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Meinungsfreiheit bedeutet, sich auch die entlegenste Meinung zumindest einmal anzuhören. Deshalb hat BlaueNarzisse.de den Musiker Josef Maria Klumb von der Band Von Thronstahl interviewt. Das, was Von Thronstahl macht, bezeichnen sie selbst als „Kultur-Terrorismus par excellence“. Sie vereinen faschistische Ästhetik mit düsteren, aber auch zum Teil klassischen Musikgenres. Logisch, daß sich Klumb dem Vorwurf des Rechtsextremismus ausgesetzt sieht. Der Musiker gibt auf unsere Fragen radikale und zum Teil kryptische sowie fragmentarische Antworten.
BlaueNarzisse.de: Wie bei nicht wenigen Künstler aus dem Neofolk liegen auch Ihre Wurzeln ursprünglich in der Punk-Musik. Inzwischen finden sich in Ihren Werken vorwiegend klassische Elemente, faschistische Ästhetik sowie ein erheblicher Elitarismus im Zusammenspiel mit zahlreichen Samples aus hauptsächlich politischen und geschichtlichen Quellen. Wo genau würden Sie sich politisch verorten?
Josef Maria Klumb: Diese Ortung ist komplexer Natur, weil – wie ich meine – wir in einer Übergangszeit leben. Die Komponenten müssen sich erst verdichten. Noch sind die Konturen nicht klar, nur grundlegend verhält es sich so, daß ich mit Parlamentarismus und Mehrheitsbeschlüssen rein gar nichts anfangen kann. Eine Art freiheitlicher Totalitarismus gerne auch mit monarchischer Prägung wäre fein – also eine Art utopisches Kaisertum in Gottes Gnaden. Aber dazu ist der Boden noch zu hart. Das kann noch nicht gedeihen. Ein Staatssystem dessen Freiheitlichkeit, die Persönlichkeitsbildung des Einzelnen fördert. Keine Freiheit des Ungebundenseins, sondern des Eingebundenseins in eine große Idee, in einen gesunden funktionierenden Organismus. Keine Freiheitlichkeit, die den Menschen dem großen Fluß des Abschaums zuführt.
In der Kritik von links stehen Sie einerseits aufgrund Ihres Freundeskreises (über den wir hier nicht weiter reden müssen), andererseits aufgrund Ihrer kulturellen Einflüsse. Hier finden sich vor allem Bezüge auf Pfarrer Hans Milch, Ernst Jünger, Julius Evola und Corneliu Codreanu, die alles in allem jedoch sehr verdichtet und für den Hörer schwer zu durchdringen sind. Was genau ist also Ihre kulturelle Position?
Meine kulturelle Position sehe ich in Zusammenhang nur mit meiner Mission. Diese ist bis auf weiteres noch die Zerstörung der linken Hegemonie über Musikkultur, Kunst und alternative Szenen. Ich verarbeite und nutze die von dir aufgeführten Denker, Philosophen, Schriftsteller und Ausnahmeerscheinungen im Sinne eines Kulturterroristen. Ich glaube, ich bin diesbezüglich weit voran gekommen, möchte fast sagen, daß der Rest des Kampfes sich fast schon verselbstständigt hat. Es läuft einfach, und es hört nicht auf, nicht mal dann, wenn ich nichts mehr dazu tun würde.
Zur Bandsymbolik bei Von Thronstahl gehört seit eh und je auch die im Neofolk-Bereich oft bemühte „Schwarze Sonne“. Im Gegensatz zu diesem normalerweise eher neuheidnisch konnotierten Zeichen haben Sie sich schon vor langer Zeit zum neuen, orthodoxen Katholizismus bekannt, der inzwischen auch unter Deutschlands Konservativen großen Zuspruch erfahren hat. Was waren Ihre Gründe für diesen „Stilbruch“, und wo sehen Sie die Zukunft dieser religiösen Richtung, die Sie ja auch mit dem Sampler „Credo In Unum Deum“ zu unterstützen versuchen?
Die Schwarze Sonne hat weitgehend ihre Schuldigkeit als bahnbrechende Symbolik getan – bis über die Schmerzgrenze der Trivialität hinaus. Ihre magische Wirkung scheint aufgezehrt. Ich meine, das Rädchen hat sich reichlich gedreht und ordentlich Staub aufgewirbelt. Letztendlich aber weist mir das Heidentum zu sehr ins tellurische Erddunkel. Zu sehr finstere Erdmuttergöttin, zu wenig hell-lichter Tag. Zuviel Naturgebundenheit.
Es ist gut für mich zu wissen, wo ich her komme, wo meine Wurzeln sind und was mir als Kind die tiefe Geborgenheit eines echten Waldes bedeutete, aber man nabelt sich ab, man verlässt die Mutter, man verlässt den Wald, um sich draußen umzusehen und zu behaupten. Man baut eine Stadt, gründet ein Reich, rodet den Wald und weiß doch, was man ihm schuldig ist.
Der Katholizismus, wie er sich heute im Traditionellen darstellt, ist sicher noch nicht der Weisheit allerletzter Schluß. Und man darf auch nie außer Acht lassen, daß, wenn ich für den Katholizismus spreche, ich vor allem das meine, was wir am Katholizismus weder hören noch sehen, vielleicht nicht einmal spüren. Der Katholizismus trägt manches Gut mit sich, das hier und heute nicht offenbar werden kann und darf. Er ist ein Schiff auf hoher, stürmischer See, der eine Ladung zu transportieren hat. Die Frage der Kirchenlenker ist, wie und wo ein Durchkommen ist. Er ist das sicherste Schiff, das am wenigsten vom Kurs abkommt. Alles andere bedeutet Odyssee. Aber viele Menschen wollen auch nicht finden, sondern ihr Leben lang ausschließlich nur auf der Suche sein.
Alle Kulturen können und dürfen da mitreden, aber die letzten Antworten gibt wohl eher die katholische Kirche. Sie birgt die Wahrheit, das was die letzten Jahrhunderte nicht erklärt werden konnte und durfte. Letztendlich hätte ich keine Mühe den Katholizismus und das Christentum allgemein mit dem Thema der Prä-Astronautik zu verbinden.
In den nun schon vielen Jahren Ihres künstlerischen Schaffens haben Sie bereits zwei Bücher geschrieben und fast jede musikalische Stilrichtung verwendet, die es gibt. Auf der Von Thronstahl-Internetpräsenz finden sich nicht nur Informationen über die Band, sondern auch diverse Ratgeber zu Lebensführung und Stilfragen sowie ein kleiner Reiseführer für Norditalien. Sind dies nur Teile des Nimbus, den Sie um Von Thronstahl und Ihre Person aufbauen wollen, oder beabsichtigen Sie tatsächlich eine „Großoffensive“ in allen Lebensbereichen?
Ich glaube, daß meine Interessen und mein Leben an sich von keiner Scheuklappe beeinträchtigt sind und werden. Ich empfinde die Welt und das Leben ja als sehr spannend, obgleich mir auch reichlich zum Kotzen ist. Aber mein Sinn und meine Augen suchen schon dem Leben das vergleichsweise Edelmetall abzugewinnen. Ich fühle mich gerne bereichert von Eindrücken, Empfindungen und grabe somit überall nach Gold, nach unbezahlbarem Gold. Nur ist es schwer, die Schönheit dessen, was mich berauscht oder beglückt und berührt, mit jemandem zu teilen. Ebenso verhält es sich mit dem Schmerz. Man will beides gerne mitteilen, aber man ist im Grunde allein mit sich. Insofern sind meine Hinweise an die Hörerschaft nur ein Fingerzeig.
Zu guter Letzt noch einmal zusammengefasst: Was ist Ihr persönlicher Anspruch an die deutsche Jugend als Ganzes? Was würden Sie ihr zurufen wollen?
Ich glaube gar nicht einmal mehr, daß man ihr noch etwas zurufen muss. Was ich beobachte, ist ja vergleichsweise so zu beschreiben, daß der Boden, der heimatliche, bei weitem nicht mehr so gefroren ist wie vor 20 Jahren noch. Die feinen Triebe, die der Boden jetzt frei gibt, garantieren mir, daß die frischeren Jahrgänge in jeder Hinsicht gut gedeihen. Das Leben wirft die Garanten der Zukunft nicht einfach auf ein gefrorenes Feld. Die Generation der heute 18- bis 25-Jährigen tragen reichlich gute Qualitäten mit sich. Das ist auch die Generation, aus der wieder echte Staatsmänner erwachsen werden. Diese Generation ist im Begriff den Paradigmenwechsel tatkräftig mitzugestalten. Man muß ihnen nichts zurufen. Sie rufen uns und mir zu: Wir kommen! Wir greifen ein! Wir sind da! Wenn ich zum Zurufen gebeten werde, dann ergeht mein Zuruf an die Zurückgebliebenen, an die, die bald abdanken müssen. An diejenigen deren Legitimation bröckelt. Diese Jugend hat es in sich, das, wovon wir und andere nur träumen konnten, die Substanz die den Frühling macht. Aus eurer Generation also werden auch die politischen Führungskräfte erwachsen, die eine konservative bis rechte Politik wieder möglich machen, weil keiner der bislang amtierenden Menschen in diesem Bereich über das Lebenselexier verfügte, welches eine politische Ambition zum Erfolg führt.
Was hält die nächste Zeit für Sie selbst und Von Thronstahl bereit? Darf man mit neuen Veröffentlichungen rechnen?
Ich muß offen gestehen, daß ich nicht mehr viel Zukunft für mich beanspruchen möchte. Was kommt, nehme ich entgegen, aber ich strebe der Zukunft nicht mehr entgegen. Ich sehe es wirklich so, daß meine Qualitäten sich in der Rolle des Herolds durchaus erschöpfen. Ich besitze nicht mehr Legitimation, als die alte Hegemonie zu brechen, und die neue Saat zu versprechen, sie heraufzubeschwören und der Welt von ihrem Kommen zu künden, ums mal etwas romantisierend zu sagen. Aber ich verfüge über keine wirklich baulichen Qualitäten. Ich wäre unbrauchbar für das System oder die Staatsform, die ich mir wünsche. Ich gehöre ganz und gar in die Zwischenzeit, in den Umbruch. Ich meine, ich soll, muss und will auf der Strecke bleiben, in diesem Spannungsfeld, diesem Spannungsbogen.
Ja, die neue CD, GERMANIUM METALLICUM betitelt, wird aufnahmetechnisch nun hoffentlich in zwei bis drei Wochen endgültig im Kasten sein. Das wird eine intensive Scheibe. Sehr dramatisch denke ich, sehr eindringlich und natürlich auch mit inhaltlich schweren Kalibern aufwartend.
Vielen Dank für das Gespräch. |