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Hans-Peter Raddatz in Frankfurt: Widerstand gegen Islamisierung leisten! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Carlo Clemens   
Donnerstag, den 24. September 2009 um 21:08 Uhr

Hans-Peter RaddatzStandhaftigkeit ist keine Eigenschaft von Parteien. Im Frankfurter Römer sieht das nicht anders aus. Eine Ausnahme ist jedoch die kleine Fraktion der Frankfurter Freien Wähler. Sie setzt sich unbeirrt für die alteingesessenen Bürger im Streit um den Bau einer Großmoschee ein. Das Resultat: Diffamierungen und Gewalt. Am 23. September 2009 luden diese nun zu einem Vortrag des Orientalisten Hans-Peter Raddatz ein. Thema: „Demokratie, Grundgesetz und Islam“. Nicht nur der Vortrag, sondern die Stimmung im Saal brachte Erkenntnisse über die brodelnde Lage in der Main-Metropole. Eskandari-Grünberg: Zustände „nicht dramatisch, sondern fantastisch“.

Der Bürgerwiderstand gegen den Bau einer dritten Großmoschee im gerade mal 7100 Einwohner zählenden Frankfurter Stadtteil Hausen ist bekanntlich gescheitert. Man kennt die vergeblichen Bemühungen solch sich sorgender Bürgerinitiativen jüngst auch aus München oder Berlin. Nach diesen Niederlagen stehen die zumeist älteren Aktivisten in der Leere. Viele resignieren, ziehen sich zurück, oder eben weg. Auch in Frankfurt am Main versucht man derzeit, sich neu zu sammeln. Doch Wolfgang Hübner, dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, dürften viele Gesichter des vollbesetzten Saals im Saalbau-Bürgerhaus Bockenheim bekannt gewesen sein. So dominierten auch an diesem milden Abend die älteren Semester. Nur eine handvoll junger Interessierter war anwesend.

Hübner begann mit ein paar einleitenden Worten, die in wenigen Sätzen die Intentionen vieler Anwesenden auf den Punkt brachte. Er führte aus, dass mittlerweile zwei Drittel der Frankfurter Grundschüler einen Migrationshintergrund haben, die meisten von ihnen freilich muslimisch. Der derzeitigen Integrationsdezernentin der Stadt, Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), fiel darauf nichts anderes ein, als zu verkünden, dies sei „nicht dramatisch, sondern fantastisch“, dozierte Hübner. Empörtes Raunen im Publikum.

Denkverbote zum Thema Islam

Der Vortrag des Islamkritikers Raddatz war dann breiter gefächert. Zu Beginn beklagte der 68-jährige Volkswirt und Orientalist, dass es keine tabulosen Diskussionen mehr gäbe. Der geistige Mainstream in Form des sogenannten „interkulturellen Dialogs“ würde islamischen Funktionären vollends das Wort sprechen. Gerade Geisteswissenschaften wie die Orientalistik, Soziologie, Politologie oder Anthropologie kämen ihrem wissenschaftlichen Auftrag nicht mehr nach – bestimmte Denkverbote verhinderten „objektive Forschung“. Moscheestreits würden mit Verweisen auf die Religionsfreiheit abgeschlagen, unliebsame, weil problematische, Wörter wie „Scharia“ einheitlich aus der öffentlichen Diskussion herausgedrängt. „Es gibt keine objektive Diskussion über den Islam“, schlussfolgerte Raddatz.

„Der Einfluss der Muslime ist viel größer als ihr prozentualer Anteil.“ Sie hätten sich in der Geschichte des Islams schon immer in Minderheiten durchgesetzt. Und: „Keine andere Minderheit erfordert soviel Zeit und Aufwand.“ Raddatz drohte zeitweilig in Verallgemeinerungen abzudriften. So stellte er die These auf, wonach bei Muslimen „das Thema ‚Sex‘ stets ganz oben steht. Wer länger mit ihnen zu tun hat, wird das bestätigen können.“ War dies schon fraglich, wurde die süffisante Bemerkung, hier bestünde eine „Schnittstelle zur westlichen Kultur, die man nutzen sollte“ von einigen als grotesk aufgenommen.

„Es gibt keine feigere Spezies als die Politiker!“

So konnte Raddatz in der anschließenden Diskussionsrunde die Frage, ob ein direkter Zusammenhang zwischen europäischer Dekadenz und Islamisierung bestünde, auch nur teilweise bejahen. Die interessierten Wortmeldungen nach dem Vortrag boten ein Bild des Widerstands in Frankfurt, einschließlich einiger unhöflicher Zwischenredner, die sich wohl auch sonst im Alltag auf das Nörgeln hinter verschlossenen Türen beschränken. Die Leute waren – ob eher christlich-abendländisch oder aufklärerisch-liberal geprägt – informiert und wussten von persönlichen Erfahrungen zu berichten. Eine Frankfurterin berichtete von ihren Erfahrungen als Reisende in Pakistan, ein älterer Herr mit osteuropäischen Akzent meinte, es gäbe keine „Parallelgesellschaften, nur konträre Gesellschaften“, womit er auf die zahlreichen überfremdeten Stadtteile in Frankfurt anspielte.

Raddatz, der feststellte, dass es „keine feigere Spezies als die Politiker“ gäbe, wusste auch für alle Tatkräftigen im Saal, was zu tun sei: Alternativstrukturen aufbauen! Es brauche „völlig alternative Erscheinungsformen zu den Altkräften“. Zeitgeistige Gutmenschen in den Institutionen verglich er mit Opportunisten zu Zeiten des „Dritten Reichs“. Sein Handeln nach jenen auszurichten, sei der falsche Weg. Raddatz betonte mehrmals, dass widerständige Erscheinungsformen auf dem Boden der Verfassung stehen müssten. Auch gelte seine Kritik nicht den Muslimen, sondern dem Islam: „Nach dem Prinzip ‚Teile und herrsche’ muss man bestimmte Muslime ansprechen können.“

Kräfte bündeln, Alternativstrukturen schaffen, Widerstand leisten

„Doch wie soll man erfolgreich etwas tun, wenn intellektuelle Köpfe wie Sie nur kluge Bücher schreiben?“, so die Wortmeldung einer sichtlich ratlosen Bürgerin. „Und wo ist die angeblich schweigende Mehrheit denn bitte?“ Doch ein alter Fuchs wie Raddatz lässt sich nicht so einfach aus der Ruhe bringen. Beim Aufbau von alternativen Institutionen seien neben Geldgebern selbstverständlich auch Fachleute und Intellektuelle gefragt: „Das Know-how muss gebündelt werden.“

Bevor die Fragerunde aus dem Ruder lief, ergriff Wolfgang Hübner, Hauptinitiator dieser Veranstaltung, nach anderthalb Stunden das Schlusswort. Lautstark betonte er: „Es gibt keinen Grund zur Resignation, nur jeden Grund, nicht zu resignieren.“ Der Vortragsabend mit Raddatz sei ein Auftakt nach Maß. Nun müssten noch mehr Menschen mobilisiert werden. Dies sei dringend notwendig, denn in Zeiten, in denen die Einforderung des Rechts auf Meinungsfreiheit mittlerweile als „Affront gegen das System“ gesehen wird, seien die „ersten Schritte in totalitäre Zustände“ schon gemacht, so Raddatz. Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes gewährt ein Recht auf Widerstand: „Die Voraussetzungen dazu sind schon längst erfüllt.“

 
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