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„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Welch ein Name! Welch eine Idiotie! Da kamen Ende der 80er-Jahre in Belgien findige soziale Aktivisten zusammen, um eine „europäische Jugendbewegung“ zu begründen, die schnell auf andere Länder übergriff. Sogenannte „Nationale Koordinierungsstellen“ gibt es neben Belgien in den Niederlanden, Spanien, Österreich und seit 1995 – selbstverständlich – auch im selbsterklärten Toleranzstaat Nummer 1, Deutschland. Nur war hierzulande die Konzentration auf „Rassismus“ natürlich nicht genug, da es noch soviel andere Anregungen für Betroffenheit gibt, und so wurde nach Amtsantritt der neuen Projektleiterin Salem Kleff, einer ehemaligen Hauptschullehrerin und Publizistin zum Thema „Interkulturelles Lernen“, 2001 das Projekt inhaltlich neu konzipiert – nun will man laut Internetpräsenz „gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, aktiv vorgehen und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Gesellschaft leisten“. So weit, so gut. Oder?
Was genau haben wir hier eigentlich? In der Quintessenz einen in Deutschland vom „Verein Courage“ gesteuerten Verband, der Schulen hässliche schwarzweiße Plaketten dafür verleiht, dass sie sich offiziell dazu bereit erklären, noch lauter in den – ohnehin stets – anschwellenden Bocksgesang der Gesellschaft gegenüber dem angeblich immer weiter zunehmenden Rechtsextremismus einzufallen, als dies der normale Deutsche eh schon tut. Diese Absicht – und das bereitwillige Entgegenkommen der „Bildungsinstitute“ – dokumentiert das Projekt stolz auf ihrer Internetseite: Von Grundschulen über Förderschulen bis hin zu Berufsbildenden Schulen sind augenscheinlich alle Stufen und Zweige des vielgliedrigen Bildungssystems ganz scharf auf die sogenannte „Auszeichnung“ der „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Selbst Waldorfschulen machen mit.
Wer der Schüler traut sich schon nicht gegen Rassismus zu sein?
Doch halt! Sollten Schulen nicht politisch wertfrei sein? Sollten sie sich nicht darauf konzentrieren, ihren Schülern in Sachfächern Wissen zu vermitteln und ihnen in geisteswissenschaftlichen Fächern die seelische Schulung für ein verantwortungsbewusstes Leben als mündiger Staatsbürger einzuimpfen?
Nun, wir wollen uns keinen Illusionen hingeben. Die Schulen sind ebensolche Erfüllungsgehilfen des freiheitsfeindlichen deutschen Kanons wie alle anderen staatlichen Organe auch und mit der schachbrettartigen „SoR-SmC“-Plakette haben sie sogar ihre eigene Nahkampfspange in diesem immerwährenden, stetig eskalierenden Scharmützel.
Um an eins der begehrten Blechschilder zu kommen, haben die ehrgeizigen (obwohl an dieser Stelle wohl eher „ehrgierigen“) Schulen drei Bedingungen zu erfüllen: 70 Prozent aller an der Schule tätigen Personen müssen eine Bereitschaftserklärung zur Ablehnung jeglicher Form von Diskriminierung unterzeichnen; sollte eine solche Diskriminierung erfolgen, verpflichten sich die Unterzeichner zu aktivem Einschreiten und Herbeiführung einer „offenen Auseinandersetzung“ und schlußendlich ist pro Jahr mindestens ein Projekttag zum Thema durchzuführen. Ein an und für sich gar nicht mal so schlechter Ansatz, doch Oh, welch Heuchelei!
Insbesondere an Gymnasien, die den Löwenanteil der „SoR-SmC“-Schulen bilden, wird die mühsam konstruierte Scheinwelt des fröhlichen, multikulturell immens bereicherten und vorbildlich demokratischen Deutschlands krampfhaft verteidigt. Im Hinarbeiten auf ein Dasein der Schüler als genügsames, intellektuell brauchbares Mittelmaß werden Abweichlertum, Infragestellen und offenes geistiges Aufbegehren im besten Fall ignoriert, im Regelfall jedoch mindestens benotungsmäßig negativ sanktioniert. Von Freiheit der Gedanken und der Abwesenheit von Diskriminierung, vor allem aufgrund politischer Selbstverortung, kann also kaum gesprochen werden.
Unregelmäßigkeiten bei den Unterschriften am eigenen Gymnasium …
Mein eigenes Gymnasium erhielt den Titel und die Plakette zu einer Zeit, als ich gerade Chefredakteur der Schülerzeitung war. Innerhalb meiner Redaktion, der auch mehrere Mitglieder der Schülermitverwaltung angehörten, sprach man von Unregelmäßigkeiten bezüglich der Unterschriftenlisten, denn viele Schüler sahen nicht ein, weshalb zusätzlich zu den zwei schon vorhandenen alljährlichen Vergangenheitsbewältigungsprojekttagen – die Schule ist nach einer „Rote Kapelle“-Widerstandskämpferin benannt – noch mindestens ein weiterer Tag damit vertan werden sollte, sich von unmotivierten Lehrern die ewig gleichen Geschichten anzuhören, während alle gelangweilt auf die Mittagszeit warten oder gar den Unterrichtsausfall nutzen, um sich in der Schule zu betrinken (kein Witz, ich habe das miterlebt). Die Fälschungen kann ich allerdings nicht beweisen und will es deshalb hier lieber nicht als Tatsache hinstellen.
In jedem Fall war ich – zusammen mit den meisten meiner Mitredakteure – der Meinung, dass unsere Schulleitung dies einzig und allein aus Prestigezwecken initiiert hatte, und dementsprechend kritisierte ich die Entwicklung in einem zynischen Gedicht in der folgenden Schülerzeitungsausgabe – ein schwerer Fehler, denn nun hatte ich mich nach Ansicht des Lehrkörpers als „Anti-Antidiskriminierungsaktivist“ betätigt und durfte in der Folgezeit am eigenen Leib erleben, weshalb es durchaus legitim ist, gegen Diskriminierung zu sein – durch Aussagen von Freunden und mir zugeneigten Lehrern weiß ich definitiv, dass ich sowohl von der Schulleitung gegenüber dem Lehrerkollegium als auch von einzelnen Lehrern gegenüber ihren Schülern ganz offen und explizit als „Rechtsextremist“ und „geistiger Brandstifter“ bezeichnet wurde.
… und eine gänzlich untolerante Hetzkampagne
Darauf aufbauend wurde auch gegen die Schülerzeitung an sich agitiert. Völlig mißachtet wurde dabei die heterogene Zusammensetzung der Redaktion, die neben wenig dezidiert politischen Menschen – zwei Sozialdemokraten und einem Unionsnahen – vor allem typisch Desinteressierte beschäftigte, die nur des Spaßes und Ansehens wegen dabei waren. Um die Zeitung als Institution zu schützen legte ich mein Amt ein Vierteljahr lang nieder. Soviel also zur so blumig beschworenen Toleranz und Antidiskriminierung. Und seit mein – nunmehr ehemaliges – Gymnasium die Plakette im Eingangsflur hängen hat, hat man nichts mehr von den hehren Zielen und Vorgaben des Projektes „SoR-SmC“ gehört; auf der Homepage der Schule findet sich in der entsprechenden Sektion der Platzhaltersatz „Hier fehlt uns noch ein Text“.
Was lernen wir daraus? Nichts, denn die Grunderkenntnis aus dieser Bewegung als einer von vielen kennen wir längst: Respektvoller Umgang miteinander, gegenseitige Toleranz und größtmögliche persönliche Freiheit im Einklang mit der Positionierung des Einzelnen in seiner Gemeinschaft sollten selbstverständliche Grundwerte sein; in jedem Fall können sie in keinster Weise durch eine nur notdürftig demokratisch legitimierte Plakette und einen pathetischen Titel den möglicherweise in ihrer Mehrheit politisch vollkommen lethargischen Schülern übergestülpt werden. Derartige Initiativen und ihre offiziellen Partner – bei „SoR-SmC“ zum Beispiel das linksextremistische „APABIZ“ und das seit dem Fall Mittweida inzwischen vollkommen unglaubwürdige „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ – machen sich lächerlich, denn es ist vollkommen klar, dass ihre vielleicht ursprünglich einmal gutgemeinten Aktivitäten rasch zu reinem Prestige der Schulen verkommen, die nach innen und außen gern ihre Politische Korrektheit demonstrieren wollen. |