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Geschrieben von: Nils Wegner
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Dienstag, den 06. Januar 2009 um 02:00 Uhr |
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Die konservative Welt hat einen weiteren tragischen Verlust zu beklagen. Am 24. Dezember 2008 verstarb im Alter von 81 Jahren der US-amerikanische Autor und Politikwissenschaftler Samuel Phillips Huntington. Weltweite Beachtung erlangte er mit seinem 1996 veröffentlichten Buch „The Clash Of Civilizations“, das in Deutschland unter der, allerdings fehlerhaften, Übersetzung „Kampf der Kulturen“ erschien. Grundlage des Werkes bildete Huntingtons Absage an die Vorstellung einer universellen Weltkultur, wie sie beispielsweise Francis Fukuyama nach dem Ende der Sowjetunion kommen sah.
Statt einem „Ende der Geschichte“ sei vielmehr eine Verschärfung der kulturellen Reibungen zu erwarten, was Huntington bereits 1993 in der namhaften Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik „Foreign Affairs“ verlauten ließ. Den Kern dieser Überlegung bildete die Idee, dass die ideologischen Konflikte des 20. Jahrhunderts nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges von einer globalen Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Kulturen, von denen Huntington weltweit neun unterscheidet, abgelöst werden.
Dabei führe das stetige Wachstum der drei aufstrebenden Zivilisationen Hindu, Sini und Islam zu größerer geopolitischer Multipolarität, die den westlichen Kulturkreis unter Druck setze. Doch, so konstatierte Huntington, sei dieser zu einem Teil selbst schuld an seiner Misere, da er sich lange unter zu großer Schwerpunktsetzung auf die Wirtschaft fehlentwickelt und den Durchbruch westlicher Werte zu wenig forciert hätte. Dieser über die Jahrzehnte eskalierenden Krise könne nur durch eine massive „Politik der Macht“ unter Führung der USA sowie die Prägung und Festigung einer „westlichen Identität“ entgegengetreten werden.
Eben diese Theorie wandte Huntington in seinem letzten Buch „Who Are We? The Challenges To America's National Identity“ (2004) auch auf die US-amerikanische Innenpolitik an. Hierin äußerte er Bedenken über die vielen verschiedenen in der heterogenen Bevölkerung vertretenen Kulturen und plädiert für eine Rückkehr zum WASP-Prinzip („White, Anglo-Saxon Protestant“) der Gründungszeit, um die nationale Identität der USA zu bewahren.
Selbstverständlich wurde er hierfür auf das Schärfste kritisiert. Besonders hervorsticht seine Zukunftsprognose, dass in nicht allzu ferner Zeit die USA sich in ihrer Ganzheit zu einem zwiegespaltenen Land entwickeln, in dem einzelne Bereiche vollkommen von lateinamerikanischen Einwanderern dominiert seien, während die angloamerikanische Bevölkerung in andere Staaten ausweichen müsse.
Trotz harter Kritik von linker Seite ist die Gedankenwelt des „rechten“ US-Demokraten auch für Konservative nicht bedenkenlos zu konsumieren. Seine Thesen insbesondere über die amerikanische Vormachtstellung dienen vor allem der Rechtfertigung des US-Interventionismus. Andererseits ist der geradezu prophetische Wahrheitsgehalt der Thesen von Huntington kaum von der Hand zu weisen. Folgerichtig ist die Lektüre der Werke des verstorbenen Politikwissenschaftlers jedem aufgeweckten und zu eigenem Denken fähigen jungen Konservativen ausdrücklich nahezulegen. Selten wurde mit so scharfsinnigem Weitblick der Weg zum molekularen Bürgerkrieg vorgezeichnet. Samuel P. Huntington – ein Rufer in der Wüste ist von uns gegangen. |