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Wie war das eigentlich, als die ersten Einwanderer kamen? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Yorck Tomkyle   
Montag, den 13. Juli 2009 um 11:51 Uhr

Heike Kortz: Diplomatische TauschgeschäfteBetrachtet man die kurzsichtigen „Rettungsmaßnahmen“ der Bundesregierung zur Wirtschaftskrise, könnte man sich die Haare raufen! Man wird das Gefühl nicht los, dass es sich hierbei eher um die Büchse der Pandora handelt. Schon längst ist sie geöffnet und wir sind weiter denn je entfernt davon, sie wieder schließen zu können. Was soll’s auch! Bei einer Summe von etwa 100 Milliarden Euro pro Jahr, die der deutsche Steuerzahler allein für die Zinslast dieses Schuldenberges aufbringen muß, versagen die Vorstellungskräfte des durchschnittlichen Volksvertreters davor, wie das zu stemmen ist.

Da lebt man doch lieber nach der Devise: Ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt es sich ganz ungeniert. Außerdem kann man nun glücklicherweise ja für alles die gierigen Finanzhaie in Amerika und anderswo verantwortlich machen, was insbesondere den Linken in Deutschland das weitere Schuldenmachen ideologisch versüßen dürfte.

Immer sind die anderen schuld – die eigentlich Verantwortlichen retten sich aber bis in den Ruhestand!

Der Kniff dabei ist nur, die Folgen in einen Zeitraum zu schieben, in dem man dafür nicht mehr verantwortlich gemacht werden kann. Wie war das eigentlich noch mal damals mit den Gastarbeitern, mit denen die Einwanderung in die Bundesrepublik begann? Der allgemeine Tenor, der sich, befeuert von gebetsmühlenartig wiederholten Phrasen entsprechender Interessengruppen, in der Denke des Volkes – nein: der Bevölkerung – durchsetzt, lautet: Die Gastarbeiter, vor allem die aus der Türkei, wurden nach Deutschland geholt (Assoziationen mit dem Sklavenhandel früherer Zeiten sind erwünscht), um das vom Krieg zerstörte Land wieder aufzubauen. Geknechtet und entrechtet von den Deutschen haben Sie großmütig wesentlich – in anderen Darstellungen durchaus auch mal: ausschließlich – zu dem rasanten Aufstieg Deutschlands in der Wirtschaftswunderzeit beigetragen.

Eine Legende: Türkische Gastarbeiter haben Deutschland wiederaufgebaut

Daher haben wir (die Eingeborenen) die Verpflichtung, uns bis zur Selbstverleugnung dafür einzusetzen, dass dieser selbstlose Einsatz für unser Wohlergehen durch immer neue Privilegien und Zugeständnisse sowie demütige Dankbarkeit belohnt wird. Daß dabei eine Minderheit von Menschen, die hierzulande viel geleistet und sich und ihre Nachkommen gut integriert haben mit einer Mehrheit von erst viel später und vornehmlich in die Sozialsysteme Eingewanderten in einen Topf geworfen wird, ist egal: schließlich geht es um eine gute Sache. Aber war es wirklich so, oder sollen hier nur die katastrophalen Folgen einer kurzsichtigen Politik, die sich auch schon damals nicht um die langfristigen Folgen scherte, kaschiert werden?

Erleben wir vielleicht gerade, wie eine höchstens durchschnittliche und rein den eigenen Interessen verpflichtete polit-mediale „Ochlokratie-Kaste“ mit der geballten politisch korrekten Kraft von Neusprech, Lügen und Strafandrohungen die Kritik an den Folgen einer ebenso kurzsichtigen wie egoistischen und undurchdachten Politik ihrer Vorgänger zu unterdrücken versucht?

Political Correctness sorgt dafür, dass wir über unangenehme Folgen und Konsequenzen nicht sprechen dürfen

Jedem, der sich darüber ein objektives Bild verschaffen möchte, sei die äußerst aufschlussreiche Studie von Heike Kortz mit dem Titel „Diplomatische Tauschgeschäfte – Gastarbeiter in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953 – 73“ empfohlen. In dieser auf einer fundierten und nüchternen Quellenanalyse beruhenden Studie wird dem gehirngewaschenen bundesdeutschen Ureinwohner frei von jeglichen ideologischen Brillen ein Menü von Aha-Erlebnissen serviert, das mit fast allen der gängigen Klischees aufräumt.

Einwanderung: Linke Gewerkschaften und Arbeitnehmer waren dagegen!

Zu den kleinen Schmankerln gehören Tatsachen, wie diese: insbesondere die Gewerkschaften und die ihnen nahe stehenden Parteien waren vehement gegen die Aufnahme von ausländischen Gastarbeitern, weil sie zu Recht negative Auswirkungen auf die Lohnentwicklung befürchteten. Auch ein interessanter Bissen: Die Einwanderung der Türken begann, als Wiederaufbau und Wirtschaftswunder bereits lange abgeschlossen waren und Deutschland seine erste Wirtschaftskrise inklusive Anstieg der Arbeitslosigkeit erlebte.

Oder wußtet ihr, dass es keine einzige diplomatische Initiative von deutscher Seite aus gab, um Gastarbeiter ins Land zu holen? Es wurde im Gegenteil von sämtlichen Entsendeländern teils massiver Druck aufgebaut, um eine deutsche Genehmigung für die Entsendung von Kontingenten zu erhalten. Die Entsendeländer hatten nämlich alle zwei Dinge gemeinsam: eine schwächelnde Wirtschaft und ein großes Bevölkerungswachstum. Man erhoffte sich dort von einer Entsendung zum einen den Abfluß potentiell destabilisierender Menschenmassen und zum anderen den Rückfluß von Devisen und vergleichsweise gut ausgebildeten Rückkehrern.

Druck durch Türkei und andere Entsendeländer

So waren denn auf deutscher Seite auch keineswegs das Wirtschafts- geschweige denn das Arbeitsministerium federführend. Diese Ministerien sperrten sich damals zum Teil sogar aus unterschiedlichen Gründen dagegen. Es war vornehmlich das Außenministerium, welches die Genehmigung von Kontingenten befürwortete. Ähnlich wie mit Hilfe der Scheckbuchdiplomatie späterer Regierungen wollte man sich also außenpolitischen Handlungsspielraum erkaufen. Das und nicht der Bedarf an Arbeitskräften war das Hauptmotiv für die Genehmigung von Gastarbeiter-Kontingenten.

Die Türkei war im Übrigen so erpicht darauf, trotz massiver deutscher Bedenken angesichts der großen kulturellen Unterschiede Kontingente entsenden zu dürfen, dass türkische Diplomaten bei der amerikanischen Schutzmacht intervenierten und die strategische Bedeutung der Türkei als Nato-Partner ins Spiel brachten. Seither übrigens auch ein im Rahmen der EU-Aufnahme immer wieder gerne und effektiv in Stellung gebrachtes Geschütz.

Was zählte, waren kurzfristige Wahlerfolge

Insgesamt war die deutsche Polit-Performance damals schon ein Trauerspiel, in dem sich Ministerien gegenseitig behinderten und für schnelle diplomatische Erfolge – die Wahlerfolge sichern sollten – eine Entwicklung in Gang gesetzt wurde, deren negative Folgen erst viel später zu Buche schlugen.

Am aufregendsten schmeckt dann aber schließlich das Dessert, welches Kortz uns serviert: Dadurch, dass die vielen ungelernten ausländischen Kräfte vor allem in Branchen eingesetzt wurden, deren Zeit eigentlich schon vorbei war, hielten diese sich noch ein paar Jahre länger über Wasser, bevor sie schließlich doch verschwanden und die Gastarbeiter den deutschen Sozialsystemen in großer Zahl als Arbeitslose hinterließen. Dadurch wurde das eigentlich fällige technikinduzierte Wachstum der Wirtschaft zunächst massiv ausgebremst. Dies und nicht das Öl war die entscheidende Ursache der schweren Wirtschaftskrise in den 70er Jahren.

Aufnahme unqualifizierter Gastarbeiter wirkte sich überwiegend negativ aus

Als das hinausgezögerte, aber zwangsläufige Sterben veralteter Industriezweige schließlich doch stattfand, wurde – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – der Anwerbestopp verhängt. Insgesamt kann man aus diesen Fakten den Schluß ziehen – und Kortz tut es auch –, dass die Aufnahme großer Zahlen ungelernter Arbeitskräfte sich insgesamt negativ auf die deutsche Volkswirtschaft auswirkte. Sie verhinderte bzw. verzögerte wichtige Innovationen. Nicht zuletzt auch durch die Folgekosten wurden die Deutschen vielfach mehr belastet als ihnen Vorteile gebracht.

Von den kulturellen und demographischen Auswirkungen, die heute allerorts zu sehen sind, ganz zu schweigen. Aber die Folgen dieser Politik aus den 50er, 60er und 70er Jahren treten erst jetzt zutage. Diejenigen, die das zu verantworten haben, können nicht mehr haftbar gemacht oder in Wahlen abgestraft werden. Stattdessen kümmern sich deren Enkel mehr oder weniger um Schadensbegrenzung.

Parallelen damals und heute – die gleichen gewissenslosen Politbonzen!

Bei näherer Betrachtung finden sich also zahlreiche Parallelen zwischen damals und heute. Damals wie heute werden zugunsten kurzfristiger (Wahl-)Erfolge Entwicklungen forciert, die sich auf die Zukunft dieses Landes gravierend auswirken. Damals wie heute wissen die herrschenden Cliquen, dass sie dafür nicht mehr haftbar gemacht werden können, weil die Folgen erst mit einer gewissen Latenz zutage treten. Und heute können wir anhand der Gastarbeiter-Frage schon sehen, mit welchen Methoden die Konsequenzen auch der astronomischen Schuldenmacherei später einmal schöngeredet und Kritik daran unterdrückt werden wird.

Wer die Vergangenheit kennt, dem gehört die Zukunft, sagt man. Der Umkehrschluß ist sicher genauso wahr. Was hindert uns, den Souverän, eigentlich daran, unsere Vergangenheit endlich so wahrzunehmen, wie sie war? Nur wenn der Souverän begreift, dass der Schlüssel zu seiner Zukunft die Kenntnis seiner Vergangenheit ist, kann er seine Geschicke wieder selbst in die Hand nehmen.

Die Vergangenheit muss endlich wahrgenommen werden, wie sie war, damit es aufrecht weitergehen kann

Dafür müsste er allerdings zunächst wieder aus der hedonistischen Hier-und-Jetzt-Ideologie auftauchen und ein Verantwortungsgefühl für seine eigene Zukunft entwickeln. Und ein Gefühl dafür, dass er ein Recht hat, auch in Zukunft noch kulturell zu existieren. In einem Staat, dessen politisch-mediale Exponenten sich darüber einig sind, dass der Holocaust als Gründungsmythos und Staatsdoktrin ausreicht, ist aber allein dies ein unerhörtes Unterfangen. Doch selbst Pandora öffnete die Büchse ein zweites Mal, um der Welt schließlich die Hoffnung zu bringen. Und die stirbt ja bekanntlich zuletzt.

 
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