Startseite Gesichtet Max Liebermann – Einer der bedeutendsten Maler des deutschen Impressionismus

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Max Liebermann – Einer der bedeutendsten Maler des deutschen Impressionismus PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benjamin Jahn Zschocke   
Montag, den 08. Februar 2010 um 00:00 Uhr

LiebermannVor 75 Jahren starb Max Liebermann. 1847 wurde er als Sohn eines wohlhabenden Berliner Textilfabrikanten geboren. 1935 starb er dort. Sein Werk steht zusammen mit dem Lovis Corinths, Max Slevogts und Fritz von Uhdes exemplarisch für den sogenannten deutschen Impressionismus. Liebermanns Werk hob sich in Zeiten der Industrialisierung besonders durch die einfühlsame Naturdarstellung ab.

Die Eltern versuchten vergeblich aus ihrem Sohn etwas „Vernünftiges“ zu machen

Die Liebermanns wollten nicht, daß einer ihrer Söhne ein Künstler wird. Väterlicherseits wartete eine Textildynastie auf Weiterführung, wenn nicht unbedingt mit ihm als Oberhaupt, so doch auch nicht ohne ihn. So drang besonders Max’ Vater auf einen geregelten Lebenswandel: „Mein Vater aber bestand bei uns drei Brüdern darauf, daß wir das Abiturientenexamen machen müßten, bevor wir uns für einen Beruf entschieden; bei mir wohl mit dem ganz natürlichen Nebengedanken, daß ich, erst einmal auf der Universität, von selbst meine Absicht, Maler werden zu wollen, aufgeben würde!“

Doch einmal an der Universität in Berlin eingeschrieben und somit mittelbar dem väterlichen Einfluß entzogen, bahnte sich sein Weg zum Maler wie von allein: „Nach Absolvierung des Gymnasiums [...] ließ ich mich in die Philosophische Fakultät inskribieren und ging zu Steffeck [seinem ersten LiebermannMeister, Anm. BJZ], malte und zeichnete, was gerade kam.“ Bald darauf verläßt er seine Vaterstadt. Stationen folgen in Weimar, Hamburg, Paris, Holland und München. Erst 1884 wird er sich wieder in Berlin niederlassen, dann jedoch als geachteter und berühmter Maler.

Der wahre Künstler ist ein hart arbeitender Großbürger, keinesfalls ein „Tagedieb“

Schon zu Liebermanns Zeiten haftete dem „Künstlertum“ ein leicht abschätziger Ruf von Leichtlebigkeit an. Besonders am Anfang seiner Laufbahn wehrte sich Liebermann gegen die schon von seinen Eltern eingeimpfte Vorverurteilung. In seinen Aufsätzen unterstrich er wohl deshalb auch späterhin stets aufs Neue: „Allerdings kommt Kunst von Können, und daß das Können in keiner Kunst mehr ausmacht als grade in der Malerei, soll keineswegs geleugnet werden.“

Dem großbürgerlichen Lebenswandel blieb der Maler Zeit seines Lebens treu: „Ich bin in meinen Lebensgewohnheiten der vollkommenste Bourgeois: Ich esse, trinke, schlafe, gehe spazieren und arbeite mit der Regelmäßigkeit einer Turmuhr.“ Auch hier noch schien der bejahrte Liebermann seinem Vater beweisen zu wollen, daß das durch Frankreich geprägte Künstlerbild nichts mit dessen Sohn gemein habe.

Französisches Flair interpretiert Liebermann preußisch

In mehr als einem Falle übertrug Liebermann eine von Frankreich her kommende Eigenart in preußische Akkuratesse. Zusammen mit Corinth, Slevogt und Uhde prägte er maßgeblich die deutsche Interpretation des Impressionismus, einer zu dieser Zeit in Frankreich sehr populären Kunstrichtung. Nicht zuletzt während seiner Pariser Aufenthalte wurde er mit den Werken der hiesigen Vertreter vertraut. Später waren diese auch vielfach im eigenen Lande zu bewundern. Die seit den 1870er-Jahren von Claude Monet dominierte, französische Impressionistenschule hatte das oberste Ziel, momentane Eindrücke und Erscheinungsformen wiederzugeben, nicht aber deren „profane“ Gegenständlichkeit. Realismus kam damit nicht in Frage.

In der deutschen Kunst dieser Jahre blieb davon das Interesse an der Freilichtmalerei übrig, der Wirkung von Natur und somit der Wirkung des Lichts, sowie eine formal lockere Pinselführung. Niemals jedoch wurde der Realismus aufgegeben. Beinahe alle deutschen Impressionisten dieser Zeit beriefen sich auf Adolph von Menzel (1815 – 1905), dessen „Eisenwalzwerk“ von 1875 als ein Schlüsselbild dieser Epoche gilt.

Adolph von MenzelNatur und Phantasie sind Schlüsselbegriffe zu Liebermanns Werk

Während sich Liebermann in seiner Berliner Zeit besonders als herausragender Portraitist einen Namen machte, sind die Gesichter seiner größeren Kompositionen von Alltagsszenen meistens flüchtig modelliert. Vieles dort ist flirrend angelegt, scheint rasch hingeworfen.

Exemplarisch für Max Liebermann sind Werke wie „Altmännerhaus“ von 1880 und „Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe“ von 1902/03. Wie in so vielen dieser Szenen, ist das Sujet ein „Profanes“. Einheitlich gekleidete Alte sitzen auf Parkbänken, ebenso modisch einheitlich das Bild auf der Sommerterrasse. Für Liebermann waren diese Alltagsszenen Ausgangspunkt seiner künstlerischen Interpretation von Wirklichkeit. Das Empfinden der Natur und deren Abbildung auf der Leinwand sei das Eine, wichtig sei andererseits jedoch das Wirken der Phantasie des Künstlers, welche „das Handwerk zum Kunstwerk“ mache.

Die Phantasie war für Liebermann gleichbedeutend mit dem subjektiven Blickwinkel jedes Einzelnen. Ähnlich den französischen Impressionisten interessierte ihn nicht jedes Detail im Gesicht der alten Männer, sondern das Spiel des Lichtes auf den Gehwegen, das sichtbare Rauschen der Blätter Liebermannüber dem Restaurant in Nienstedten, das ganze Flair einer subtil-vergänglichen Stimmung, die er in Zeiten der Industrialisierung nur in der Natur, im Ursprünglichen finden konnte.

Die Phantasie war für ihn dabei der Mittler zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren: „Die Phantasie des Künstlers muß den Stoff zu ihren Symbolen von den Sinnen und diese wieder müssen ihn von der Natur nehmen. Wenn es keine Wirklichkeit gäbe, könnte es keine Kunst geben, wie es keine Sonne gäbe, wenn unser Auge sie nicht sähe.“

1. Bild: Max Liebermann
2. Bild: Max Liebermann, Altmännerhaus, 1880
3. Bild: Adolph von Menzel, Eisenwalzwerk, 1875
4. Bild: Max Liebermann, Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten, 1902/03

 
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