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Der Selbstbefehl und die Kunst des Fragenstellens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Felix Menzel   
Dienstag, den 25. November 2008 um 02:00 Uhr

StudentWenn Professoren sagen, das Studium sei nur eine Anregung zum Selbststudium, dann interpretieren dies die meisten Studenten als Aufforderung, sich über die Vorlesung hinaus den unterrichteten Stoff anzueignen. Vor der Entscheidung, ob man mit dem Lernen beginnt oder nicht, müßte jedoch die Frage stehen, ob es sich bei dem vom Professor Vermittelten überhaupt um die richtige geistige Nahrung handelt. Diese Gradwanderung vom Mit-Lernen zum Selbst-Lernen bedarf eines Befehls, der nur von innen kommen kann.

Duldsamkeit, plastischer Sinn und Skepsis

Idealtypisch und in der deutschen Tradition eines Wilhelm von Humboldt oder Goethe stehend, sollten Schule und Universität ganzheitlich bilden, d.h. an Körper, Geist und Seele gleichermaßen ansetzen. Im Falle des Erfolgs eignet sich der Jugendliche so einen plastischen Sinn an, der ihm die Orientierung in der Welt leichter macht und ihn erkennen läßt, daß Wissen und Wahrheit ein ständiges Suchen voraussetzt. Die zielgerichtete Ausbildung eines plastischen Sinns hat heute leider kaum noch Bedeutung. Bestes Beispiel dafür ist der Biologie-Unterricht. Während von Schülern einer achten oder neunten Klasse erwartet wird, daß sie den Aufbau einer Zelle zeichnen können, müssen sie über die Baumarten im heimischen Wald nicht Bescheid wissen.

Die Vermittlung eines plastischen Sinns kann nur eine Institution vorantreiben, die von wirtschaftlichen Interessen weitestgehend losgelöst agiert. Sie müßte es sich auf die Fahnen schreiben, junge Menschen für ein selbständiges Leben und nicht nur für die Arbeitswelt vorzubereiten. Um auf eigenen Beinen stehen zu können, bedarf es auch eines Schutzschildes gegen die an allen Ecken und Enden lauernden Gefahren. Das Bildungssystem vereint jedoch Anstalten, die den status quo aufrechterhalten und aktuelle Werte und Normen reproduzieren sollen. Daher käme es einem Wunder gleich, wenn ein Bildungssystem zur Skepsis, die notwendig ist, um Gefahren zu erkennen, erziehen würde, denn damit verbunden wäre eine Autoritätsschwächung des Lehrapparats.

Impuls von innen: Was will ich wirklich?

Staatliche Bildungseinrichtungen erziehen tendenziell immer zu Opportunismus und Aberglaube, was für die Mehrzahl der Schüler auch nicht schlecht ist, da für sie nur durch diese Vereinfachungen der Welt erklärbare Gesamtzusammenhänge entstehen. Der Anstoß zur Skepsis muß also von innen kommen. Es bedarf eines eigenen Impulses des Jugendlichen, den steinigen Weg der Skepsis und des kritischen Denken dem leichten des Opportunismus und Aberglaubens vorzuziehen. Erst dieser Selbstbefehl ermöglicht freie Bildung und führt zur Kunst des Fragenstellens.

 
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