In Österreich revoltieren die Studenten gegen überfüllte Lehrräume und finanzielle Verhungerung mittels der Besetzung von Hörsälen und provokanten Parolen, aber auch in Deutschland sind die Stimmen der Gegner der neuen Hochschulgesetze sehr laut. Nach österreichischem Vorbild besetzten Studenten in ganz Deutschland Hörsäle, doch um negativen Konsequenzen zu entgehen, hoben viele ihre Blockade schon nach wenigen Tagen wieder auf. Der Spruch „Wir machen weiter!“ zeigt jedoch, dass die Vorbehalte immer noch in den Köpfen der Studenten sind. Diese haben sich sogar durch die vergangenen Ereignisse und das Nicht-Eingehen auf ihre Forderungen noch verstärkt hat.
Recht auf Bildung
Werden die Proteste zur Bildungsreform oftmals belächelt und ihre Forderungen als unrealistisch abgetan, wird dabei vielfach außer Acht gelassen, dass die Studenten nur ihr Recht auf Bildung einfordern. Sie wollen einen kostenlosen Zugang zu Wissen erhalten und revoltieren offen gegen Studiengebühren in weiten Teilen der westdeutschen Universitäten. Außerdem fordern sie die soziale Öffnung der Hochschulen, Zulassungsbeschränkungen sollen weiter verringert werden und Studiengebühren wegfallen.
Doch das alles zusammen ist noch nicht alles, denn die protestierenden Studenten suchen einen Weg, um eine gesamtgesellschaftliche Veränderung durchzuführen, die soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit beseitigen und zu freien alternativen Bildungskonzepten führen soll. Den Wunsch nach einem frei zugänglichen und öffentlich mitfinanzierten Bildungssystem haben aber schon lange nicht mehr nur einige intellektuelle Vordenker, sondern ganze Schüler- und Studentengruppen.
Medien haben den Ruf der Studenten verstärkt
Die Presse hat sich in den vergangenen Wochen sehr für die Studentenproteste interessiert. Täglich wurden Bilder von blockierten Lehrräumen und tausenden Studenten mit selbst geschriebenen Plakaten veröffentlicht und einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Sie helfen, wenn auch nur indirekt durch ihre Publikationen mit, die Probleme und daraus resultierenden Forderungen der Studenten laut zu machen.
So laut, dass auch die Kultusminister auf ihrer Konferenz in Bonn nun darauf reagiert haben. Am 10. Dezember 2009 hat die Kultusministerkonferenz erste Veränderungen bezüglich der Akkreditierung von Bachelor- und Master-Studiengängen bekannt gegeben: die Studierbarkeit soll durch weniger Prüfungen verbessert und die Mobilität erhöht werden. Außerdem soll der Master-Zugang vereinfacht werden.
Das Bachelor/Master-Reförmchen geht an einer Großzahl der Forderungen der Studenten vorbei
Diese Mini-Reform der Bachelor-Studiengänge ist ein kleiner, aber nennenswerter Erfolg, denn die Politik hat nun auf die seit Wochen anhaltenden Studentenproteste reagiert. Die flexibleren Studienzeiten und Studiengänge sind aber noch lange nicht genug, denn gerade die Kernforderung, dass den Hochschulen die Möglichkeit genommen wird, über die Zulassungskriterien der Masterstudiengänge auszusortieren, wurde nicht erhört. Die Reduktion der Semesterwochenstunden und der Prüfungslast führte dennoch bei vielen Studenten zu großem Jubel, denn mit einem wöchentlichen Pensum von 25-30 Stunden lässt es sich ihrer Ansicht nach leichter studieren.
Aber auch wenn nicht mal annähernd alle Forderungen erfüllt wurden, haben die Politiker zumindest eins erkannt: um eine tragfähige und dauerhaft für alle Parteien ertragbare Lösung zu finden, müssen sie die Studenten auch mit in ihre Überlegungen einbeziehen. Schließlich geht es um die Zukunft dieser und da ist ein Mitspracherecht für diverse Belange nicht nur fair, sondern notwendig.
Ohne Moos nix los.
Viele Vertreter der verschiedenen Parteien erkannten nach Rücksprachen mit den Studenten die erheblichen Missstände an den Universitäten und sprachen sich teils persönlich für die notwendigen Korrekturen aus. Doch auch sie wissen, dass ohne mehr Geld für die Bildung weder die Zahl der Masterstudienplätze ausgebaut noch die Qualität und Betreuungsrelation verbessert werden kann.
Über die Möglichkeit für die Investitionen vom Staat in die Hochschulen wird aber noch diskutiert, und das vermutlich lange. Präzise Lösungsansätze sind noch nicht ersichtlich und aus diesem Grund werden wohl auch die Proteste nicht so schnell enden. Zwar können die Protestierenden erste Erfolge benennen, aber viele ihrer Forderungen sind immer noch nicht erfüllt. Der Bildungsstreik 2010 ist also vorprogrammiert. |