jtem​plate​.ru — free extensions for joomla

Dugins Alternative?

Mittwoch, 18 September 2013 08:36 von Markus Wilinger

Nachdem Markus Willinger sich den drei modernen politischen Theorien widmete, geht er nun auf deren Kampf und die von Dugin angedeutete Alternative ein.

Nachdem sich alle drei politischen Theorien einen oder mehrere Trägerstaaten gesucht hatten, brach zwischen diesen Staaten fast notwendigerweise ein Krieg aus. Dabei verbündeten sich die liberalen und kommunistischen Länder gegen den Faschismus bzw. Nationalsozialismus, vernichteten diesen und führten damit das rasche Ende der Dritten politischen Theorie herbei.

Im nun folgenden „Kalten Krieg“ überwand schließlich der Liberalismus den Kommunismus, leitete seine Alleinherrschaft ein und beendete schließlich den Kampf der Ideologien. Dabei hält Dugin es keineswegs für einen Zufall der Geschichte, dass sich ausgerechnet der Liberalismus durchsetzte. Dieser sei nämlich von allen drei Theorien den Bedürfnissen der Menschen am nächsten. Denn während das Zurückstellen der eigenen Interessen für Staat oder Rasse für den Großteil der Menschen von nur geringer Attraktivität sei und der Kommunismus seine Existenzberechtigung mit der Überwindung der Arbeiterarmut in den kapitalistischen Ländern verloren habe, sei der Ruf nach mehr Rechten für den Einzelnen immer wieder in der Lage gewesen, große Menschenmengen zu mobilisieren. Der Liberalismus hat sich also als dem Faschismus und dem Kommunismus klar überlegen erwiesen.

Die Tyrannei der Freiheit

Der Liberalismus mag den Wünschen der Menschen viel näher gekommen sein als die Zweite oder Dritte politische Theorie und hat sich daher nahezu global durchgesetzt, dennoch wird er Dugin zufolge unweigerlich (und seinem Siegeszug zum Trotz) in sich zusammenbrechen und untergehen. Er brauche dafür nur etwas mehr Zeit.

Dugin hält eine Gesellschaft, in der nur das Einzelinteresse zählt und in der Religion, Moral und Tradition dem Wunsch nach uneingeschränkter Freiheit letztendlich zum Opfer fallen müssen, für nicht lebensfähig. Niedrige Geburtenraten, fehlender gesellschaftlicher Zusammenhalt und der mangelnde Wille zur Verteidigung der Gesellschaft, müssten langfristig zum Zusammenbruch des Liberalismus führen.

Alexander Dugin erklärt zudem, dass die „Herrschaft der Freiheit“ wie sie der Liberalismus propagiert, vielmehr zum unfreisten Menschen aller Zeiten geführt habe. Dugin macht dabei die nietzscheanische Unterscheidung von „Freiheit von“ und „Freiheit zu“ stark und erklärt, dass die Menschen heutzutage zwar alles tun könnten, in Wirklichkeit aber jeden Willen zur Gestalt oder hohen Politik verloren hätten und daher nur noch Sklaven ihrer niederen Instinkte seien. Wer gegen den Liberalismus kämpfe, kämpfe also auch gegen die „Tyrannei der Freiheit“.

Der Kern der Vierten politischen Theorie bleibt diffus

Der Liberalismus ist das momentan herrschende Grundübel der Welt und muss überwunden werden. Die Kritik an der Dekadenz und dem Niedergang unserer Zeit werde jedoch grundsätzlich von der falschen Richtung geführt. Während eine Seite einen Neuaufguss des Kommunismus für die Lösung hält, fordert die andere eine Adaption des Faschismus. Einige besonders lustige Zeitgenossen meinen sogar, die Probleme unserer Zeit lägen darin, dass noch immer nicht genügend Liberalismus umgesetzt sei und der Staat sich in zu viele Dinge einmische.

All diese Konzepte können Dugin zufolge den Liberalismus (und die mit ihm verbundene Dekadenz) niemals überwinden. Es brauche daher eine neue Theorie, die Vierte politische Theorie, die den Liberalismus ablösen solle. Es fällt dabei auf, dass die Beschreibung der Vierten politischen Theorie in Dugins Werk keinen zentralen Raum einnimmt, er überlässt es scheinbar ganz bewusst anderen diese Theorie näher zu beschreiben. Was Dugin uns an Bausteinen in die Hand drückt, liest sich wie eine Mischung der Werke von Gulliaume Faye und Alain de Benoist. Dugin beschreibt eine multipolare Welt ohne Hierarchien der Völker und Kulturen, sowie eine Verbindung des Traditionellen mit der Zukunft.

Ein Ausblick?

Alexander Dugins Vierte politische Theorie stellt ein ausgesprochen wichtiges Werk dar. Seine Einteilung in die drei beschriebenen politischen Theorien ist neu und wichtig und hilft vor allem den Glauben zu vermeiden, man könne die Probleme unserer Zeit mit Wiederbelebungen von Kommunismus oder Faschismus oder gar mit noch mehr Liberalismus lösen.

Erscheint auch seine (hin und wieder durchschimmernde) geopolitische Vision einer eurasischen Großallianz gegen die von Geburt an liberalistischen USA, wie der Wunschtraum eines Russen, der an die Stärke der Sowjetunion gewöhnt war, so verdient Dugins ideengeschichtliche Arbeit dennoch große Anerkennung und wird ohne jeden Zweifel von weiteren Denkern fortgesetzt werden. In jedem Fall ist seine Vierte politische Theorie ein Buch, das sich definitiv zu lesen lohnt.

Alexander Dugin: The Fourth Political Theory. 214 Seiten Arktos Media 2012. 20,20 Euro. Das Buch soll zum Zwischentag auf Deutsch erscheinen.

ANZEIGE

Projekte

Gedrucktes

Verwandtes

BN-​Anstoss