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„Ist er es, ist er es?“ Nein, wieder nicht. Der geladene Ring politischer Jugend Offenbach (RPJ) wird langsam ungeduldig. Zwanzig Minuten sind schon vergangen und der Vertreter der FDP-Jugendorganisation JuLis ist immer noch nicht da. Obwohl die Hoffnung immer wieder aufkommt, da zahlreiche Schüler aller Altersgruppen an dieser Stadtschülerratssitzung zu spät eintrudeln, werden nun also ausschließlich die Vertreter von Junge Union (JU), Jusos und die Vertreterin der Jungen Grünen den Fragen der politikinteressierten Schüler Rede und Antwort stehen.
Jungpolitiker positionieren sich im Vorfeld der bedeutsamen Hessen-Wahl
Der RPJ ist ein Zusammenschluss der Jugendorganisationen der etablierten Parteien in Offenbach. Dieser hat das erklärte Ziel, Jugendliche zur politischen Teilnahme zu motivieren. Obwohl freilich etwa die Hälfte der ca. 35 bis 40 anwesenden Schüler wohl nur da waren, um den gleichzeitig stattfindenden Unterricht zu entgehen, so hat die derzeitige Vorsitzende des Stadtschülerrates (SSR) sehr wohl für eine Politisierung dieses Gremiums gesorgt. So wurden denn auch die im RPJ vertretenen Parteien eingeladen, um die vielen Erstwähler über die unterschiedlichen Programme der Parteien im Vorfeld der hessischen Landtagswahl im Januar 2009 zu informieren. Das Fernbleiben eines Vertreters der extremen Linkspartei überraschte, wenn dies auch einzig dem Umstand zu verdanken war, dass die Jugendorganisation der Linken in Offenbach bisher noch keine Strukturen hat. Dennoch besteht die Gefahr, dass die jungen Schüler massenhaft den populistischen Phrasen der Linken auf den Leim gehen.
Vernetzung des Schülerrates mit solid` und REVOLUTION Frankfurt
Ursprünglich hatte der SSR die Aufgabe, die Interessen und Anliegen der Schüler in einer Stadt zu vernetzen, um Lernklima und -verhältnisse in deren Sinne zu verbessern. Unter der Leitung der derzeitigen SSR-Vorsitzenden, eine junge Oberstufenschülerin, bei der nicht nur die rotgefärbten Haare auf einen Linksdrall hinweisen, ist der SSR in Offenbach – einstmals ein sehr pragmatisches Gremium – sehr in zwielichtige Milieus abgedriftet. So ist der Offenbacher Ableger Mitglied im sogenannten Jugendbündnis Frankfurt, welches als linksextreme Tarnplattform hauptsächlich für die Vernetzung linksradikaler Gruppierungen im Schulstreik vor einiger Zeit verantwortlich zeichnete. Weitere Bündnismitglieder sind hier zum Beispiel, neben der obligatorischen Linksjugend [solid’], unter anderem auch die sich als „communist youth movement“ bezeichnende Organisation REVOLUTION Frankfurt und die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend SDAJ.
Eine Paarung aus jugendlicher Naivität, Unwissenheit und allgemeiner Beschallung durch moralistisch-sozialistisch-solidarische Appelle ist es geschuldet, dass in den Plenumsrunden zu schülerrelevanten Themen wie Studiengebühren (gerade in Hessen interessant, hinsichtlich der bald nun doch möglichen Neuauflage der Regierung Koch), Gesamtschule versus dreigliedriges Schulsystem oder Lernmittelfreiheit durchweg die typisch „linken“ Ansichten bei den Schülern Anklang finden.
Fern ab von pragmatischer, sachlicher Politik
Viele bauen ihren Standpunkt auf personalisierten Einzelschicksalen auf. Die Studiengebühren seien pauschal schlecht, denn sie schreckten mich (alternativ: meine beste Freundin, meinen älteren Bruder, die Tochter eines Kollegen meines Onkels, …) vom Studium ab. Sie seien sozial ungerecht und würden ausschließlich Kinder von reichen Eltern eine Chance geben. Ein Mädchen sei begeistert gewesen: Bei den wütenden Protesten gegen die Studiengebühren habe sie so viele junge Menschen erlebt, die begeistert auf die Straße gingen, die sich zuvor noch nie derartig engagiert hätten. Für die Anmerkung des JU-Vertreters, dass es sich bei vielen der euphorischen Demonstranten um faule Langzeitstudenten handelt, erntete dieser giftige Blicke.
Ähnliches war auch zum dreigliedrigen Schulsystem zu hören: Dieses sei ungerecht selektierend und würde zu früh den späteren Bildungs- und somit Lebensweg eines hilflosen Kindes entscheiden. Fast durchgängig plädierte die tagende Schülerschaft für die egalitäre Gesamtschule. Vereinzelte Hinweise auf die sehr wohl gegebene Durchlässigkeit sowie auf die sehr ausdifferenzierten Möglichkeiten auf unkonventionellen Wegen eine Hochschulberechtigung zu erlangen, gar die nackte Tatsache, dass aus Gesamtschulen kommende Schüler im Oberstufenunterricht in der Regel den einfachen Gymnasiasten, gar ehemaligen Realschülern, hinterherhinken, blieben unbeachtet.
Gefühlsduselei siegt über konservative Argumente
Leider wurde eben mehr plädiert und posaunt und weniger wirklich diskutiert. In einer Orgie von Moral- und Gerechtigkeitsgeschwafel gingen die konstruktiven und lösungsorientierten (dafür aber weniger gefühlsduselnden) Ansätze der zwei konservativ ausgerichteten Vertreter sowie des dezidiert, jedoch entschieden konservativ auftretenden JU-Vertreters völlig unter. Es muss für die Zukunft der Sinn einer solchen Tagung in Frage gestellt werden, wenn auf unliebsame Meinungen von administrativer Seite her nicht eingegangen wird, und die geschlagenen zwei Stunden mehr oder weniger dafür draufgehen, sich selbst immer wieder aufs Neue mit den ewig gleichen Anliegen darzustellen. Politische Pluralität? Nein danke. Anscheinend will man nicht aus seinem Traum geweckt werden.
Zuletzt durfte man per Strichliste noch das neue Logo des SSR Offenbachs wählen. Jedes Auswahlmotiv zierte ein pseudo-revolutionärer roter Stern. Auch wenn heutzutage in diesem Plenum kaum „revolutionär“ gedacht wird – genug „nützliche Idioten“ (Lenin) für die nächste Antifa-Demo werden sich hier sicherlich finden. |