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Ob man ihn nun mag, oder nicht. Ob er nun ein totalitäres Regelwerk ist, welches die Unterdrückung der Frau legitimiert oder ob er hierzu nur missbraucht wird. Ob er nun als rückständig oder gar dem Westen überlegen betrachtet wird, der Islam ist in Europa mittlerweile eine feste Größe, eine Verbannung aus dem Abendland eine Utopie. Daher kann es nur noch darum gehen, in welcher Form man ihn in die Zukunft gewähren lässt. Ein Kommentar von Carlo Clemens.
Der Westen, das christlich-jüdische Abendland: Islamkritische Eiferer wie vielleicht Stefan Herre von „Politically Incorrect“ oder die Politiker der aufstrebenden Bürgerbewegung pro NRW im Zuge ihres im kommenden September stattfindenden „Anti-Islamisierungskongresses“ in Köln sehen sich als Verteidiger von Errungenschaften wie der Aufklärung, dem Humanismus und der Menschenrechte. Der Islam sei ein natürlicher Gegner dieser Grundpfeiler des Okzidents, von daher gelte es für die etwa 20 Millionen Muslime in Europa bzw. für die circa 3,3 Millionen Muslime in Deutschland entweder, sich vollständig, auch hinsichtlich ihres Glaubens, zu assimilieren (also konkret: dem Islam abzuschwören), oder man müsse damit zurechtkommen, als bedingungsloser Gegner angesehen zu werden. Auch der rechtsliberale niederländische Politiker Geert Wilders, der mit seinem islamkritischen Internet-Kurzfilm „Fitna“ Ende März diesen Jahres weltweit für Aufsehen sorgte, fordert, man müsse gewisse Stellen des Korans herausreißen. Er verglich den Koran, das heilige Buch der Muslime mit Hitlers „Mein Kampf“.
Der Islam in Europa: unaufhaltbar
Der Islam ist mittlerweile in Europa fest verwurzelt. Im Jahr 2025 soll sich die Anzahl der Muslime in Europa auf 50 Millionen mehr als verdoppeln. Dritte und vierte Einwanderergenerationen sind inzwischen geboren und diese haben keineswegs die Absicht, ihre westeuropäischen Geburtsländer zu verlassen. Millionen von Muslimen besitzen westeuropäische Staatsbürgerschaften – in Deutschland sind es ein Drittel aller Muslime. Hinzu kommt, dass die islamischen Bevölkerungsteile in Europa in einigen Jahrzehnten teilweise die Mehrheit stellen werden. Daher ist ein Europa ohne jegliche islamische Prägung in Zukunft absolut undenkbar.
Für das Jahr 2020 sollen z.B. 80% der Bevölkerung der Stadt Offenbach am Main einen Migrationshintergrund aufweisen – welche Religion die meisten von ihnen haben werden, ist wohl klar. „Urdeutschen“ jedenfalls werden nur noch wenige wohlhabendere und bürgerliche „Reservate“ übrig bleiben. „Spätestens in 50 Jahren wird Deutschland dann muslimisch sein“, schätzt der Bevölkerungswissenschaftler Gunnar Heinsohn.
Groß aufgebauschte nationale Integrations- wie Islamkonferenzen haben jedenfalls auch nur das Ergebnis, dass islamischen Strukturen wie Verbänden und Vereinen, also der Islam-Lobby, immer mehr staatliche Förderungen zugesichert werden. Und wie mächtig wird erst die Islam-Lobby sein, wenn sie in Deutschlands Groß- und Mittelstädten auch über parlamentarisch legitimierte Mehrheiten verfügen?
„Die oder Wir“ führt zu keinem Ergebnis
Eine europäische Zukunft ohne Islam ist undenkbar. So wichtig Portale wie „Politically Incorrect“ (www.pi-news.net) oder vehemente Islambekämpfer auch sind, reine Grabenkämpfe nach dem Motto „Die oder Wir!“ werden kontraproduktiv bleiben. Als Wut-Ventil über die fahrlässigen, verblendeten und realitätsfernen Politiker aller etablierten Parteien sind sie vielleicht kurzfristig geeignet, aber auf langer Sicht ebenso realitätsverweigernd und utopisch, wie alle Multikulti-Ideologen selbst. Der Islam wird nicht mehr gehen – also müssen wir lernen, uns mit ihm zu arrangieren. Aber um Gotteswillen, zu einem „friedlichen und interreligiösen Dialog der Kulturen“ soll hier definitiv nicht aufgerufen werden.
Statt sinnloser Gutmenschenphrasen sollte die Allgemeinheit einen konkreten Lösungsvorschlag verfolgen. Die Verbannung des Islam aus Europa wird es ebenso wenig geben wie eine „Christianisierung“ des Islam. Sehr beliebt bei fahrlässigen Politikern ist auch die These, mit der Zeit würden die nachfolgenden islamischen Generationen „von alleine“ ein aufgeklärtes und westlich-gemäßigtes Verhältnis zur Religion ihrer Vorfahren entwickeln. Allerdings zeichnen sich Entwicklungen ab, wonach die hier geborenen islamischen Kinder und Jugendlichen meist religiöser und islamisch-konservativer sind als je zuvor. Wie soll man sich denn auch mit der großteils dekadenten und verantwortungsunbewussten Sex- und Konsumgesellschaft des Westens identifizieren können?
Während nach koranischer Auffassung das Leben auf der Erde nur eine vorübergehende Bewährungszeit ist, in der man Gott (Allah) gefallen sollte, wird dem Leben im Jenseits ewige Pracht und Schönheit zugeschrieben: „Denn im Paradies werden sie [die Gläubigen] sich im dort überall vorhandenen Schatten dornloser Zedern und blütenreicher Akazien bei einem sprudelnden Wasserfall erholen und tausenderlei Früchte essen, deren Vorrat niemals zur Neige geht. Auf besonders dicken Matratzen werden sie mit den hübschäugigen, milchweiß-häutigen Schönheiten zusammen sein. Diese Schönheiten haben wir ganz anders erschaffen. Wir haben sie als immerwährende Jungfrauen geschaffen, als stets gleichaltrige neckisch-charmante Schönheiten.“ (Sure 56:15-37)
Das ewige Paradies als reinster Lustgarten, als Ort von schrankenlosen Ess-, Trink- und Sexorgien? Dafür kann ein frommer Mann ruhig auch 70 Jahre Lebenszeit im Diesseits Geduld aufbringen, oder? Für den Propheten Mohammed und seinen Anhängern aber jedenfalls, die Armut, immerwährende Konflikte mit den Polytheisten in Mekka und andere existenzielle Anstrengungen überwinden mussten, war diese „Vergnügungsvorstellung“ des Paradieses die beste Form, um mit all den widrigen Umständen in der Anfangszeit des Islams zurecht zu kommen – die beste Motivation also, um dem Glauben treu zu bleiben.
Der Koran als geschichtliche Rede
Der Koran ist das unverfälschte Wort Gottes. Jeder Muslim hat es eins zu eins wortwörtlich zu nehmen. In jeder der 114 Suren und in jedem einzelnen Koranvers steckt die universelle Weisheit Allahs für die gesamte Menschheit, für die Ewigkeit. So wie Jesus Christus für die Christen ist für Muslime der Koran die Inkarnation Gottes. Die meisten der weltweit ca. 1,3 Milliarden Muslime sehen das so und auch die allermeisten in Europa. Dieser zeitlose Universalitätsanspruch, auf den sich die Muslime mit dem Koran berufen, beinhaltet, dass Gott an alle Geschehnisse und nachkoranischen Zustände der Menschheit bei der Offenbarung des Korans gleich mitgedacht und sie mit eingeplant hat.
Aber das obige Beispiel zeigt doch eher einen ortsbezogenen, früharabischen Charakter. Er bezieht sich auf die Muslime damals, absolut kontextbezogen, zeitgenössisch. Diese Auffassung allerdings würde dem Dogma widersprechen, wonach das geschriebene Wort Gottes für die gesamte Menschheit und für alle Ewigkeiten gelten würde. Diese Auffassung differenziert: Zwischen geschichtlichen, also ortsbezogenen Elementen des Korans, welche sich alleinig auf Mohammed, seine Gefährten und die arabische Gesellschaft des 7. Jahrhunderts n. Chr. beziehen, und universellen Botschaften wie gute Tugenden, Jenseitsglaube und Monotheismus generell. War der Koran nun also ein allgemeingültiges Buch für die gesamte Menschheit? Oder war es gezielt gerichtet an die Araber zur Zeit Mohammeds, also ein rein geschichtliches Buch, aus dem man übergeschichtliche, allgemeingültige Elemente lediglich herausinterpretieren kann?
Die Antwort gleich vorneweg: Letzteres ist richtig. Die Urfassung des Korans ist in arabischer Sprache verfasst. All die bildlichen Darstellungen im Koran, so auch das genannte Paradiesbeispiel, entstammen dem Erfahrungs- und Verständniswert der Araber damals. Und auch der Koran selbst bezieht sich konkret auf den Propheten und seinen Stamm der Kureisch (21:10; 43:44) sowie „der Mutter der Städte [also Mekka] und ihrer Umgebung“. Dass mit „Umgebung“ im Nachhinein die gesamte Welt gemeint sein könnte, wäre doch angesichts der ohnehin schon überfordernden Strapazen Mohammeds und seiner Anhänger zu deren Anfangszeiten wirklich etwas unrealistisch gewesen. Viel mehr wird angenommen, dass dieser allgemeingültige Universalitätsanspruch erst nachträglich in Debatten von polemischen Muslimen mit Juden und Christen entstanden ist.
Ein weiteres simples Beispiel: In einigen Versen (z.B. 12:2 oder 43:3) steht geschrieben, dass der Koran bewusst in arabischer Sprache verfasst sei, damit ihn seine Adressaten auch verstehen könnten. Für die Araber von damals war dies gewiss ein fürsorglicher Service, doch wenn die unverfälschte Offenbarung des Korans denn universell für alle Erdbewohner gelten solle, wäre es doch absurd zu sagen, auch für die Türken, Russen oder Vietnamesen wäre der Koran in arabischer Sprache geschrieben worden. Orthodoxe Islamgelehrte behaupten des weiteren zur Verteidigung der Universalitätsthese, der Koran sei linguistisch, stilistisch und poetisch eine eigene göttliche Sprache, nicht gleichzusetzen mit dem Arabischen. Auch hier muss man, sachlich betrachtet, festhalten, dass der Koran viele sprachliche Mängel beinhaltet. So werden bestimmte Endungen so passend zurechtgebogen, dass die Vers-Enden passen. Auch ist der Koran repetetiv, wie schon Johann Wolfgang von Goethe angesichts der „grenzenlosen Tautologien und Wiederholungen“ feststellte. Er sei „ so oft wir auch daran gehen, immer von neuem angewidert“ und der französische Aufklärer Voltaire urteilte gar, der Koran sei „ein unverständliches Buch, das den gesunden Menschenverstand auf jeder Seite erschauern lässt“.
Mit Einsicht und gesundem Menschenverstand muss man angesichts solch eindeutiger Sachbestände akzeptieren, dass der Koran ein zeitgenössisches und geschichtliches Buch ist. Geschrieben in der Sprache Mohammeds und seiner Anhänger damals, bezogen auf die kulturellen Begebenheiten seiner Zeit, auf die damaligen Traditionen, Bräuche und zeitgenössischen Situationen. Genau wie bei der Bibel oder der Thora. Christen und Juden haben es schon längst eingesehen, und auch der Koran ist definitiv nichts „Höheres“.
Gesunder Menschenverstand ist gefragt!
Weitere Belege für die Ortsbezogenheit der koranischen Texte sind zum Beispiel das konkrete Aufführen des „Zihar“, der urarabischen Scheidungspraxis, oder andere Anweisungen wie der „Idda“, der Wartefrist vor der Wiederverheiratung – alles Sitten und Rituale aus der vorislamischen Zeit. Sich heute noch nach diesen mittelalterlichen Bräuchen zu richten und zu behaupten, dass dies geradezu gottgewollt sei, wäre doch geradezu blasphemisch. Sind die Araber von damals also die unmittelbaren Adressaten der Rede im Koran, können die Muslime von heute lediglich mittelbare, indirekte Adressaten sein.
Anhand der geschichtlichen, mittelalterlichen und zeitgenössischen Anweisungen im Koran versuchen orthodoxe Islamgelehrte teilweise krampfhaft, hier durch Neuinterpretationen irgendwelche universellen Absichten herbeizureden. Auch der Aufruf zum Kopftuch bezieht sich auf damalige arabische Sittengepflogenheiten und Sicherheitsmaßnahmen – die Verfasser des Korans hatten hierbei nur an ihre zeitgenössische Gesellschaft gedacht. Eine Anweisung zum Kopftuch für alle Ewigkeiten war nie beabsichtigt. War es zu Zeiten Mohammeds noch sinnvoll, wenn sich Frauen ihre weiblichen Reize verdeckten, um Vergewaltigungen und anderen Belästigungen vorzubeugen, sind solche Auffassungen im Jahre 2008 wirklich nur noch als zurückgeblieben zu beurteilen.
So sehr Dekadenzvorwürfe gegen den Westen auch berechtigt sind, so verrückt ist es dennoch, eine unverschleierte Frau sei Freiwild, und in ständig akuter Gefahr, vergewaltigt zu werden. Damals vielleicht; aber heute ist die Polizei dafür zuständig, dass Sexualstraftäter rechtzeitig da hinkommen, wo sie auf hingehören, nämlich hinter Gitter. Überzeugte Kopftuchträgerinnen von heute interpretieren die Koranstelle von Sure 33:60 wie folgt: Frauen sollten das Kopftuch tragen, um als Muslimin „erkannt und nicht belästigt“ zu werden. Weiterhin könne dies „als mutiger Protest gegen die Degradierung und Vermarktung der Frau zum (Sexual-)Objekt“ („jugend journal der jamaat, Ausgabe 26; Ahmadiyya-Gemeinde) verstanden werden. Aber zeigt die anfangs genannte Paradiesvorstellung im Koran denn nicht auch die „Degradierung der Frau zum Sexualobjekt“? Oder anders gefragt: Sind kopftuchverweigernde Frauen denn in irgendeiner Art und Weise billiger, schamloser oder fahrlässiger als verschleierte Musliminnen?
Aus Gesichtspunkten der reinen, sachlichen Vernunft lässt sich feststellen, dass jegliche Interpretationen des Kopftuchverweises im Koran zum Scheitern verurteilt sind. Das Kopftuch ist eine mittelalterliche, urarabische und ortsgebundene Sitte, ein Hinweis dafür, wie sich Frauen in der damaligen Gesellschaft schützen konnten. Keineswegs ist es ein universelles Reinheitsgebot für die gesamte weibliche Menschheit. Als veraltete Sitte sollte sie nun denn auch verstanden werden – und mittelalterliche Riten sind in modernen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts nun mal nicht zu tolerieren, erst recht nicht, wenn sie sich so rasant verbreiten. Die Unfähigkeit der islamischen Rechtsgelehrten die Geschichtlichkeit der wortwörtlichen Rede im Koran einzusehen und die Tatsache, dass die gesamte islamisch-arabische Welt die europäische Aufklärung nicht mitgemacht hat, führen zwangsläufig zur Rückständigkeit des Islams.
Mohammed – göttlicher Prophet oder opportunistischer Machtmensch?
Der Koran enthält, was die konkreten Anweisungen anbelangt, ausschließlich Themen und Bedürfnisse, die Mohammed und seine Anhänger zur damaligen Zeit eben interessierten. Die Widersprüche im Koran sind mit Mohammeds unterschiedlichen Lebensumständen zu erklären. Die „göttlichen Offenbarungen“, die Mohammed regelmäßig erhielt, paßten immer wieder perfekt in sein Leben: Die offenbarten Suren in Mekka sprachen noch vom transzendenten und barmherzigen Gott an sich und später in kriegerischen Zeiten des Medina-Exils erhielt der Prophet konkrete Anweisungen zur „richtigen“ Lebensführung seiner Anhänger und zum Umgang mit Andersgläubigen.
Also entweder Gott war sehr kontrollbewusst, fürsorglich und kleinlich oder aber Mohammed war einfach nur ein gerissener Opportunist. Wären all diese Anweisungen denn eigentlich überhaupt in den Koran gekommen, wären sie nicht zur Zeit des Propheten aktuell und dringlich gewesen? Wohl kaum. Daher kann auch hier nicht von einer Universalität gesprochen werden.
Basierend auf all diesen Umständen und unleugbaren Beispielen, deren Geschichtlichkeit seriös einfach nicht von der Hand zu weisen ist, und von denen der gesamte Koran gespickt ist, kann man festhalten, dass die Anweisungen im Koran sicherlich nicht auch noch für alle späteren Muslime gedacht waren, sondern einzig und allein, um die Probleme der aller ersten Muslime zu lösen. Für heutige Muslime werden solcherlei konkrete Anweisungen von wenig Nutzen sein. |