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Tag der Deutschen Einheit: Das verkrampfte Verhältnis der Deutschen zu ihren Nationalsymbolen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dennis Spieß   
Sonntag, den 04. Oktober 2009 um 17:01 Uhr

Deutschland-FahnenmeerAls ich letzten Samstag zur Arbeit fuhr, ist mir sofort unsere geliebte Bundesflagge auf einem Mast vor einem Regierungsgebäude aufgefallen, da dort nicht typischerweise platziert. Auf diesem sonst so unauffälligen Mast hing doch tatsächlich ein schwarz-rot-goldenes Tuch umgeben von einer Landes- und einer Europaflagge. Üblicherweise hängen diese im Schrank irgendeines Hausmeisters, aber doch nicht an einem prominenten, gut sichtbaren Ort! Nach einem Moment der Verwunderung wurde mir dann schnell klar, dass ja Tag der Deutschen Einheit war.

An diesem und an ein paar wenigen weiteren Tagen im Jahr ist bundesweit ohne besondere Anordnung zu flaggen. Es handelt sich hierbei um die sogenannten „regelmäßigen allgemeinen Beflaggungstage“. An zwei Beflaggungstagen wird die Flagge sogar extra heraus gekramt um sie dann auf Halbmast zu hängen. Dies geschieht zum Beispiel am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Das ist durchaus eine richtige und wichtige Geste, aber die Wirkung ist genauso fraglich wie die der Beflaggung an den anderen Tagen. Diese seltenen Beflaggungstage zeugen vielmehr von einem versuchten Patriotismus, der allerdings schon vor einer langen Zeit zu einer rein gesetzlichen Sache verkommen ist.

Geradezu fremd wirkt da beispielsweise die viel aufrichtigere und wahrhaft patriotische Handhabung der Beflaggung in den USA. Während dort bei allen öffentlichen Gebäuden, auf öffentlichen Plätzen und an vielen Verkehrsknotenpunkten jeden Tag eine Flagge hängt und nachts sogar beleuchtet werden muss, wird man hier schon schief angeguckt, wenn man außerhalb der WM ein kleines Deutschland-Fähnchen auf dem Balkon flattern hat. Und wo beim deutschen McDonald’s drei rote Firmenflaggen mit dem großen gelben „M“ hängen, sieht man in einer amerikanischen Filiale mindestens zwei – nicht selten überdimensionierte – Ausführungen des Sternenbanners. Außerdem darf dort auch der Hausmeister, der bei uns am Nationalfeiertag früh aufstehen muss, um die Flagge zu hissen, ausschlafen und sich des freien Tages erfreuen wie jeder andere Bürger auch. Und hier? Ich zumindest musste auch am 3. Oktober arbeiten gehen!

 
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