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Geschrieben von: Sven Schäfer
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Mittwoch, den 19. November 2008 um 02:00 Uhr |
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Mit wenigen Pinselstrichen formuliert, sollte Bildung doch folgendes bedeuten: ein Leben von anfänglicher Verkehrung der Menschlichkeit (durch Erbsünde oder Instinktunsicherheit) zu erfüllter Menschlichkeit im späteren Leben, ein Leben in Verinnerlichung, Verselbstung im Politischen und Wirtschaftlichen und Verortung in einem größeren Ganzen. Ein Leben, dem es gelingt, eine Ordnung in die Dinge der näheren Umwelt zu bringen.
Fitmachen für den Arbeitsmarkt
Die Pisa-Studie hingegen ist durchdrungen von einem Bildungsbegriff, der mit ausgeführter Bildungsvorstellung nichts mehr gemeinsam hat. Der Bildungsbegriff der OECD instrumentalisiert Bildung und unterwirft sie der Enge und Einseitigkeit zeitgenössischer Tagesforderungen und das bedeutet heute das ‚Fitmachen’ für den globalisierten Arbeitsmarkt. Das hat dann auch mit ‚Menschlichkeit’ und ‚Würde’ nichts mehr zu tun – zwei Worte, die die linke Öffentlichkeit tagtäglich wie eine Monstranz vor sich herträgt. Im Übrigen lässt sich die Organisation for Economic Cooperation and Development die Durchführung der Pisastudie teuer bezahlen. Keine humanistischen Ideale sondern knallharte ökonomische Interessen treiben dieses Projekt voran.
Die Texte im Kompetenzbereich „Leseverstehen“ sind zudem viel zu oft Gebrauchstexte. Viel zu selten finden sich literarische Texte unter ihnen. Wen wundert es da noch, dass die Finnen mit ihrer bescheidenen dichterischen Tradition hier vorne liegen. Finnlands Söhne und Töchter pauken schließlich seit Jahrzehnten Gebrauchstexte (wie z.B. Bedienungsanleitungen), die in deutschen Lehrplänen zwar nicht fehlen, aber unverhältnismäßig seltener gelesen werden.
Bildung reduziert auf Kompetenzen
Auch die Bildungsstandards werden zum Problem. Reduzieren sie doch Bildung auf Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Man muss nichts mehr wissen, außer wo man die jeweiligen Informationen nachschlagen kann. Wikipedia ersetzt das eigene Gedächtnis, bald auch die eigene Sicht auf die Welt. Wer an einer schwedischen Schule oder Universität hospitiert hat, der weiß, wo dies hinführen kann: in einem Germanistik-Hauptseminar können Studenten nicht zwischen Epik und Dramatik unterscheiden … |