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Was sagt einem so ein komischer Titel? Nichts? Richtig! So ging mir das auch, als ich dieses Büchlein zum ersten mal in die Hand nahm – aber schon nach wenigen Seiten wurde klar, was gemeint ist: der Mensch im Spiegel seines Wesens. Mensch als dunkles, schlicht unergründliches Wort – was wir im Spiegel sehen sind nur wir selbst… oder?
Zwar werden in dieser Serie eigentlich nur richtig alte Bücher vorgestellt und „Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort“, ist mit 13 Jahren nicht gerade alt, jedoch es steckt tief in der Mottenkiste. Will sagen, kaum einer der Gaarder-Leser kann mit dem Buch etwas anfangen. Es steht, wie so oft bei wirklichen Dichtergrößen, im Schatten des Hauptwerkes. Hört man „Sophies Welt“, so geht einem ein Licht auf – vielleicht auch noch beim „Kartengeheimnis“, aber dann kommt - wie so oft - nichts. Eigentlich schade! Sind es doch meist die sperrigen und weniger bekömmlichen Bücher, vor oder nach einer Phase mit Megaauflagen, die uns als wirkliche Spezialitäten erscheinen.
Es ist Weihnachten – die schwer krebskranke Cecilie liegt in ihrem Dachgeschoßzimmer und wartet, von ihrem Vater ins Wohnzimmer zu den Gästen hinunter getragen zu werden. Sie ist vielleicht gerade mal 15, hat ihr Leben noch ganz vor sich und steht doch, auf eine bizarre Art und Weise, bereits am Ende. Tagtäglich bekommt sie Spritzen, sie ist nach einer langen Zeit im Krankenhaus wieder zu Hause – alle wissen warum. Keiner sagt den Grund. Oft hat sie Fieber, sie schläft viel und ist sehr schwach.
Sie verlebt den schönen Weihnachtsabend in Familie und wird am Abend wieder zu Bett gebracht. In der Nacht erscheint ihr ein Engel – gut, jetzt könnte man denken, was ist denn das für ein Kitsch – doch halt! Da kommt kein Engel, wie man ihn aus Märchen kennt: lange blonde Haare, weißes Kleidchen, Dauergrinsen… eigentlich mehr eine Engelin … nein es kommt Ariel. Ariel ist zunächst mal ein Neutrum, also geschlechtslos. Es ist etwa einen Meter groß und hat keine Haare. Es (also das Engel) spricht zu Cecilie. Es spricht von seiner Heimat, dem was wir „Himmel“ nennen und davon, das eigentlich alle Engel so aussehen. Es sagt zum Beispiel, dass jeder Mensch schon im Himmel ist, da dieser unmittelbar über dem Boden beginnt. Und das ist auch das Grundprinzip dieses kurzen, aber schwergewichtigen Buches: Nichts ist so, wie wir es kennen. Ariel kennt nichts, was uns hier auf der Erde normal ist. Sei es die stechende Kälte, wenn man Schnee in den Händen hält, sei es Helligkeit, sei es Trauer und Freude. Cecilie ist gezwungen, alles was sie vermeindlich als „Wahrheit“ kennt, einmal zu hinterfragen und zum anderen, es zu erklären. Wie erklärt man einem Engel, wie sich Schnee in der Hand anfühlt, wenn er weder heiß noch kalt kennt, werde hart noch weich?
Gaarder entwirft in seinem Werk eine lesenswerte Reise durch die menschliche Erkenntnisprozesse. Er versucht, ein Stück hinter das Bild im Spiegel zu schauen. Er malt wie so oft Bilder einer Welt, die den menschlichen Horizont eigentlich übersteigen. |