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Ich war dabei: Unglück bei der Loveparade in Duisburg PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ann-Kathrin Seidel   
Montag, den 26. Juli 2010 um 09:44 Uhr

Love Parade19 Tote und 342 Verletzte. Das ist das Ereignis, was Samstag, den 24. Juli, in Duisburg die gesamte Loveparade überschattete. Wie es zu dem Unglück kam, ist bis zum jetzigen Zeitpunkt noch ungeklärt, man kennt jedoch einige Details: 16 der 19 Toten sind identifiziert, mindestens vier waren internationale Gäste. Sie waren alle im Alter von 20 bis 40 und das Unglück ereignete sich nicht wie zuerst angenommen in dem Tunnel, der zum Eingang der Loveparade führte, sondern auf der Rampenfläche, die zum ehemaligen Güterbahnhof hinausführte.

Dort fand man die Leichen. An diesem Ort schienen Gäste, die teilweise alkoholisiert noch auf das Gelände wollten, als dieses schon voll war. Über Container und Treppen und Zäune kletterten sie und scheinen zu guterletzt von eben jenen runtergefallen. Auch die Enge in dem Tunnel mag ein Faktor für diesen Unfall gewesen sein, war aber laut Augenzeugen nicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Tragen die Toten und Verletzten eine Mitschuld?

Trotz der Schockstarre, in der sich Raver, Politiker und vor allem die Duisburger gerade befinden, darf man keine voreiligen Schlüsse ziehen und sich durch irgendwelche fadenscheinigen Äußerungen beeinflussen lassen. Denn Fakt ist, dass das Gelände größer war als in Dortmund, die Polizei ihr Möglichstes tat, um alles abzusichern und einige der Toten bzw. Verletzten haben es sich wohl auch selbst zuzuschreiben, da sie sich nicht an die Vorschriften gehalten haben. Natürlich trifft das keineswegs auf alle zu, jedoch tragen einige wohl auch Mitschuld an ihrem Tod.

Ich selbst war bei der Loveparade. Ich war früh da, sodass ich um 12 Uhr auf dem Platz vor der Hauptbühne auf den Beginn um 14 Uhr wartete. Schon da fielen mir etliche auf, die selbst um diese Zeit wohl schon sehr angetrunken waren. Das Festival begann pünktlich und alles schien friedlich. Richtig eng war es schon beim Hinweg nicht gewesen und es hielt sich auch in Maßen, solange man nicht in einem Radius von zwei Metern um die Floats tanzen wollte. Es blieb auch recht fröhlich, jedoch nicht aggressiv bis ich gegen halb fünf das Gelände verließ.

Kurz vor dem Unglück im Tunnel

Als ich durch den Tunnel lief, den einzigen mir bekannten Ausgang, war es zwar voll, jedoch kam ich mir nicht unangenehm eingeengt vor. Am Boden liegen sah ich ebenfalls noch keinen. Dass eine halbe Stunde später dort so ein Unglück passieren würde, war für mich nicht absehbar. Denn obwohl die Polizisten und andere Ordnungskräfte alle Hände voll zu tun hatten, so schienen sie mir zu keiner Zeit überfordert.

Von dem Unglück erfuhr ich erst zu Hause und war völlig schockiert. Gerade auch, weil ich mich wirklich sicher gefühlt hatte. Ich kann mir aber vorstellen, dass gerade die Sicherheitskräfte und Sanitäter Schwierigkeiten hatten, sich durch die Menschen zu den Verletzten vorzuarbeiten. Es Love Paradebraucht leider seine Zeit, eine ängstliche Menschenmenge zu teilen. „Man kann die Leute ja nicht einfach zur Seite schubsen!“, bestätigt mir ein Feuerwehrmann. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und diesen ganzen Leuten nochmals danken. Ohne ihren Einsatz wären wahrscheinlich noch wesentlich mehr umgekommen, auch nach dem Unglück noch.

Ausgelassen, aber nicht aggressiv

Enttäuscht sind die meisten allerdings von der Pressekonferenz mit den Vertretern der Stadt Duisburg. Diese war nicht aufschlussreich und eher unprofessionell organisiert. Zwar sollte man ihnen natürlich nicht einfach die Schuld in die Schuhe schieben und auch die Loveparade für immer abzusagen, ist vielleicht überzogen, aber auf jede zweite Frage mit „Das werden die Ermittlungen zeigen“ zu antworten, das ist schon etwas halbherzig.

Die Loveparade an sich war auf dem Gelände nahezu friedlich. Ausgelassen, aber nicht aggressiv. Wahrscheinlich wäre sie auch ein voller Erfolg geworden – wäre nicht dieses unvorhersehbare Unglück geschehen, an dem Duisburg wohl noch lange zu knabbern haben wird. Man kann nur hoffen, dass das Warum und das Wie möglichst schnell geklärt werden.

 
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