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Mobbing: ein Teufelskreis PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Denise Hübner   
Mittwoch, den 02. September 2009 um 08:15 Uhr

MobbingJeder möchte heutzutage alles haben! Es scheint, als könne man von nichts genug kriegen. Der Wunsch nach bekannten Markenkleidern, diversen anderen Luxusartikeln wie Handys, tragbaren Laptops oder teuren Uhren ist fast schon obligatorisch. Doch was tun, wenn man sich das nicht leisten kann, ganz davon abgesehen, dass es tatsächlich auch einige gibt, die das gar nicht wollen?

Neid entsteht dort, wo das Aussehen, Kleidung und andere Statussymbole immer mehr an Bedeutung gewinnen. Je stärker der Wunsch nach Anerkennung wird, desto verzweifelter werden die, die diese nicht bekommen. Dieser erstarkte Neid kann ein Grund für Mobbing sein. Wer sich selber nicht aufwerten kann, muss andere abwerten: Hat einer eine wunderschöne Frisur und der andere kein ausreichendes Geld, diese nachzuahmen, muss ein Grund gefunden werden, warum genau diese Frisur eigentlich ganz scheußlich ist und die Trägerin der selben sowieso zu blöd ist, um zu einem anständigen Friseur zu gehen.

Eine Ursache: Neid … und was wird daraus: ein Lauffeuer

Dann fängt es mit einigen abfälligen, leise gezischelten Bemerkungen hinter dem Rücken an, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten, denn irgendwie hat dann ja doch jeder eine gewisse Neugierde in sich, die einen dazu veranlasst, die Neuigkeiten - ganz gleich, ob wahr oder bloß erfunden - weiter zu verbreiten. Bei diesen Bemerkungen bleibt es jedoch meistens nicht, denn aus ihnen werden ganz schnell handfeste Lästereien, zu denen sogar offiziell gestanden wird: „Ja, ich lästere, aber das tut doch jeder!” Oder aber der hinterlistige Spruch: „Wir lästern nicht, wir stellen nur fest.”

Auch wenn jeder über jeden lästert, ist das kein Grund, gemeine Lügen zu verbreiten und das nur, um andere ganz offensichtlich auszuschließen. Vorgeschobene Gründe wie angebliches Einschleimen bei Lehrern oder Spicken bei Klausuren, aber auch tiefgründige Motive wie Religion, Sexualität oder eine andere Eigenheit können Inhalte für die Ausgrenzung sein.

Die Täter wissen oft nicht, was sie anrichten

Besonders in Schulen ist Mobbing weit verbreitet. Dabei spielt es keine Rolle, ob der- oder diejenige, der gemobbt wird, das von Mitschülern oder Lehrkräften erfährt. Wichtig ist, dass Mobbing nicht mit kurzzeitigen Auseinandersetzungen zu verwechseln ist. Es ist von langer Dauer, mehrmals die Woche, sogar mehrmals am Tag müssen viele Schüler tagtäglich Beleidigungen, Schikanen, öffentliche Ausgrenzung oder Erpressung über sich ergehen lassen. Und das immer öfter macht- und tatenlos, denn die Betroffenen suchen die Schuld bei sich selbst. Dabei kann niemand etwas dafür, wenn andere über die angeborene Hautfarbe oder den sozialen Status lachen.

Die Täter wissen oft nicht, was sie mit ihrem Verhalten anrichten. Soziale Isolation, Unsicherheit, geringes Selbstbewusstsein mit starken Zweifeln, Alpträume oder „echte” Krankheiten können im schlimmsten Fall dazu führen, dass Mobbing-Opfer die Schule meiden. Dann hätten die Mobber ihr erreicht und würden nur noch mehr Macht erhalten, da sie sehen, dass ihr asoziales Verhalten funktioniert. Hineinversetzen in das Denken und Fühlen ihrer Opfer können die meisten sich erst, wenn sie selber betroffen sind.

Aufklärung ist die Aufgabe von Eltern und Lehrern: Diese reagieren oft überrascht und schockiert, wenn das Thema Mobbing zur Sprache kommt, weil sie nicht damit rechnen, dass so etwas in ihrer näheren Umgebung vorkommt. Sie müssen aufmerksamer werden und nicht nur die Symptome erkennen, sondern es erst gar nicht so weit kommen lassen. Das Kind sollte sich im Klaren sein, dass es sich wehren kann, sobald es Opfer einer Mobbingattacke wird.

Durch Aufklärung den Teufelskreis stoppen!

Der Rückzugsort von vielen Jugendlichen ist das eigene Zuhause, da sie von dort Sicherheit kennen und sie dort wiederfinden wollen, wenn sie diese in der Schule oder an anderen öffentlichen Orten nicht haben. Neuerdings ist das Heim jedoch auch nicht mehr sicher: Cybermobbing wird immer populärer!

Es ist anonym, noch heftiger und verletzender und geht viel leichter und schneller. Hunderte Nachrichten mit verletzendem Inhalt können pro Tag versendet werden und beschädigen so nachhaltig die Gefühlswelt von Kindern und Jugendlichen. Bei einigen Seiten, die als beliebte Treffpunkte im weltweiten Netz gelten, sind Gruppen und Nachrichten, in denen gemobbt wird, zwar verboten, doch sie verhindern das Mobbing nur geringfügig. Die Täter, häufig eine komplette Gruppe mit motiviertem Anführer, finden viele Wege zum direkten Fertigmachen. Die meisten versuchen mit Mobbing bloß eigene Fehler oder Unsicherheiten zu kompensieren und sich jemand Schwächeren zu suchen, bei dem sie sich sicher sind, auftrumpfen zu können. Eine uralte Regel: Der Stärkere gewinnt! Und der andere muss deshalb geschwächt werden.

Die Opfer müssen deshalb lernen, nicht nur still vor sich hin zu leiden und sich zu schämen, sondern sich zu wehren und das Mobbing augenblicklich zu melden. Die Täter müssen wissen, dass niemand perfekt ist und Gewalt keine Lösung sein kann. Eltern und Lehrer, aber auch alle passiven Zuschauer, die nichts gegen diese Gewalttaten unternehmen, müssen aufmerksamer werden, denn aus der Mobbing-Teufelskreis kann nur im direkten Umfeld beendet werden.

 
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