Jeder wurde sicherlich schon einmal gefragt, wie er sich denn seine Zukunft vorstelle. Die Standardantworten beschränken sich meist auf Karriere- oder Selbstverwirklichungswünsche bzw. dem üblichen anderen 08/15-Kram. Wenn man mich fragt, sehe ich meine Zukunft eher negativ. Ich lebe wie viele andere auch lieber in der Vergangenheit. Das Vergangene ist bekannt, man kann sich ärgern oder freuen, weil es eben gelaufen ist, wie es ist und lebt in dem sicheren Bewusstsein, das man nichts am Geschehenen ändern kann. Kein Thema ist schwieriger zu behandeln als die Zukunft.
Sie ist unendlich komplex und kann so vielschichtig sein, dass der menschliche Verstand diese gewaltige Multidualität unmöglich begreifen kann. Nur die wenigsten können das menschliche Schaffen und Wirken in der Zukunft – sei es in einer Woche oder in einem Jahrhundert – in all seinen Ausbreitungen verstehen oder nachvollziehen.
Die ungewisse Zukunft
Auch Hunderte von Statistiken und Prognosen können keine Antwort auf die Zukunftsfrage geben. Bestes Beispiel, die Finanzkrise: Manche sagen, es war vorherzusehen, dass die Blase irgendwann platzt. Natürlich war es das! Aber es hätte auch noch fünf oder zehn weitere Jahre gutgehen können. Jemand hätte die Finanzwelt so umkrempeln oder die Manager der Banken so schulen müssen, damit alles anderes gelaufen wäre. Der Einbruch war eben nur ein mögliches Szenario von hunderten anderen, es gibt kein Ja oder Nein, nur unzählige „Vielleichts“. Mal sehen, welches „Vielleicht“ unsere Zukunft prägt.
Das wird jetzt viele deprimieren, doch die einzige Wahrheit ist, dass es keine absolute Wahrheit gibt. Nostradamus’ Prophezeiungen waren eben nur grobe Richtlinien, die sich im Nachhinein betrachtet auf viele verschiedene Ereignisse hätten beziehen können, und die Apokalypse kann diesen Freitag beim Morgenkaffee oder erst in zehntausend Jahren kommen. Ein Blick in die Filmwelt unterstreicht die Komplexität der Zukunftswahrscheinlichkeiten und dennoch können sie immer nur einen minimalen Bruchteil der Millionen Variationen der Zukunft erahnen.
Was ist dran, an Science Fiction-Visionen?
Aber die Visionäre der Science Fiction-Branche haben wenigstens versucht, Zukunftswelten zu prognostizieren. Ob nun ein Roboter auf der Suche nach seiner Identität ist (A.I./ Der 200 Jahre Mann, Robots, Wall-e), unsere Enkel und Urenkel in gallertgefüllten Brutkästen als menschliche Batterien für Maschinen dienen (Matrix), Killerroboter oder Killermutanten auf die Menschen losgehen (I Robot/ Resident Evil) oder ein Mann auf der Suche nach der Liebe ist (Die Zeitmaschine/ Das fünfte Element) – man merkt, die meisten Zukunftsszenarien beschäftigen sich mit der Technik.
Nette Gedanken, wenn man davon ausgeht, dass es nach dem dritten Weltkrieg noch Technik gibt. Albert Einstein hat das gut zusammengefasst: „Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“ Doch mit der Betrachtung dieser kleinen Teilbereiche sind viele unzufrieden. Das ist zu wenig – es muss doch eine andere Erklärung zur Ergründung der Zukunft geben, als nur vor der Glotze zu hocken oder zu lesen und dann letztlich doch nicht alles im Blick zu haben. Was kann uns die Zukunft über moderne Technik und fantastische Entdeckungen hinaus bringen?
Mit Vollgas ins Armageddon!
Bei Betrachtung der Vergangenheit und Gegenwart ist eines klar - die Menschen sind dämlich! Menschen sind im Grunde genommen wahnsinnige, in ihren Gedankenkäfigen auf- und abspringende Affen. Die Welt im Gesamten steuert dem Verfall entgegen und der Mensch ist leider der Kapitän. Das heißt: Wir könnten das Schiff noch herumreisen! Wir könnten – wenn wir wollten. Für die Zukunft steht unsere Uhr auf eins vor zwölf, aber immer noch ist man zu bequem, zu faul und zu kurzsichtig, das Leben, die Gesellschaften überall auf der Welt so zu verändern, dass nicht nur wir überleben, sondern auch unser Planet.
Und wer jetzt in der Mentalität der fettgefressenen, lethargischen Wohlstandsländer sagt: „Aber es geht doch nicht ums überleben sondern ums LEBEN“, dem ist zu entgegnen: Schön, du hast Recht, der Mensch hat jahrhundertelang nicht gelebt – er hat überlebt. Leben macht mehr Spaß, als nur zu überleben, ganz klar. Aber darum geht es nicht. Es geht nicht darum, dass ich heute Morgen zu faul war um den Müll zu trennen und darum Plastik zu Papier geworfen habe, es geht nicht darum, ob mein Nachbar einen Kilometer mit dem Auto oder mit dem Fahrrad zum Bäcker fährt.
Winzige Nadelstiche und die großen Folgen
Es geht nicht mal darum, dass große japanische und amerikanische Konzerne ihren Schrott ins Meer werfen und hunderte von Tieren deshalb verenden. „Kleine“ Taten sind kleine Verbrechen, kleine Nadelstiche, die scheinbar niemandem direkt weh tun. Doch es ist wie mit einem Uhrwerk: Nicht die Summe der Teile macht die funktionierende Uhr aus, sondern das richtige Ineinandergreifen hunderter winziger Rädchen. Nur so funktioniert das Uhrwerk und nur so steuern wir uns ins Verderben: gemeinschaftlich. Die Menschen sind ein perfekt konstruiertes Vernichtungswerkzeug mit vielen ineinandergreifenden Rädchen. |