Menschen häufig Bücherzeit war, ist heute Freizeit für die meisten Computerzeit. Auch ich nehme mich da nicht aus. Das Buch Die Facebook-Falle unterm Weihnachtsbaum bot da eine gute und spannende Möglichkeit, sich vom PC zu verabschieden und seine eigenen Computergewohnheiten kritisch zu überdenken.

Insgesamt gräbt Adamek bei seiner Recherche viele wichtige und leider auch viel zu häufig unbeachtete Details zum Facebook-Imperium hervor. Nach dem Buch sollte dem Leser vor allem eines bewußt geworden sein: der Untertitel „Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft“ sagt nur die halbe Wahrheit – Schlimmer ist: Wir verkaufen unser Leben bereitwillig selbst an Facebook. Denn die Mitglieder und Nutzer, bzw. die Konsumenten (im doppelten Sinne) veröffentlichen ihre privaten Vorlieben und Gewohnheiten von sich aus. Hier tritt ein gruppendynamischer Effekt zu tage, bei dem sich die Nutzer selbst immer weiter zum gläsernen Konsumenten entwickeln.

Sascha Adamek: Die Facebook-Falle - Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft. Heyne Verlag 2011, 352 Seiten. 16,99 Euro.

 
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