Umvolken - Entvolken - Einvolken
14-07-2009 von Albert von Königsloew
Die deutsche Sprache hält für den Prozess der Überfremdung und der Entfremdung von der eigenen Kultur eine ganze Reihe schöner Wörter bereit. So hat sich mittlerweile der Begriff “Umvolkung” als bedeutungsähnlich zu ”Überfremdung” in der nonkonformen Publizistik etabliert. Dem Begriff ”Überfremdung” wohnt ein eher passives Hinnehmen der Landnahme fremder Völker inne. Hingegen betont das Wort “Umvolkung” die aktive Komplizenschaft der politischen Eliten am Prozess der Überfremdung.
Die Worte “entvolken” und “einvolken” hört man jedoch relativ selten. Zum ersten Mal hörte ich die beiden Wörter vor ca. 4 Jahren aus dem Mund eines jungen Nationalen, der sich die Aufgabe gesetzt hatte, die “entvolkten” Jugendlichen eines Berliner Plattenbaughettos wieder “einzuvolken.” Darunter verstand er, mit einer Gruppe von ca. 30 MTV-sozialisierten Plattenbaukindern im Berliner Umland wandern zu gehen und abends beim Lagerfeuer bündische und nationale Lieder zu klampfen und ihnen aus unserer Geschichte zu erzählen. Sinn der Sache: den Jugendlichen das deutsche kulturelle Erbe und Identität zu vermitteln. Leider weiß ich nicht, was daraus geworden ist; ich höre nur noch selten von ihm und seiner Gruppe.
Jedoch ist mir sein Anliegen im Gedächtnis geblieben: Er war der Meinung, daß Eigeninitiative her müsse, wenn der deutsche Staat das Bedürfniss nach Identität nicht mehr stillt; immerhin hat der Schutz der deutschen Identität Verfassungsrang. Wenn in den Schulen jungen Deutschen ein negatives Selbstbild vermittelt wird, müsse man dem im Privaten eine nationale Selbsterziehung entgegensetzen.
Noch faszinierender war seine historische Interpretation: Er verglich die 1990er mit den 1890er Jahren. Als Ende des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung Tausende Bauernsöhne aus den Dörfern in die Städte lockte, unterschätzten Deutschlands Kirchen und das deutsche Bürgertum die Bedeutung der Urbanisierung. Das Resultat: Hunderttausende junger Industriearbeiter wuchsen um 1900 in den Mietskasernen des Ruhrgebiets und der großen Industriestädte ohne jede bürgerliche und christlich-kulturelle Sozialisation auf. Dennoch begannen die Arbeiter, sich selbst kulturell zu organisieren. Dies war die Geburtsstunde der deutschen Arbeiterbewegung mit einer eigenen Arbeiterkultur (Volksbühnen, Arbeiterdichter, Proletkult) aus kämpferischem Atheismus (Jugendweihe) und antibürgerlichem Ressentiment.
Der junge Nationale war der Ansicht, daß sich dieser Prozess in unserer Zeit wiederhole. Die Deindustrialisierung/Globalisierung bewirke, daß den einstigen Arbeitern die Fabrik als sozialen Interaktionsraum nehme und sie, sozialstaatlich alimentiert, auf ihre vier Wände beschränke. Dadurch kämen die Arbeiterkinder nur noch mit der identitätsfeindlichen Schule und dem Unterschichten-TV in Berührung. Auch hier und heute werde sich wieder eine eigene Kultur ausbilden. Diesmal speise sie sich wieder aus antibürgerlichem Ressentiment und Versatzstücken des Unterschichten-TV. Da dieser Schicht eine gewachsene, kulturelle Identität vorenthalten werde, seien sie anfälliger für Mischehen, Kevinismus und Suff. Mittelfristig werde in den Plattenbaughettos eine vernegerte Population tätowierter Hartz-IV-Abhängiger entstehen – eine “Treibsandbevölkerung”, die mangels Identität rastlos jeder Mode hinterherhechelt und anfällig für jedes noch so dürftige Identitätskonzept ist.
Eine realistische Prognose?

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