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Wer war Hermann Hesse?

Freitag, 16 November 2012 08:55 von Till Röcke

Sämtliche Gags über Nacktwandern, Nacktsonnenbaden und Nacktklettern werden mit Roger Willemsen bestraft. Lebenslang. Ausgenommen sind Gags über des Dichters Pinsel. Denn Hesse war auch Maler.

Verwildert, doch standhaft

Vor fünfzig Jahren starb Hermann Hesse. Im Schlaf, also friedlich und ohne Nebengeräusche. Das ist bemerkenswert. Denn Hesse bewältigte seine Existenz in verwilderten Zeiten. Von 1877 bis 1962. Dichter war er dabei von Anbeginn, unbeirrt und konsequent, allem Gelächter zum Trotz. Das will etwas heißen. Denn es setzte ja nicht erst mit dem Tode ein, nein, dies Gelächter war ein begleitendes. Hesse, gefangen in der Lachspur. Hinzu kommt, dass dies Gelächter nicht abgeebbt, sondern stets die solide Lautstärke beibehalten hat. In all den Jahren. Mit all den Schmieranten. Und dennoch: Man lachte und lacht zu Recht.

Nette Nacherzählung

Heimo Schwilk etwa hat sich eingereiht in den Beschreiber-​Reigen der üblichen Verdächtigen. Deren Ausstoß an Titeln ist enorm; kein Wunder, Hesse ist stadtbekannt. Noch der letzte Altenpfleger, der ihn irgendwann des Nächtens verschlungen hat. Der Interessierte mag sich seine Hermannschen Rosinen herauspicken. Bei Schwilk sollte er die Finger nicht zu lang machen, falls es ihn nach Authentizität, Leidenschaft, Empathie dem Gewidmeten gegenüber etc. gelüstet. Sucht er stattdessen solide Unterhaltung, so mag er Schwilks behutsam-​spröder Nacherzählung frönen. Nach Herzenslust sogar, wenn er die menschelnde Seite an Biographien schätzt. Die, die vor lauter Umstandsbeschreibung einem den Dichter so unangenehm nahe kommen lässt. Abklopfen, Abmahnen, Abrechnen? Fehlanzeige. Schwilk bleibt Fan.

Ein-​Mann-​Selbstfindungskommission

Hermann Hesse war ja wohl tatsächlich ein spröder Mensch, der schlecht mit Mitmenschen konnte. Vor allem mit Frauen konnte er es doch sehr schlecht. Von Männern ganz zu schweigen, es gab nämlich überhaupt keine. Zumindest nicht diesbezüglich. Aber seine Bücher gab und gibt es. Schwilk legt sie uns nebenbei hin, um sich dann gleich wieder ihrem Autor zu widmen. Hesse gehörte wohl zum halbwegs gesunden Charakter-​Durchschnitt. Mehr kann man im Leben nicht erwarten. Drum wusste er, weshalb mit dem Schreiben unverzüglich zu beginnen sei. Themen und Motive kreisen daher immer um das Werden des Ich in einer gegenüber jedem Anflug von Eigentümlichkeit feindlich gestimmten Umgebung. Hesse, die Ein-​Mann-​Selbstfindungskommission. Derartiges ist heute natürlich überholt, und obendrein so unendlich billig zu haben. Das ist freilich kein Vorwurf an Hermann Hesse, sondern einer an seine Leser.

Heimo Schwilk: Hermann Hesse. Das Leben des Glasperlenspielers. 432 Seiten, Piper Verlag 2012. 22,99 Euro.

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