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„Schule fertig, und dann?“ Das ist die Frage, die sich jedem jungen Menschen stellt. Diejenigen, die dann ihr Abitur in der Tasche haben und später die Leistungselite Deutschlands darstellen sollen, werden, die Jungen oftmals nach ihrem Wehr- oder Ersatzdienst, sicherlich größtenteils studieren gehen, um später einen der höher bezahlten Arbeitsstellen zu erlangen. Der Fachkräftemangel wird sicherlich dazu beitragen, dass sie mit offenen Armen empfangen werden. In der Realität aber ist zu beobachten, wie den jungen Abiturienten in erster Linie eine Perspektive gezeigt wird: Schnell weg!
„Wollt ihr mich loswerden?“
Das kann man sich in der Tat fragen. In den Unmengen an Informationsmaterial, das den Oberstufenschülern an der Schule ausgehändigt wird, ist immer wieder das gleiche zu lesen: Auslandsaufenthalt, Auslandsstudium, freiwilliges soziales Jahr im Ausland, Au-Pair, Entwicklungshilfe in Afrika. Die Liste könnte ewig so weitergeführt werden. Eine Perspektive in Deutschland wird nicht geboten. Es erscheint jung, dynamisch und hipp, schon während der Schulzeit ein Jahr Australien, ein Jahr USA, ein Jahr England hinter sich zu haben. Mit diesen Vorqualifikationen fühlt man sich gewappnet für das globalisierte Berufsleben.
Ein Studium im kaufmännischen Bereich ist ohne Auslandssemester inzwischen nahezu unmöglich. Fließendes Englisch eine Selbstverständlichkeit, in dualen Studiengängen existiert häufig ein Numerus clausus in der Englischnote. Bei den Informationsveranstaltungen werden ausschließlich solche Berufe angeboten, bei denen man aus der Reisetasche lebt, das Zuhause das Flugzeug ist und die Nationalität nur auf dem Pass steht. Familienvereinbarkeit? Fehlanzeige. Das Interesse der Schülerschaft diesbezüglich? Gering.
In den Broschüren der staatlichen Behörden gibt es nur ein Thema: Auslandstudium. Überhaupt, die Möglichkeit eines Studiums in Deutschland wird vollkommen ignoriert. Man wird überhäuft mit genauen Strategien, wie man an Fördermittel der EU kommt; etwaige Vorbehalte gegen den Auslandsaufenthalt werden mit überschwänglich euphorischen Erfahrungsberichten beschwichtigt.
Bachelor of ...was?
Die Studiengänge, die an den Universitäten angeboten werden, sind alle mit ellenlangen englischen Bezeichnungen versehen, die kaum erahnen lassen, was sich tatsächlich hinter ihnen verbirgt und deren Übersetzung schon ein Wörterbuch erfordert. Meist ist noch das allseits beliebte I-Wort dabei: international.
Würde man zum Beispiel darauf kommen, dass mit einem „Controller“ ein Buchhalter gemeint ist? Viele Stellenausschreibungen in den Zeitungen werden immer unverständlicher. Beeindruckend wenige Oberstufenschüler wissen überhaupt, was sie nach der Schule machen wollen. Kein Wunder, versuchen sie sich zu informieren, werden sie von einer Lawine unverständlicher Studienbezeichnungen, dem ständigen Drang zum Ausland und der Nötigung zur totalen Selbstaufgabe im Beruf überrollt. Die allermeisten Schüler aber wollen keine solchen Yuppies werden, sondern in erster Linie Sicherheit, Ordnung und Verantwortung übernehmen: Ein ganz normales bürgerliches Leben mit Haus, Frau und fester Arbeitsstelle in der Umgebung.
Es fehlt ein deutscher Weg
Was fehlt, ist eine Perspektive für Deutschland. Den Pioniergeist, den Schaffensdrang, den die Jugend mitbringt, gilt es für Deutschland zu nutzen. Das Projekt der Elite-Universitäten ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber es fehlt an der nötigen Werbung. Noch wird der Eindruck vermittelt, in Deutschland würden nur die Langweiler, Schlaffies und Schlechten bleiben. Die Schlauen, Intelligenten und Mutigen würden ins Ausland gehen. Es muss Werbung gemacht werden für eine Perspektive im eigenen Land.
Alle Jugendlichen sehen die aktuelle Situation im Land und wollen sie verbessern, aber sie werden nicht gelassen. Manche haben den Mut schon verloren und rechnen nicht mehr damit, dass das – vor allem westdeutsche – Unterschichtenproblem gelöst werden kann. Sie rechnen aufgrund einer linken Politik, die Höherqualifizierte benachteiligt, nicht damit, ein Leben in Wohlstand in Deutschland führen zu können. Sie fühlen sich alleine gelassen und von der Politik nicht wichtig genommen. Sie fragen sich, warum Milliarden in soziale Projekte für schulversagende Problemkinder und andere Randgruppen gesteckt werden und sie als Leistungsträger keinerlei Unterstützung erfahren. Eine Kehrtwende ist dringend notwendig, die nächste Statistik über ausgewanderte Akademiker kommt bestimmt. |