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Bundespräsident Köhler kritisiert Bologna-Umsetzung und greift Länder an PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Felix Menzel   
Donnerstag, den 03. Dezember 2009 um 10:47 Uhr

Horst KöhlerIn seinem Grußwort zum 600jährigen Geburtstag der Universität Leipzig hat Bundespräsident Horst Köhler gestern die Umsetzung des Bologna-Prozesses scharf kritisiert: „Die chronische Unterfinanzierung wird in schlechten Betreuungsquoten, maroden Gebäuden und mangelnder Infrastruktur für Forschung und Lehre sichtbar.“ An das Fundament von Bachelor und Master will sich Köhler jedoch nicht heranwagen, ihm geht es allein um eine bessere Umsetzung der 1999 eingeleiteten Hochschulreform.

Insbesondere die fehlende Bereitschaft, mehr Geld für Bildung auszugeben, prangerte Köhler an: „Wer im Bund und vor allem in den Ländern geglaubt hat, man könnte das Hochschulwesen kostenneutral umbauen, ja vielleicht sogar durch die Einführung der Bachelor-Studiengänge Geld sparen, der sei daran erinnert: Deutschlands Aufwendungen für den Hochschulbereich sind seit Jahren unterdurchschnittlich.“

Der Bundespräsident erinnerte daran, daß vor allem die Länder in der Bringschuld wären und ihre Verantwortung nicht einfach an die Hochschulen weiterreichen dürften. In wesentlichen Punkten schloß sich Köhler den Forderungen des derzeit gegen die Zustände an den Hochschulen protestierenden Bildungsstreiks an. Etwas überraschend forderte er auch, die Zulassungsbeschränkungen für Hochschulen weiter zurückzufahren und mehr Menschen aus allen sozialen Schichten ein Studium zu ermöglichen.

Dazu bräuchte es dann auch mehr Lehrkräfte: „Wenn die Hochschulen mehr jungen Menschen offenstehen sollen – auch solchen, die nicht auf dem klassischen Weg über das Abitur kommen –, wenn die Betreuung in den Hochschulen insgesamt wirklich besser werden soll, dann brauchen wir mehr engagiert Lehrende. Es muss doch zu denken geben, dass die Zahl der Professoren in den vergangenen Jahren keineswegs im gleichen Verhältnis wie die der Studierenden gewachsen ist.“

Bild: Florian Eisele, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

 
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