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Leistungsbereitschaft von Jugendlichen: Saftladen, elender! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Michael Schulz   
Montag, den 04. Mai 2009 um 01:00 Uhr

Lethargische JugendDer Wohlstand in Deutschland treibt trotz zunehmendem Wohlstandsgefälle erschreckende Blüten. Die Jugend verspürt keinerlei Tatendrang, sie ist mit dem aktuellen Wohlstandsniveau gesättigt. Sie übt keinen Druck aus, sie ist stumm und lethargisch. Wo ist dieser Geist hin, vor dem früher alle zitterten? Jeder sagt als kleines Kind zu sich: „Wenn ich groß bin, mache ich alles besser!“ Warum tun sie es nicht? Es gilt die Frage zu erörtern, warum die Jugend nicht in die Öffentlichkeit drängt, sondern lieber zuhause vor dem PC sitzt.

Der mp3-Player als Symbol

Möchte man die Jugend heute beschreiben reicht ein Wort: mp3-Player. Kein anderer Gegenstand verkörpert das Verhalten und die Lebenseinstellung vieler Jugendlicher besser. Erst sucht man sich aus, was man hören will, dann schottet man sich ab, um sich zu unterhalten. So nimmt man nichts von dem war, was um einen herum passiert. Besser noch, der Geist kommt kaum dazu, in einer freien Minute sich mit sich selbst zu beschäftigen oder nachzudenken. Da man ja schon vorher gefiltert hat, was man hört, ist alles bestens, man hört nur, was man hören möchte. Und wenn sich doch mal ein Titel eingeschlichen hat, auf den wir jetzt keine Lust haben, drücken wir „Next“.

Es ist kaum zu fassen. Fünf meiner Klassenkameraden schwänzen den kompletten Schultag, weil sie die (nicht übermäßig große) Hausaufgabe trotz einwöchiger Bearbeitungszeit doch nicht gemacht haben. Nachmachen müssen sie sie trotzdem. Der mp3-Player saß wohl wieder zu lange im Ohr, was man nicht machen, hören oder sehen will, wird ausgeblendet und die innere Stimme, die sagt: „Mach es jetzt, du musst es eh’ machen!“ wird betäubt. Der innere Schweinehund gewinnt. Man ist 18, man kann sich selbst entschuldigen und da man ja den ganzen Tag gefehlt hat, fällt das wohl auch nicht groß auf. Machen wir es später. Es erinnert verdammt an unsere Politiker, die den Schuldenberg auch lieber auf folgende Generationen abladen. Was haben wir schließlich auch für Vorbilder.

Keine Ideale, keine Werte, keine Anforderungen

Typisch deutsche Klischees: Strebsamkeit, Ordnung, Fleiß. Nichts ist davon zu finden in den Köpfen der meisten Jugendlichen von heute. Das Abitur besteht man auch mit einem Durchschnitt von 4,0, Heftnoten gibt’s keine mehr und eine drei in der Kursarbeit bringt auch nicht weniger als eine zwei. Während man als Unterstufenschüler oder Grundschüler mit einer Fünf vor Scham im Boden versunken ist, prahlt man jetzt damit. Am Besten noch mit der Begründung: die Party am Tag vorher war trotzdem geil.

Auch so eine Sache mit der Party. Früher feierte man seinen Geburtstag mit seinen Freunden aus der Nachbarschaft und den Klassenkameraden, mit denen man sich richtig gut versteht, zuhause bei Kuchen, man sprach über die Schule und spielte zusammen. Klar, dass das im fortgeschrittenen Alter nicht mehr so geht, aber was jetzt von vielen als Geburtstagsfeier veranstaltet wird, hat eher Volksfestcharakter. Möchte man seinen 18. feiern, schließt man sich zu dritt zusammen, mietet Säle an und lädt die ganze Stufe ein. Beginn ist frühestens 20 Uhr am Freitagabend. Was steht im Vordergrund? Die eigens gemietete Anlage ist so laut, dass niemand sich unterhalten kann, die Hälfte kennt sich nicht. Der einzige Sinn und Zweck liegt im Alkohol. Ab 22 Uhr wird der Schnaps ausgeschenkt und spätestens zwei Stunden später sind fast alle komplett breit. Der Highway vor die Tür wird von Personen, die sich würgend die Hand vor den Mund halten, stark frequentiert. Fast alles Gymnasiasten, alles Deutsche. Ich will gar nicht wissen, wie das woanders aussieht.

Keine Bereitschaft, sich für ein Ziel zu quälen und zu schwitzen

Immer noch ein großer Protzentsatz der Kinder macht Sport. In den Lebensjahren 14 und 15 nimmt die Stärke der Sportgruppen auf ein Viertel ab. Man hat keine Lust mehr, immer zu festgelegten Terminen irgendwo aufzukreuzen und sich da rumkommandieren zu lassen. Oder zu schwitzen und sich zu quälen. Man gewinnt ja eh’ nicht. Wenn der Erfolg nicht von alleine kommt, ist die Bereitschaft dafür zu kämpfen nahe null. Im Sportunterricht ist es längst keine Schande mehr der letzte im Lauf zu sein, oder einen Ball nicht fangen zu können.

Träumt jedes Kind davon ein Star zu sein, später ist von diesen Vorsätzen nichts übrig. Der Pessimismus regiert. Man gibt sich mit dem Teil vom Kuchen zufrieden, den man erhält. Es reicht ja zum leben. Lieber Wohnung mit Frau in Citylage, als Haus mit Frau und Kindern im Grünen.

Zerstörtes Selbstbewusstsein

Der ständige Tenor, mit dem Kinder bei uns beschallt werden, hat schlimme Auswirkungen. Die Gleichmacherei lässt Kinder und Jugendliche jeglichen Ansporn verlieren, besser zu werden. „Ich lieg ja immer noch im Schnitt“, denkt man sich und legt die Füße hoch. Lieber macht man Mannschafts- als Individualsport, da wird man selbst nicht so herausgestellt und muss gleichzeitig nicht so viel machen. Die persönliche Leistung geht schließlich unter. Und wenn man doch gewinnt, steht vielen die Schamröte im Gesicht, weil sie auf einmal herausgehoben werden. Man schämt sich der eigenen Leistung und kann denen nicht ins Gesicht blicken, die man geschlagen hat. Von Stolz keine Spur. Der Reflex zur Selbsterniedrigung ist wieder da. Lobt der Lehrer einen guten Schüler, entschuldigt er sich bei seinen Kameraden: „Ich hab nur einen guten Tag gehabt, ich hab zufälligerweise das richtige durchgelesen.“

Natürlich gilt dies alles nicht für jeden, aber ein erschreckender Anteil der Jugendlichen passt auf diese Beschreibungen. Die mutigen, tatkräftigen und couragierten dürfen nicht nachlassen, Vorbild zu sein – immer in der Hoffnung, dass ihnen doch noch einige folgen werden.

 
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