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Wie wichtig sind heute noch Geschlechterunterschiede? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Denise Hübner   
Donnerstag, den 12. November 2009 um 15:43 Uhr

GenderKinder, Küche und Kirche beschreiben eine traditionelle Wertevorstellung, die für Frauen jahrelang gültig war. Sie beinhaltet die Kindererziehung, das Führen des Haushaltes und die Weitergabe der Normen und Werte an die eigenen Kinder. Doch woher kommt die Annahme, dass Frauen dafür besser geeignet sind, und warum gerät sie heute ins Wanken?

Dass Frauen feinfühliger sind, zeigt sich bereits im Kindesalter, wenn die Mädchen leichter die Gefühle anderer erkennen und sich von diesen auch leichter beeinflussen lassen; weint ein Gleichaltriger, fühlen sie eher mit und versuchen zu trösten. Der Grund ist biologisch, denn Hormone sollen das Mitgefühl und Vertrauen der Frauen fördern. Diese natürliche Anlage wird später durch soziale Einflüsse, die Umwelt und vorgelebte Normen verstärkt.

Frauen: emotional, einfühlsam und ein bisschen naiv

Auch bei Männern spielen Hormone eine wichtige Rolle. Das bekannte Hormon Testosteron steuert ihr Verhalten und ist für ihr vergleichsweise niedriges Empathievermögen verantwortlich. Der Grund für die Sensibilität der Frauen erklärt sich auch in ihrem Gehirn: Man weiß mittlerweile, dass Frauen Gefühle in der Hirnregion anders verarbeiten als Männer und dadurch Gefühle besser verstehen und einfühlsamer sind.

Doch nicht nur biologisch lässt sich das Verhalten erklären, denn einen wichtigen Grund bildet auch die Erziehung und die damit verbundene Umwelt, die schon im frühsten Alter das Kind reizt und auf dieses einwirkt. Kleidet sich ein junges Mädchen passend mit Rock und macht sich mit geflochtenen Zöpfen hübsch, erhält es von seiner Umwelt Lob oder ein nettes Lächeln als Kompliment. Die Vorteile des guten Aussehens werden durch die Reaktionen deutlich und diese verinnerlicht das Mädchen über Jahre hinweg, bis es zu jener Frau herangewachsen ist, die andauernd Shoppen geht und deutlich häufiger als Männer den Frisör aufsucht.

Männer: sportlich, rational, machtbewußt und ohne Gefühle

Im Umkehrschluss lernen Jungen schon früh, dass ein gewisser frecher und rebellischer Charakter den Charme eines Mannes ausmacht und diejenigen anerkannt und bewundert werden, die sich in Sportarten durchsetzen. Werden diese Modelle durch vorgeschriebene Vorbilder in Medien verstärkt, ist es schwer, sie zu revidieren.

Dass Frauen und Männer unterschiedliche Interessen haben, zeigt sich auch in den unterschiedlichen Geschmacksvorlieben: Männer lieben es scharf und deftig, essen mehr Fast Food und Chips. Das weibliche Geschlecht bevorzugt hingegen eher eine bewusste und gesunde Ernährung, die durch den aktuellen Diätwahn manifestiert wird. Aber was ist mit der Vorliebe für Süßes der Frauen?

Im 21. Jahrhundert brechen die traditionellen Geschlechtsrollen auf

Es gibt genug Differenzierungen innerhalb des Geschlechts. Wer also unterscheidet so leicht zwischen „den Frauen“ und „den Männern“? Vermutlich diejenigen, die Hausmänner eine schwächere Kinderziehung zuschreiben und die weiblichen Monteuren nichts zutrauen. Doch diese Ansicht kann sich im 21. Jahrhundert nicht durchsetzen, wenn alle um die Frauenquote kämpfen und der sensible und androgyne Mann als neuer Frauentraum gilt.

Jedoch zeigen sich die geschlechtstypischen Unterschiede sogar in alltäglichen Gesprächen, während Frauen emotionaler argumentieren, sind Männer analytischer. Dass Männer rationaler und Frauen gefühlvoller entscheiden, scheint schon fast so etwas wie ein neues Gesetz geworden zu sein. Der Unterschied im Dialog liegt daran, dass bei Frauen der Zugang zu emotionalen Erinnerungen und Prozessen im Gehirn stärker ist, weil er über beide Gehirnhälften möglich ist.

Gleichmacherei oder Gleichberechtigung?

Zwar gibt es immer noch massenweise Ratgeber über Männer und Frauen und wie sie aufgrund ihrer Unterschiede miteinander umgehen sollten, aber es gibt da auch eine Spezies, die sämtliche Geschlechterunterschiede überwinden möchte. Das staatliche Programm Gender Mainstreaming beschäftigt sich mit dem Gleichstellen der Geschlechter, was an und für sich mit Sicherheit notwendig ist. Im Beruf etwa ist es wichtig, beide Geschlechter bei gleicher Leistung gleichermaßen zu entlohnen. Auch für die Vermeidung von Diskriminierungen ist diese Strategie denkbar. Es wäre nur positiv die Bilder von Mann und Frau so zu erweitern, dass Frauen nicht mehr als das schwächere Geschlecht gelten, nur weil sie körperlich kleiner oder zierlicher sind. Im Umkehrschluss Männer aber auch nicht mehr als emotionsloser Fels in der Brandung zu betrachten sind.

Viele Männer mögen jedoch ihr Image vom starken Beschützer und Frauen die Naivität, die sie oftmals innehaben. Mit dem Prozess der Verständigung will Gender Mainstreaming diese Eigenheiten ausschalten. Für eine positive Veränderung im gegenseitigen Umgang der Geschlechter ist eine klare Abgrenzung zwischen Gleichmacherei und Gleichberechtigung unerlässlich. Aber Unterschiede, die biologisch und sozial begründet sind, lassen sich weder aufheben noch vollständig beseitigen, da sie wortwörtlich in den Köpfen der Menschen sind.

 
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