Startseite Anstoß Das Märchen vom „C“ der Unionsparteien

Alternative Flash-Inhalte

Sie müssen aktualisieren sie ihren Flash Player

Get Adobe Flash player

Das Märchen vom „C“ der Unionsparteien PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Lukas Lange   
Mittwoch, den 02. Dezember 2009 um 09:24 Uhr

MerkelBetrachtet man die Politik der Christlich Demokratischen Union (CDU) in den letzten dreißig Jahren fragt man sich unweigerlich, woher denn das mysteriöse „C“ im Kürzel von Deutschlands einziger verbliebener Volkspartei stammen mag. Abtreibung, Genfood, Stammzellenforschung und Homo-Ehe – all das geht entweder direkt auf das Konto der Christdemokraten, oder ist zumindest faktisch von ihnen mitgetragen worden. Während sich die Partei gegenüber dem Islam in Beschwichtigung übt, stellt Parteichefin Merkel den Papst in aller Öffentlichkeit in eine Reihe mit rechtsextremen Holocaustleugnern. Ist es an der Zeit, das „C“ aus CDU/CSU zu streichen?

Die CDU ist eine christliche Partei, das ist weder ein ironischer Witz, noch ein in Zeiten des Multikulturalismus durchaus nicht unwahrscheinlicher Vorwurf. Das Grundsatzprogramm der Partei selbst sagt es – und zwar ziemlich eindeutig: „Unsere Politik beruht auf dem christlichen Verständnis vom Menschen und seiner Verantwortung vor Gott“, heißt es bereits im ersten Abschnitt des über hundertseitigen Papiers. „Das christliche Verständnis vom Menschen gibt uns die ethische Grundlage für verantwortliche Politik“, darf man direkt darunter lesen. Beobachter der Unionspolitik dürften sich dabei verwundert die Augen reiben: Die CDU soll eine christliche Partei sein?

Katholischer Arbeitskreis unerwünscht

Besonders seitdem die ostdeutsche Protestantin Angela Merkel in der Union das Ruder übernommen hat, entfernen sich die Christdemokraten immer mehr von christlichen, speziell von katholischen Werten, was sich insbesondere bei Merkels heftiger Schelte von Papst Benedikt XVI. im Februar 2009 zeigte. Die Kanzlerin verlangte damals vom heiligen Vater, eindeutig klarzustellen, dass es keine Leugnung des Holocausts geben könne – obgleich sich der Papst dieser Tat nicht im Geringsten schuldig gemacht hatte. Auch die Gründung des „Arbeitskreis Engagierter Katholiken“ (AEK) versuchte die Kanzlerin bis zuletzt zu torpedieren. Noch in diesem Sommer warnte sie katholische CDU-Abgeordnete vor der Gründung eines solchen Arbeitskreises. Dabei stellt sich die Frage: Warum?

Schließlich gibt es parteiintern auch den „Evangelischen Arbeitskreis“ und darüber hinaus das „Deutsch-Türkische Forum“ und die „Schwulen und Lesben in der Union“ – was beides in einer christdemokratischen, konservativen Kraft äußerst merkwürdig erscheint. Dass Merkel zwar parteiintern Protestanten, Türken und Homosexuellen die Gründung eigener Arbeitskreise zugesteht, ausgerechnet der katholischen Kirche jedoch nicht, ist ein Affront gegen den Katholizismus.

Die CDU schützt das Leben nicht mehr nach christlichen Werten.

Doch es wäre zu einfach, die Schuld an der Entchristianisierung der CDU allein „Mutti“ Merkel vorzuwerfen. Die Entfernung von christlichen Werten ist ein parteiinterner Prozess, der in den Kohl-Jahren begonnen hat. Dieser weigerte sich während seiner gesamten 16jährigen Amtszeit, die Union als Partei des konservativen Lagers rechts der Mitte zu bezeichnen. Dass die Abtreibungsbestimmungen 1995 ausgerechnet unter seiner schwarz-gelben Regierung weiter gelockert wurden, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass es nicht Angela Merkel ist, die parteiintern das Kruzifix von der Wand genommen hat.

Der Zerfall des christlichen Fundaments innerhalb der Union ist ein seit langem bestehender Prozess. Die Unterstützung der Stammzellenforschung und der explosionsartigen Ausbreitung der Genmanipulation war die logische Konsequenz aus der Kampfansage an die christliche Lebensethik.

Seitdem ist das christliche Profil der Union nur noch dann zu vernehmen, wenn bei einer Stammtischrede populistisch das Kreuz an die Klassenzimmerwände zurückgefordert wird. Oder wenn Wahlen anstehen, bei denen die Union befürchtet, dass die christlich-konservativen Wählern ihr in großem Maße den Rücken zukehren. Doch betrachtet man die politische Arbeit der Union, so ist das „C“ im Namen beider Unionsparteien nur noch ein Schmuckstück – attraktiv für die konservativen Stammwähler, aber inhaltslos in seiner wahren Bedeutung.

Ideologische Beliebigkeit an der Spitze und zahme Basis

Bis das „C“ tatsächlich aus dem Parteinamen herausgestrichen wird, wie es Joachim Kardinal Meisner einst forderte, ist es nur noch eine Frage der Zeit – vermutlich werden sich irgendwann die Muslime in der Partei vom Bekenntnis zum Christentum diskriminiert fühlen. Bis dieser Fall eintritt, wird man mit dem Buchstaben wohl noch versuchen, zumindest den Schein zu erwecken, man sei konservativ.

Nun wird so mancher konservative Lokalpolitiker auf den Spuren von Franz Josef Strauß poltern. An der Basis, da sei man immer noch konservativ. Doch auch das ist falsch. Denn auch an der Basis ist man kaum noch konservativ. Christliche Werte und religiöser Konservatismus spielen in den Ortsverbänden genauso wenig eine Rolle wie in der Parteispitze um Angela Merkel, egal ob nun in Bremen oder im tiefschwarzen Baden-Württemberg. Eine gegnerische, urchristliche Haltung zu Themen wie Homo-Ehe, Homo-Adoptionsrecht und Abtreibung gilt nicht selten bereits als fundamentalistische Abstrusität. Das Christentum hat in der christdemokratischen Realität längst keinen bedeutend größeren Stellenwert mehr als bei den Liberalen, den Grünen oder den Sozialdemokraten. Weder bei der Kanzlerin, die in dieser Frage beliebtestes Angriffsziel ist, noch bei der schweigenden Mehrheit, der angeblich konservativen Parteibasis. Denn diese konservative Basis hat nicht nur keinen Einfluss – sie besteht de facto kaum noch.

Die christlich-konservative Stammwählerschaft der Union sollte es deshalb besser spät als nie einsehen: Ihre Partei gibt es nicht mehr.

 
ANZEIGE

Aufgepasst!

Banner

Umfrage

Das größte Problem in Deutschland ist ...
 
Wie würdest du dich politisch selbst beschreiben?