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Armin Mohler vertritt in seinem Handbuch zur Konservativen Revolution die These, daß die Ideenströmung der Konservativen Revolution mit dem Christentum unvereinbar sei. Wo man beides zu verbinden suche, erleide das eine oder das andere oder auch beides Schaden. Der Weltanschauung der Konservativen Revolution liegt Mohler zufolge das Bild der Kugel zugrunde, Nietzsches „ewige Wiederkehr des Gleichen“, dem Christentum hingegen die Vorstellung einer Linie, die sich zwischen dem Auftreten Christi und seiner Wiederkunft spanne.
„Rechts – doch ohne Glauben?“
Mohler zitierte den katholischen Theologen Romano Guardini, für den sich in Christo alle Heilswünsche erfüllten. Auch vorher hatte es laut Guardini Heilsbringer gegeben, aber nur innerhalb des von Christus nun gesprengten Kreislaufs. Mohler war es angelegen, das „kyklische“ Weltbild nicht nur den Ideologien von 1789, sondern auch dem Christentum gegenüber wieder ins Recht zu setzen, von dem er die Konservative Revolution scharf abgrenzte. Dieses, so Mohler, habe mit den fortschrittlichen Ideologien gemein, daß es den Menschen sittlich absolut bewerte, wenn auch mit anderem Vorzeichen als diese – dort der an sich gute Mensch, hier die Erbsünde. Mohler befand es für unerheblich, ob am Ende der Linie das Reich Gottes oder die klassenlose Gesellschaft stehen solle. Authentisches Christentum stand in seinen Augen letztlich links. Die Konservative Revolution aber kenne keine absoluten sittlichen Maßstäbe. Erik von Kuehnelt-Leddihn wies dagegen 1974 in einem Aufsatz in der Zeitschrift Criticón mit dem Titel „Rechts – doch ohne Glauben?“ auf die Notwendigkeit des Absoluten hin. Ohne dieses blieben nur Empirik und ästhetische Erwägungen für den Mann der Rechten. Zudem sei das lineare Element in der Schöpfung und in jedem einzelnen Menschen präsent. Das zyklische Weltbild, das aufgrund seiner hinduistischen Abkunft unserer Kultur fremd sei, gehe zu utopisch und teils zu künstlich an die Welt heran. Die wahre Rechte ließ sich laut Kuehnelt-Leddihn stets vom Glauben leiten. Beispiele dafür sind der Kampf der königstreuen Vendée gegen die Französische Revolution, die spanischen Karlisten, die Weißen Armeen Rußlands, die Männer des 20. Juli. Andere, wirklich zwingende Gründe, so und nicht anders zu denken und zu handeln, als den Glauben sah er nicht.
„Der Christliche Staatsmann“
Nun hat Mohler selbst das christliche Element der Jungkonservativen (einer der drei weltanschaulichen Hauptgruppen der Konservativen Revolution neben Völkischen und Nationalrevolutionären) herausgestellt, wobei. Wilhelm Stapel und Edgar Julius Jung zählten zu dieser Gruppe. Da nun aber, was Mohler selbst stets betonte, die Konservativen Revolution ein sehr heterogenes Phänomen ist, besteht kein Grund, gerade im christlichen Aspekt der Jungkonservativen etwa bloßes Beiwerk oder eine gedankenlose Unterwerfung unter überlebte Traditionen zu sehen. Vielmehr ist das Christentum hier tragendes Fundament für eine angestrebte Erneuerung von Volk, Staat, Geistigkeit, Kultur als auch wirklicher Glaube, wie sich anhand eines Blickes in das Buch „Der Christliche Staatsmann. Eine Theologie des Nationalismus“(1932) von Stapel oder in die ein Jahr darauf unter Eindruck der veränderten Zeitumstände erschienene „Sinndeutung der deutschen Revolution“ von Jung unschwer feststellen läßt.
Die Jungkonservativen waren diejenige Fraktion mit dem umfassendsten Verhältnis zur deutschen und abendländischen Tradition. Präferierten die Völkischen einen sicherlich zum Teil imaginierten Urzustand vor der Tradition, vor allem auch vor der Christianisierung und dachte man bei den Nationalrevolutionären beinahe ohne jegliche Geschichtsbindung an die Nation in Bewegung, wurden in jungkonservativen Kreisen die Ideen von christlichem Kaisertum, übernationalem Reich und entsprechender Mission Deutschlands bevorzugt.
Entartung des abendländischen Geistes
In der Neuauflage des Handbuchs von 1972 hatte Mohler angemerkt, daß die neuere Entwicklung der Kirchen ihn in der These, das Christentum sei genuin links, bestärkt habe. Im genannten Aufsatz aber schrieb Kuehnelt-Leddihn, daß die modernen Ideologien wie der Altliberalismus und der Kommunismus Säkularisierungserscheinungen des Christentums seien. Es handelt sich hierbei, und also auch bei den Angleichungen an den Zeitgeist und der Hingabe an weltliche Ideologeme, die in jüngerer Zeit in den Kirchen zu beobachten sind, um Entartungen des abendländischen Geistes, nicht um diesen selbst. Hier gilt die bekannte Sentenz „Abusus non tollit usum“. Das wahre Christentum muß somit in der radikalen Aufklärung bzw. in denen aus dieser hervorgegangenen, unter Entthronung Gottes als Religionsersatz dienenden Ideologien ebenso den Feind sehen wie die Konservative Revolution es tut. Es ist aber zu fragen, ob nicht die Völkischen mit ihrem, es wurde schon gesagt, rousseauanisch anmutenden Charakter, oder aber die traditionslosen, auf die Masse gerichteten Nationalrevolutionäre viel eher in der Linie von 1789 stehen und der Linken zuzurechnen wären. Allein es ist müßig, gegenseitig den Vorwurf der Linkslastigkeit zu erheben. Festzustellen ist, daß einerseits ein konservativer Revolutionär, der den christlichen Glauben verschmäht, eben dies mit dem linken Gegner gemein hat, wenngleich ihm dessen Utopismus abgeht, er Wert auf die Anerkennung der Wirklichkeit legt und sich im Gegensatz zum Linken nichts vormach. Andererseits bestehen im Christentum seit der Aufklärung Tendenzen, den Schwerpunkt von Gott zum Menschen zu verschieben, den christlichen Glauben zu einer Sozialethik zu verschandeln.
Beides ist von Übel. Mit einer konsequent Nietzscheanischen Haltung ließe sich zwar rein logisch der Linken gegenübertreten, jedoch ist zu bezweifeln, daß diese durchzuhalten wäre und nicht früher oder später, wenn nicht einem Götzen welcher Art auch immer, so doch einer atheistischen Sinnlosigkeit a la Sartre anheimfallen würde. Mag auf Erden geschehen, was will: Wir haben die Verheißung des Herrn, und es besteht kein Widerspruch zwischen dem von den Autoren der Konservativen Revolution betonten Werden und Vergehen, dem Kreislauf des Lebens, und dieser Heilserwartung. Das menschliche Leben folgt stets demselben Verlauf: Zeugung, Geburt, Kindheit, Jugend, Reife, Alter, Tod. In dieser ewigen Wiederkehr des Gleichen liegt das zyklische Element. Das einzelne Leben selbst aber verläuft linear, ebenso wie es nur einmal verläuft und menschliche Personen, ebenso wie Völker und Kulturen einmalig sind. So sah es Oswald Spengler, der schrieb, daß das „faustische“ Christentum eben nicht das Leben verneine, sondern gerade bejahe. Nietzsche hatte also möglicherweise zeitgeistige Erscheinungen vorgefunden. Man denke auch an das Rad der Fortuna in Carmina Burana, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen.
Wie Wilhelm Stapel ausführte, sollte das Auftreten Jesu Christi nicht die Welt in ihrem Wesen verändern. Der Sinn ist ein metaphysischer, transzendenter; es geht dabei um nichts weniger als das schließliche Heil und die Erlösung der Welt, nicht aber um eine Verbesserung dieser selbst, womöglich durch den Menschen. Begreift man dies, so wird man zwischen den Lebens- und Weltanschauungen verschiedener Protagonisten der Konservativen Revolution und dem Christentum keinen Gegensatz mehr erblicken. Ist nicht, statt von einer Linie oder von einem Kreise bzw. einer Kugel, viel eher von einer sich windenden Spirale zu sprechen, in der sich Lebensphasen, Jahreszeiten, Aufstieg, Blüte und Niedergang im Allgemeinen wiederholen, im Einzelnen aber für sich bestehen, und die letztlich, trotz aller Irrungen und allen irdischen Scheiterns, zum Ziel, zur Erlösung durch Christo führt? |