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Unsere Gesellschaft in 50 Jahren (Teil 2): Das Vernichtungswerkzeug Mensch PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kristina Kesselring   
Dienstag, den 07. April 2009 um 01:00 Uhr

Die Zukunft in Gefahr durch das Vernichtungswerkzeug MenschEs geht um das große Ganze! Millionen von unbedachten, aus Faulheit und Bequemlichkeit begangener, kleiner Verbrechen bilden ein großes Verbrechen. Dasselbe Verbrechen wie es Millionen kleine Nadelstiche einem Körper antun. Aufgrund Millionen kleiner Wunden kann man ebenso ausbluten wie aus einer großen. Die Erde blutet aus, durch uns! Wir selbst, der nette Nachbar von nebenan, Ronald McDonald, jeder ist ein Mörder! Wir töten unsere Welt, mit unserem Wissen, unserer Technologie, unserer Zivilisation.

Es geht ums Geld, um Wohlstand, um Lebensstandard…

Zivilisation ist nach Definition das Wissen und Können, das die Menschen erworben haben, um die Kräfte der Natur zu beherrschen und ihr Güter zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse abzugewinnen. Anderseits alle die Einrichtungen, die notwendig sind, um die Beziehungen der Menschen zueinander, und besonders die Verteilung der erreichbaren Güter, zu regeln. Man merkt, es geht um Güter, um Besitz. Ein ewiges „Haben Wollen“. Der Mensch hat sich trotz allem nicht weiterentwickelt. Immer noch ist er ein Jäger und Sammler. Wo er sich aber vor Jahrtausenden und Jahrhunderten auf Tiere und auf die Beeren des Waldes beschränkt hat, geht es heute um ein höheres Ziel: Geld! Oder wie Dieter Bohlen sagen würde: „Haste Kohle, haste Autos, haste Frauen.“

Zum Erhalt seines „erarbeiteten“ Wohlstandes und seines angenehmen Lebensstandards  nimmt die Spezies Mensch gerne in Kauf, die Umwelt zu schädigen. Warum sollte sie sich heute um das Baumsterben oder um das Sterben der Tierrasse, das Schmelzen der Polkappen oder die Umweltverschmutzung  kümmern? Das ist alles sehr weit weg, die Straßen und Westen sind sauber und nachfolgende Generationen könnten die Probleme ja immer noch anpacken – vielleicht sogar besser, weil sich die Technik bis dahin weiterentwickelt hat.

Realität schneller als Vision – Faszination Mensch

Das wird bestimmt so sein, schließlich dachte man noch im Jahr 1950, dass man innerhalb von hundert Jahren Menschen für längere Zeit ins All schießen kann. Ein weiter zurückliegendes Beispiel: Der brillante Filmpionier Georges Méliès kreierte im Jahre 1902 den ersten Science Fiction-Film, ohne zu wissen, was das eigentlich ist. Basierend auf den Romanen Von der Erde zum Mond (Jules Verne) und Die ersten Menschen auf dem Mond (H.G. Wells) bekamen die Menschen eine Vorstellung von einem Mond, auf dem man atmen und in einem Frack spazieren gehen konnte. Dass die Erfahrung des wirklichen Mondes nur 57 Jahre in der Zukunft lag, konnte sich niemand vorstellen. Man wusste ja gerade Mal, dass die Erde und der Mond rund waren!

Man sieht: Die Menschen übertrafen sich schon immer selbst in ihrer Fantasie und ihren technischen Entwicklungen. Wenn man heute sagt, man könne in hundert Jahren auf dem Mond leben – nicht nur überleben, sondern leben – so würde das heißen, dass unsere Kinder schon in fünfzig Jahren einen neuen Planeten besiedeln. Die Forschung sucht also bereits neue Orte, auf denen man ausweichen kann, wenn die Erde unsere Zahl oder unsere Nadelstiche nicht mehr (er)tragen kann. Eine neue Welt zum Vergiften!

Um es kurz zu fassen, die Menschen haben zwei grundlegende Eigenschaften: Sie sind erstens selbst nicht bereit, persönliche Einbußen hinzunehmen. Zweitens: Vernünftige Argumente hinsichtlich der derzeitigen Entwicklungen beeinflussen ihre Triebhaftigkeit nicht.

Es war immer so, ist so und wird bestimmt immer so sein, dass der Mensch erst etwas tut, wenn er bereits bis zur Hüfte im Treibsand steckt. Menschen leben naiv, ihr momentanes,  möglichst bequemes, Leben ist ihnen wichtiger als alles, was in der Zukunft liegt. Da verhungern Kinder in Afrika, da sterben die Eisbären in der Arktis aus und Tsunamis richten Katastrophen an – doch wehe man wird selbst irgendwie tangiert: Dann brüllen alle, die auch nur annähernd davon betroffen sind, nach Veränderungen, nach Maßnahmen, die dafür sorgen, dass ihr privilegiertes Leben nicht mehr gefährdet wird.

Wir schaufeln die Gräber unserer Nachkommen, nicht unsere eigenen.

Wenn etwas geschieht, ob Natur- oder Umweltkatastrophe, dann reden alle von Problemen. Doch die heutigen Menschen wissen gar nicht, was Probleme sind. Unsere Kinder, unsere Enkel und Urenkel: Die werden Probleme haben und zwar nicht zu knapp. Und wir werden unsere Probleme an diese Kinder vererben, mit Zins und Zinseszins. Wir vererben ihnen unsere Probleme und schaufeln ihnen damit ihre Gräber. Wir sind nicht nur Mörder an der Erde sondern auch an unseren Erben, weil wir sie um ihre Zukunft betrügen.

Wir vernichten unsere Zukunft, bevor wir eine haben können. Dabei könnten wir mit kleinen Veränderungen, kleinen Kompromissen im Bereich des Geldes und des „Lebensstandards“ soviel verändern. Und wir haben die Möglichkeiten, wir haben die Finanzen und das Wissen, zu helfen. Unsere technischen und sozialen Errungenschaften bringen uns in schöner Regelmäßigkeit selbst zum Staunen. Wir haben „Zivilisation“, Kunst, Kultur und Technik. Aber schlußendlich – so sehr wir uns auch loben wollen – ist unser Hirn ein schneeweißer Wolkenturm und blutroter Moloch zugleich.

Der Mensch steht am Wendepunkt: Leben oder Tod?

Ebenso wie wir dazu fähig sind, das Schöne und Gute zu schaffen, ist es uns möglich, Angst, Tod und Zerstörung über die Welt und unsere Mitmenschen zu kippen. Nur ist das letztere so viel einfacher. Der Mensch befindet sich am Wendepunkt – und das schon seit dem Beginn seiner Existenz. Es bedarf nur einer einzigen Entscheidung, uns zu retten und uns eine Zukunft zu ermöglichen: Die Entscheidung, ob wir Leben oder Tod bringen wollen. Es ist nur zu hoffen, dass das Umdenken, das erst jetzt bei einigen der entscheidenden Leute einsetzt, der Gier und der Bequemlichkeit der „zivilisierten“ Menschheit gewachsen ist.

 
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