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Ein Vorwurf an Deutschland

Mittwoch, 21 November 2012 08:54 von Nando-​Dragan Augener

Im Herbst ist wieder ein Buch von Migranten für die autochthone Bevölkerung herausgekommen. Der schöne Titel: „Wir neuen Deutschen. Wer wir sind, was wir wollen.“

Das schmale Bändchen – geschrieben von den Migrantenkoryphäen der ZEIT Özlem Topçu, Alice Bota und Khuê Pham – versucht „deutschsein“ aus der Sicht von hinzugezogenen Ausländern, fruchtbar zu machen. Am Anfang der Lektüre stellte sich die Frage: Schaffen es die Autorinnen aus der Vielzahl von Veröffentlichungen von Migrantenbüchern, wie denen der so genannten „Streitschriften“ und migrantischen Selbstfindungsbüchern herauszustechen?

Zwitterdeutsche“ und „German Angst“

Gleich am Anfang des Werkes wird neben der ausgeführten Darstellung als „Zwitterdeutsche“ – kein Ausländer und kein Deutscher – ein Missverständnis offenbar: Die drei Autorinnen schreiben über die sagenumwobene „German Angst“. So hätten die Deutschen Angst um ihren Wohlstand, die Zukunft und den Verlust der deutschen Identität. Dieses trifft sicherlich zu, aber was die Schreiberinnen dabei gänzlich außer Acht lassen, ist die starke Begründbarkeit dieser Sorge. Es soll ja durchaus noch Menschen in Deutschland geben, denen es mit ihrem Land ernst ist.

Neben unterschiedlichen Variationen des Vorwurfs, nach dem Motto „Wie schwer es doch ist, in Deutschland als Migrant zu leben etc.“ und einigen Erfahrungsberichten, treten Schritt für Schritt die eigentlichen Vorstellungen der drei Frauen zu Tage. Sie wollen ein kosmopolitisches Deutschland, die Idee eines diversen Inklusionsdeutschlands in der Zukunft umgesetzt sehen. Alles mündet in der Feststellung: Heimat ist heutzutage keine gute Idee mehr. Frei nach der Devise, wenn wir keine Heimat haben, sollen alle anderen auch keine Heimat mehr haben. So einfach ist das.

Hybriden Identitäten“ als neue Vorbilder für Deutschland

Dabei ist Ihnen die Soziologin Naika Foroutan, die in der Sarrazindebatte durch unzählige Fernsehauftritte bekannt wurde, ein Vorbild. Deren Konstruktion von so genannten „hybriden Identitäten“ – also weder ganz Deutsch noch Ausländisch – gepaart mit dem Begriff der „Neuen Deutschen“, fungieren in diesem Sinne als Begrifflichkeiten des modernen Deutschlands.

Was bei vielen Büchern dieses Tenors auffällt, ist die Geschichtsvergessenheit und die Zahlenfeindlichkeit. Es werden liebend gerne unzählige subjektive Erfahrungen nacherzählt, die vielleicht ihre Begründung haben, aber nun mal nicht gesellschaftspolitische Prozesse auf der Makroebene darstellen können. Neben diesem Kritikpunkt ist besonders die an einigen Punkten einsetzende Vermischung von Sachverhalten negativ aufgefallen. So werden die sogenannten Ruhrpolen, die zur Zeit des deutschen Kaiserreichs zu den Zechen des Ruhrgebiets wanderten, mit den Arbeitsmigranten aus der Türkei in den sechziger Jahren verglichen. Eine bewusste Nivellierung der Unterschiede bei der Motivation, der kulturellen Identität und Mentalität der beiden Gruppen.

Guter Wille, falscher Therapieansatz

Sicherlich gehört dieses Buch der Migrantenliteratur noch zu den aufschlussreicheren Büchern und ist weniger polemisch als das unfassbare Manifest der Vielen geschrieben. Ihr guter Wille sei den drei Damen also zugestanden. Das hilft allerdings wenig, wenn die Diagnose für Deutschland und der Therapieansatz falsch sind.

Wir müssten stattdessen die deutsche Identität herauskehren und zudem endlich klarstellen was unsere europäischen Werte sind. Dann könnte es auch eine bessere Verständigung zwischen Migranten und Deutschen geben.

Wer die leidige Gegenposition der Menschen mit „hybriden Identitäten“ näher kennen lernen möchte, kann also durchaus ein Blick in dieses Buch werfen, muss aber Durchhaltevermögen besitzen – und starke Nerven.

Alice Bota, Khuê Pham, Özlem Topçu: Wir neuen Deutschen. Wer wir sind, was wir wollen. 176 Seiten, Rowohlt Verlag 2012. 14,95 Euro.

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