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Eigentum und youth bulges

Montag, 30 April 2007 03:00 von Felix Menzel

Der Soziologe und Genozidforscher Gunnar Heinsohn (Universität Bremen) widmet sich in seinem Werk „Söhne und Weltmacht. Terror im Aufstieg und Fall der Nationen“ dem Phänomen der youth bulges. Mit youth bulge, einem von Gary Fuller (USA) 1995 eingeführten Begriff, meint Heinsohn, den Überschuß an jungen Männern einer Nation, die nicht hungern und betteln, deren Suche nach einer angesehenen gesellschaftlichen Position aber aussichtslos ist.

Die erfolglosen 1525-​Jährigen aus islamischen und Dritte Welt-​Staaten bilden ein Massenheer, dem die westlichen Industrienationen mit ihren niedrigen Geburtenraten nicht gewachsen sind. Politisch und militärisch deutet sich eine Niederlage insbesondere für Europa an. Ob sich eine wirtschaftliche für die bisherigen Weltmächte ebenfalls anbahnt, hängt davon ab, wann die Staaten mit großem youth bulge begreifen, was Eigentum ist.

Heinsohn zufolge stacheln die USA durch den globalen „Kampf gegen den Terror“ junge Männer aus dem islamischen Kulturkreis nicht an, Selbstmordattentäter und Terroristen zu werden. Die USA treiben niemand in die Arme eines Osama bin Ladens oder anderer Topterroristen. Der Zorn der Terroristen hat eine andere Ursache: Junge, aufstrebende Männer finden in ihrer Gesellschaft keine berufliche Position, die ihnen angemessen erscheint. Aufgrund des Überschusses an jungen Männern ist dies nicht möglich, da auf jede Stelle zehn Bewerber kommen. Hinzu kommt, daß die Erfolgsaussichten auf eine Frau durch die fehlende berufliche Position sinken. Ideologische und religiöse Motive spielen in der Theorie Heinsohns eine untergeordnete Rolle; sie fungieren allenfalls als Katalysator der inneren und äußeren Konflikte. Der eigentliche Grund für Terror, Bürgerkriege und Genozide in bestimmten Kulturkreisen ist deren demographische Lage; es ist der Überschuß an jungen Männern.

Die überflüssigen 1525-​Jährigen sehen keine Perspektive. Terrorismus ist ihr Ausweg aus der Ausweglosigkeit.

Youth bulges sind keineswegs ein Phänomen des 20./21. Jahrhunderts. Europas Aufstieg an die Weltspitze vom 16. bis 19. Jahrhundert korreliert mit den Geburtenüberschüssen der werdenden europäischen Großmächte. Während 1480 50 Millionen Menschen in Europa lebten, bevölkerten 1900 460 Millionen den Kontinent. Ein zweiter Faktor für den Aufstieg Europas darf dennoch nicht unterschlagen werden: Die europäischen Großmächte vollzogen; spätestens im 18./19. Jahrhundert den Übergang zu Eigentumsgesellschaften.

Im fehlenden Verständnis für Eigentum und dem großflächigen Fehlen von Eigentumstiteln sieht Gunnar Heinsohn einen entscheidenden Grund für die rückständigen Verhältnisse der Dritten Welt. Eigentumstitel haben Besitztitel noch nicht abgelöst. Was heißt das? Hat ein Bauer ein Haus, so besitzt er es lediglich. Er kann auf seinem Grundstück produzieren, also zum Beispiel Viehzucht betreiben oder in seinem Haus einer Tätigkeit nachgehen. Das Haus jedoch besitzt keinen Wert, solange kein beglaubigter Eigentumstitel vorliegt. Wenn das Haus des Bauern einen Eigentumstitel hätte, so könnte der Bauer damit handeln. Er könnte es z.B. mittelfristig mit einer Hypothek belegen lassen, um Geld für innovative, wirtschaftliche Unternehmungen zu bekommen. Erst, wenn Güter oder Immobilien mit Eigentumstiteln versehen sind, beginnt das Wirtschaften. Durch die Schaffung von Eigentum (d.h. die Überführung von Besitztümern in Eigentumsgegenstände) wird Geld emittiert und Kredite sowie Verpfändungen ermöglicht, so daß Geld in Umlauf gelangt.

Mit Besitz läßt sich produzieren, mit Eigentum wirtschaften.

Den basalen Unterschied zwischen Besitz und Eigentum, zwischen Produzieren und Wirtschaften, hat die Dritte Welt noch nicht verinnerlicht. Was würde aber passieren, wenn die Dritte Welt – wie Europa 1500 bis 1900 – youth bulge und Eigentumsgesellschaft vereinen könnte? Eine sichere Prognose dafür ist nicht möglich. Heinsohn drückt sich in „Söhne und Weltmacht“ auch davor, konkrete Szenarien dafür zu entwerfen. Etwa, weil die Wahrscheinlichkeit, daß sich Eigentumsgesellschaften auf dem „schwarzen Kontinent“ entwickeln, so gering ist? Wenn youth bulge-​Staaten beginnen würden zu wirtschaften, so hätte dies eine wirtschaftliche und politische Expansion zur Folge. Besitzergreifend handeln youth bulges schon heute. Aufständige Islamisten, die sich in den westlichen Industrienationen Raum verschaffen, sind der beste Beweis dafür. Wenn die zornigen jungen Männer neben ihrer Aggressivität die Grundzüge des effektiven Wirtschaftens anfangen zu begreifen, dann werden sie in Europa und daheim expandieren.

Die youth bulges werden ihren Machtansprüchen mit Gewalt Nachdruck verleihen.

Bis 2020 werden die youth bulges empfindlich zuschlagen. Mit Eigentum im Rücken würde dieses Zuschlagen für Europa noch schmerzlicher ausgehen als ohnehin schon. Vielleicht ist es deshalb genau richtig, die Dritte Welt mit Hilfe von sinnlosen Entwicklungsgeldern nicht auf die Beine kommen zu lassen.

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