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Wenn der Einzelne untergeht: Neue Unterrichtsmethoden PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Michael Schulz   
Freitag, den 03. April 2009 um 01:00 Uhr

Lernstandserhebung„Diese Aufgabe bitte in Gruppenarbeit erledigen!“ Diesen Satz bekommen deutsche Schüler in letzter Zeit häufig zu hören, denn die von den Kultusministerien geforderte und geförderte Gruppenarbeit gehört zu den bevorzugten neuen Unterrichtsmethoden. Ziel ist es, beim Schüler „soziale Kompetenzen“, „soziale Integrität“, „Kommunikationsfähigkeit“ zu fördern und durch „gemeinschaftliches Lernen“ mehr Spaß an der Schule und am Arbeiten zu vermitteln.

Ein Gemeinschaftsgefühl soll sich entwickeln, und der Starke soll dem Schwachen helfen. Womit wir beim zentralen Punkt und Anliegen der Minister wären. Ziel ist es vor allem, einen Konsens zu bilden, man könnte auch sagen ein Mittelmaß. Die Schwachen und in vielen Fällen vor allem faulen und unmotivierten Schüler möchte die Politik irgendwie durchbekommen. Bei benoteten Gruppenarbeiten sahnen sie häufig die guten Noten der Zugpferde der Gruppe mit ab.

Elite? Nein, danke!

Natürlich bilden sich beim Auftrag zur Gruppenarbeit die Gruppen aus Freunden und starken Schülern. Das haben die Lehrkräfte inzwischen gelernt und stellen die Arbeitsgruppen nun selbst auf – bestehend aus einem Mix aus starken und schwachen Schülern. Gerne auch werden Schüler in eine Gruppe gesteckt, von denen bekannt ist, daß sie sich überhaupt nicht mögen. Offiziell sollen alle gemeinsam die Aufgaben erledigen und so zu einem gemeinschaftlichen Erfolgserlebnis kommen. Tatsächlich arbeiten die starken Schüler der Gruppe am meisten, um die gute Note für sich zu sichern. Es heißt zwar, daß der Beitrag eines jeden am Ergebnis erkennbar sein muß, gleichzeitig ist es aber verpönt, bei Mängeln den Verursacher zu nennen. Ungemeinschaftlich wäre das, man ist ja eine Gruppe – gezwungenermaßen. Die Note hat jedoch am Ende jeder in seinem Notenbuch stehen – für sich alleine.Ein Meinungsklima, das keinen Widerspruch duldet

Besonders dort, wo die Noten von Schülern nach kommunistischer Art per Handzeichen gegeben werden, ist man von einer sachgemäßen Benotung der Leistungen der Schüler meilenweit entfernt. Für den Gemeinschaftssinn ist dies sicherlich auch ungemein förderlich. Um sich über den Rückhalt dieser neuen Unterrichtsmethoden bei den Schülern zu versichern, empfiehlt das Kultusministerium sogenannte „Feedback“-Stunden, in denen über die Methodik diskutiert wird. Von einer Diskussion kann allerdings vielerorts keine Rede sein. Es herrscht ein typisch linkes Meinungsklima, in dem das zählt, was gehört werden will und kritische Stimmen beziehungsweise eine allgemein kritische Haltung nicht als persönliche Meinung oder Diskussionsanregung, sondern als eine Verfehlung des Arbeitsziels oder als das Störfeuer eines Außenstehenden, der das Spiel von „Nicken und Lächeln“ noch nicht verstanden hat, abgetan wird. Diejenigen, die in solchen „Feedback“-Stunden still sind, obwohl sie sich sonst rege am Unterricht beteiligen, sind meist die Dissidenten.

Kein Lehramt ohne PowerPoint

Die Anwendung neuer Unterrichtsmethoden und die großzügige Verwendung von Medien aller Art im Unterricht sind inzwischen Grundvoraussetzungen für angehende Lehrkräfte. In den Lehrproben müssen Referendare beweisen, daß sie das soziale Miteinander der Schüler fördern, keinen Frontalunterricht halten und der Unterricht aufgelockert wird. Im „Lehrersprech“ nennt man dies „Schülerorientierung“. Gruppenarbeiten und daraus hervorgehende Präsentationen sind absolute Notwendigkeit einer erfolgreichen Lehrprobe. Der Lehrer wirkt hierbei nur als Moderator, seine im Studium angeeigneten Fachkompetenzen kommen weder zur Geltung, noch werden sie dem Schüler als Wissensgrundlage angeboten. Was zählt, sind die Inhalte der von den Kultusministern zugelassenen Lehrbücher. So mancher ältere Lehrer empört sich über Beschlüsse, in denen Lehrbücher plötzlich nicht mehr zugelassen sind, mit denen er Generationen erfolgreich unterrichtet hat.

Auslaufmodell Autoritätslehrer

Wie sehr wünscht manch Schüler sich wieder den Unterricht eines Lehrers der alten Schule. Es sind diese Lehrer, denen im Unterricht die Schüler zuhören, da sie fernab jeglicher Normung den Stoff den Schülern auf interessante und informative Weise vermitteln. Es werden keine „Mind-Maps“ oder „Cluster“ mit den Ergebnissen einer Schülerdiskussion von der Tafel abgepinselt, sondern kurze informative Texte, die vom Lehrer diktiert werden, notiert. Diese beinhalten eine kurze und prägnante Zusammenfassung des mündlich vorgetragenen Lehrstoffes, der bei Fragen von Schülern jederzeit genauer erläutert werden kann und so für jeden klar und einsichtig ist. Es sind diese Lehrkräfte, bei denen durch eine suggestiv ausgeübte Autorität jeder Pausenraufbold oder aufmüpfige Schüler still und interessiert dem Unterricht folgt. Es sind diese Lehrer, die am Aussterben sind. Dem neuen Typus, dem Moderator, der seine Schüler den Unterricht machen läßt, soll die Zukunft gehören.Bei solchen Zuständen braucht sich niemand über PISA-Ergebnisse und Fachkräftemangel zu wundern. Das Problem ist zu 100 Prozent hausgemacht. Die Gemeinschaftsschule würde das Problem nur noch verschlimmern. Zur Zeit wacht Frankreich aus seinem Traum der Ganztagseinheitsschule auf und klagt kollektiv über die Senkung des Bildungsniveaus, über Gewalt und Frust.

Dieser Artikel erschien zuerst in Blaue Narzisse, #9, September 2008.

 
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