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Jackass und Co.: Schadenfreude als urmenschliches Glücksgefühl PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kristina Kesselring   
Dienstag, den 15. Dezember 2009 um 10:13 Uhr

JackassSie piercen sich die Pobacken mit Angelhacken zusammen, führen sich Dinge in Körperöffnungen ein, die dort mit Sicherheit nicht hingehören, essen Dinge, die wir die Toilette runterspülen. Die Serien sind Kult, die Konzepte geisteskrank und die Aktionen in den meisten Ländern verboten. Jeder kennt Serien, in denen Schadenfreude zum Prinzip erklärt wird. Jackass (zu Deutsch: Schwachkopf, Esel oder Vollidiot) mag die Urmutter sein, Ableger wie Viva la Bam oder Kenny vs. Spenny folgten mit nicht weniger Erfolg.

Satire ohne Niveau

Ewige Kinder wie Johnny Knoxville, Steve O. oder Bam Margera zeigen, dass auch gestörte Loser berühmt und reich werden können – wenn auch nur unter Schmerzen und Demütigungen durch Mutproben oder Stunts. Alles begann damit, dass Knoxville Selbstverteidigungsgeräte wie Pfefferspray oder Elektroschocker an sich selbst ausprobierte. In jüngerer Zeit gab er seinen Hoden Namen und vereiste die beiden armen Eier. Nach Niveau sucht man hier vergebens. Der Sender MTV, einst als Music Television groß geworden – vermarktete die Sendung als „Infotainment mit gewaltigem satirischen Inhalt“.

Es ist nicht neu, dass Amis den Ruf haben, einen gewaltigen Hau wegzuhaben. Eine jüngere Sendung, Kenny vs. Spenny, kommt allerdings aus Kanada. Dort sehen wir endlich einmal die andere Seite der Ahornsirup schlürfenden Gutmenschen. Wettkämpfe zwischen Kenny Hotz und Spencer Rice enden zumeist damit, dass Spenny, der sich immer strickt an die Regeln hält, verliert und schrecklichste Demütigungen als Strafe überstehen muss. Das Konzept wurde unter anderen auch nach Deutschland exportiert, war jedoch nicht ansatzweise so witzig. Man erinnere sich an Elton vs. Simon und die Episode „Wer kann länger auf einer Kuh sitzen?“. Doch am Ende musste sich keiner der beiden als Strafe mit dem Gesicht in einen Haufen Kuhmist legen. So etwas kann man dem deutschen TV-Publikum wohl (noch) nicht zumuten.

Für viele einfach nur lustig

Wie man Jackass und Co. nun einordnet – ob als umstrittene, bösartige Actionshows, heilende Kultsendungen oder einfach nur widerwärtiger TV-Schund – bleibt jedem selbst überlassen. Fragt man die breite Gesellschaft, kennt kaum jemand diese Sendungen. Kennt man sie doch, tut man sie als unzumutbaren, hirnzersetzenden Trash ab, den man sich selbst niemals ansehen würde. Doch jede Medaille hat zwei Seiten und der Spaßfaktor kann und darf nicht unterschlagen werden. Daraus setzen sich eben die Programme zusammen.

Ohne selbstverletzende noch demütigende Aktionen gut zu finden, muß doch die Frage erlaubt sein, ob in unserer Gesellschaft nicht viel zu wenig gelacht wird? Wenn dadurch die lethargisch-stumme Atmosphäre in deutschen Wohnzimmern durchbrochen werden kann, dann vielleicht eben nur durch „niveaulose“ Bespaßung. Das Lachen ist ein Geschenk, auch wenn es die schlechtesten Züge der menschlichen Natur sind, die uns zum Lachen verleiten. Nicht umsonst sagte Schopenhauer: „Schadenfreude ist die schönste Freude, denn sie kommt von Herzen.“ Dieses oft verurteilte, ach so menschliche Gefühl steckt in jedem von uns.

Die nützliche Seite der Schadenfreude

Das Konzept bei Jackass und Co.: Wir sind nicht direkt überglücklich, dass es jemandem schlecht ergeht. Schadenfreude macht uns nicht böse oder unmoralisch. Es ist ein Teil von uns allen. Doch wir sind froh, dass uns nicht selbst dieses Missgeschick zugestoßen ist. Das Unglück anderer löst in unseren Hirnen meist die gleiche chemische Reaktion aus, wie wenn wir ein Geschenk bekommen. Schadenfreude stärkt unser Selbstwertgefühl, auch wenn wir keine greifbare Belohnung empfangen. Sie wirkt psychisch entlastend, baut Aggressionen ab, ohne selbst die Hand erheben zu müssen und ist somit sogar der Gesellschaft zuträglich.

Ein anderes „Problem“, dass die Gesellschaft empört, ist das Nachahmer-Potential. Gerade die bewusst einfachen Gegebenheiten und Konzepte erscheinen wie gemacht für unbedarfte Trittbrettfahrer. Es besteht nicht zu unrecht die Sorge, dass solche kranken Aktionen die jüngeren Zuschauer verleiten könnten, ähnliches zu versuchen. Manchmal mag das stimmen. Doch mal ehrlich, wer so dumm ist, sich diese Chaoten als Vorbilder zu nehmen, hat nichts Besseres verdient, als sich ein Bein zu brechen, von einem Schimpansen vergewaltigt zu werden oder mit entzündeten, schlampig gepiercten Pobacken durch die Gegend laufen zu müssen. 2002 wurde es hierzulande aus Jugendschutzgründen sogar verboten Sendungen wie Jackass vor 23 Uhr auszustrahlen.

Nichts für den schwachen Magen und dumme Kinder!

Für alle anderen, die über ein Minimum an Selbsterhaltungstrieb verfügen und die zum Lachen nicht in den Keller gehen oder die sich nicht schämen, das menschliche Gefühl der Schadenfreude eine halbe Stunde am Tag auszuleben, sind diese Serien einfach nur Spaß. Um Kulturphänomene wie Kenny vs. Spenny verstehen zu können, sollte man keine verkniffenen Pseudogutmenschen fragen. Denn was ist nach einem anstrengenden Tag aufheiternder, als zu sehen, wie Spenny als Wassersprenkler für Kennys dicken haarigen Hintern herhalten muss?

Nur für Leute mit starkem Magen:

 
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