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konservativ-subversive aktion: Die Neue Rechte wacht auf PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gerhard Lippert   
Mittwoch, den 11. November 2009 um 00:00 Uhr

ungebeten.de
„11.11.1918 – Kein Friedenstag für Deutschland. 11.11.2009 – Was sucht Merkel in Paris?“ heißt es auf einem großen Transparent, das die Aktivisten der konservativ-subversiven aktion (ksa) heute vor dem Reichstag entrollten und damit die Geschichtsvergessenheit der Kanzlerin anprangern. Ein Portrait über das Selbstverständnis der ksa und die bisherigen Aktionen. Und Live-Berichterstattung im Weblog.
Aktionen wie diese und ihre mediale Präsentation auf Plattformen wie Youtube stellen den Versuch dar, neue Protestformen einer kleinen Gruppierung zu vermitteln, die sich aus vielfältigen Kreisen rekrutiert. Konservative, libertäre oder neurechte Persönlichkeiten, Schüler und Studenten aus allen Teilen Deutschlands nehmen sich das Recht, gegen die festgefahrenen, seltsam blutleeren Einheitsdiskurse einer fett gewordenen 68er-Generation ebenso zu protestieren wie gegen den Hang unserer eigenen Generation, den antifaschistischen Fraß nachkriegsdeutscher Provenienz ohne Reflexion und Widerspruch zu verschlingen.

Wir selbst sind keine geborenen Protestler: Besonnenheit und Ordnungssinn sind Attribute, die unsere Aktionen manchmal dilettantisch oder zaghaft erscheinen lassen. Wir zwängen uns in ein Korsett, in das wir habituell nicht immer hineinpassen. Wozu treibt uns bloß der Zeitgeist! Da lassen wir uns in Handschellen abführen, der Freiheit der Kunst zuliebe. Da stürmen wir mit hochgekrempelten Ärmeln eine Uni, in die sich gerade eine Handvoll „Salonsozialisten“ einquartiert hat. Damit retten wir unser Vaterland nicht, aber vielleicht leben wir in einer Periode, in der Widerspenstigkeit eine der wenigen Optionen ist, erhaltend zu wirken und die eigene politische wie seelische Existenz zu schützen.

Denn der äußere Druck, die totale Gegenwart einer multikulturellen, postmodernen Welt ist durch Medien und Kulturbetrieb größer als jemals zuvor. Hirn und Gemüt der einfältigen Masse werden beherrscht von den Verlockungen und Verlautbarungen eines demokratisch-kosmopolitischen Establishments, das andere Sichtweisen und Weltdeutungen auf ästhetischer Ebene als „out“ oder „ewiggestrig“, auf moralischer Ebene als „rechtsradikal“ oder „nazistisch“ degradiert und diffamiert.

Doch wir wollen nicht mehr alles zulassen. Wir wollen nicht beteiligt sein an der Etablierung von Multikulti, der Zerstörung unserer Nation oder dem Verlust unserer Freiheit. Also ziehen wir in die Welt hinaus und stechen wie die Mücke den Elefanten. So gering auch die Massenwirkung nach außen sein sollte, bedeutungsvoller dürfte die Wirkung nach innen sein: ein kleiner versprengter Haufen, etwas scheu und fast so schläfrig wie Kaiser Barbarossa, braucht frische Luft.

Es wird Zeit, daß eine neue Generation angemessenen Protest ausübt. Die Devise kann nicht lauten, es den Linken mit Gewalt und Krawall gleichzutun, sondern intelligente Formen zu entwickeln, die unseren Ansprüchen gerecht werden. Wir wollen keine Epigonen einer Strömung sein, die irgendwann einmal modern war. Deshalb sammeln sich in der konservativ-subversiven aktion (ksa) junge Erwachsene, die das eigene politische Lager aufwecken wollen und den Vertretern des herrschenden Zeitgeistes auf die Füße treten, wenn dies notwendig ist.

Die erste ksa im Mai 2008 richtete sich gegen einen 68er-Kongreß an der Berliner Humboldt-Universität und gegen allzu eingebildete Linke, die unverblümt ihren Ikonen wie Mao oder Lenin huldigen. „Ein sozialistischer Kongreß, der ungebrochen an die mörderische Tradition der kommunistischen und sozialistischen Menschheits-Experimente anknüpft, soll in der Humboldt-Universität nicht tagen können“, erklärte Kubitschek, der per Megaphon für emotionale Ausbrüche im Audimax sorgte. Knapp zwei Monate später wurde der letzte SED-Generalsekretär Egon Krenz bei einer Podiumsdiskussion in Chemnitz „besucht“, der den hundertfach tödlichen Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze bis heute nicht wahrhaben will und die Niederschlagung des Freiheitskampfes vom 17. Juni 1953 als „friedenserhaltende Maßnahme“ bezeichnet.

Im August 2008 fand dann im Thalia Theater Hamburg die bisher spektakulärste Aktion statt: Angriffsziel war Günter Grass, das „schlechte Gewissen der Nation“ (Joachim Fest), der jahrzehntelang den moralischen Zeigefinger erhob und sich Beim Häuten der Zwiebel vor drei Jahren zum Pharisäer erster Güte mauserte, als er seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS ausplauderte. Damit wendeten wir uns gegen die Verlogenheit der öffentlichen Moral und gegen das bundesrepublikanische Phänomen, wie man „mit Gedächtnislücken und ‚Orgien der Vagheit’ zur moralischen Instanz und zum Richter über die eigene Generation und ein ganzes Land werden kann“, wie es Kubitschek formulierte, ohne zur Versöhnung der Generationen auch nur ansatzweise beizutragen.

Die vierte ksa hatte ihren Schauplatz erneut in Chemnitz und war Ausdruck der Empörung über den öffentlichen Umgang mit Benjamin Jahn Zschocke, dessen Wandbild „Chemnitz – Stadt der Moderne“ aus offensichtlich politischen Motiven übermalt wurde. Daran änderte auch unsere Verbarrikadierung in der Schule nichts. Selbst die Freiheit der Kunst ist nicht mehr sicher vor der antifaschistisch-demokratischen Ideologie, die Jahn Zschocke wegen einer Sekretärstätigkeit bei "Pro Chemnitz" vor dem öffentlichen Tribunal anklagte und mit Eifer das Haar in der Suppe gesucht und gefunden hat: ein angebliches Keltenkreuz im Bild. Freilich besaßen die Verantwortlichen nicht die Größe, den wahren Hintergrund zu nennen, sondern haben einen juristischen Einwand vorgeschoben, um das Werk übermalen zu lassen. Soviel zur moralischen Überlegenheit!

Der Anfang ist getan. Nur wenn wir uns überwinden und unsere Sache auch mit Protestformen an die Öffentlichkeit bringen, können wir vielleicht etwas ändern. Der Zeitgeist hat der Jugend nicht mehr viel zu bieten, die Diskurse sind formal und substanzlos geworden. Unsere Kultur wird zwischen Amerikanismus und Islamismus zerrieben, unsere Freiheit von den selbsternannten Demokraten bedroht. Doch der Wind wird sich wieder drehen. Geschichte steht nie still.







 
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