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Geschrieben von: Felix Menzel
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Montag, den 09. Juni 2008 um 02:00 Uhr |
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Nun endlich hat das Sommermärchen wieder begonnen. „Podolski putzt Polski“ doppelt so hoch wie vor zwei Jahren im eigenen Land und Deutschland präsentiert sich wieder rundum in Schwarz-Rot-Gold. Die Fußball-EM ist weit mehr als ein Sportereignis, sie hat sich zu einem Event entwickelt, an dem die ganze Nation und insbesondere Medien, Werbewirtschaft und Politik partizipieren. Ein großer Getränkedosenhersteller meint zum Beispiel: „Deutschland will die Dose zurück.“ – trotz Dosenpfand, weil die Dose jetzt in den deutschen Nationalfarben neu erstrahlt. Und auch der Fernsehsender 9live, der gar keinen Fußball überträgt, fährt mit dem EM-Zug mit. Vom 7. bis 29. Juni 2008 zeigt der „Schmuddel-Kanal“ leichtbekleidete Damen beim Elfmeterschießen. Was für ein Event, diese EM und das, was drumherum veranstaltet wird.
Der Entertainer Stefan Raab hat seine EM letzten Freitag, am 6. Juni 2008, bereits gewonnen. Knapp 2 Millionen Menschen schauten sich seine „TV Total Autoball EM“ an, bei der er Joey Kelly im Finale besiegte. Raab nutzte die Vorfreude auf ein Ereignis, an dem er in keiner Weise teilnimmt, für eine gute Quote aus.
Ebenso machen es andere. Mittlerweile gibt es alles – wirklich alles – in den Deutschland-Farben. Auch „Hausmeister Krause“ würde bei der Suche nach einem Geschenk für seinen Dackel nicht leer ausgehen. Selbstverständlich kann man auch „Alles für den Dackel“ in Schwarz-Rot-Gold erwerben. Warum auch nicht?
Ganz Europa kommt real, virtuell bzw. mehr oder weniger direkt zur Fußball-EM zusammen und jeder versucht – ganz freundlich – von diesem Event zu profitieren. Sogar die Umweltlobbyisten sind mit von der Partie. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, daß das Abfallkonzept in der Schweiz nicht so gut sei wie in Österreich und 2006 in Deutschland und daß die armen Fußballfans bei den Eidgenossen nicht die Möglichkeit hätten, ordentlich und diszipliniert Klimaschutz zu leisten. Mit der Kampagne „Selbstverständlich unter(mehr)wegs bei der Fußball-EM“ will sie diesem Mangel entgegenwirken.
Wer das Spiel zwischen den Umweltlobbyisten und der Getränkeindustrie gewinnt, steht noch nicht fest, aber spätestens am Abend des Finales am 29. Juni 2008 werden wir es wissen. Und für wen jubeln die Deutschen? Na klar: „Deutschland will die Dose zurück!“ Das sagt doch alles. |