Startseite Gesichtet Die Gründung der Jenaer Urburschenschaft

Alternative Flash-Inhalte

Sie müssen aktualisieren sie ihren Flash Player

Get Adobe Flash player

Die Gründung der Jenaer Urburschenschaft PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Robert Adam   
Donnerstag, den 30. August 2007 um 01:00 Uhr

Das Burschenschafterdenkmal in Jena vor der Friedrich-Schiller-UniversitätAn der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert bot das Verbindungswesen an den deutschen Hochschulen ein hoffnungslos zersplittertes Bild: Landsmannschaften, Corps und studentische Orden waren entweder regional nach Stämmen oder weltanschaulich zergliedert. Diese Situation war ein getreues Abbild des in unzählige größere, mittlere, kleinere und winzige Staatsgebilde zerfallenen Deutschland, während das Heilige Römische Reich Deutscher Nation nur noch eine schwache Klammer des nationalen Zusammenhalts bildete.

Verschiedene Faktoren bewirkten eine Änderung dieses unhaltbaren Zustands: in geistiger Hinsicht der Einfluss von Aufklärung und Romantik, im politischen Bereich die Folgen der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege.

Das Gedankengut der Aufklärung führte insofern zu einem Wandel des philosophischen Denkens, als nunmehr die politische Einheit nicht mehr durch die Person des Fürsten, sondern durch den Willen des Volkes legitimiert wurde. In Deutschland brachte die Besetzung durch Napoleon ab 1806 verstärkt den Wunsch zur Abgrenzung von Frankreich und von dessen rein politischen Volksverständnis mit sich. Der mythisch-irrationale Geist der Romantik trug ebenfalls dazu bei, dass sich von 1805 bis 1815 liberalistische und konservative Tendenzen in der politischen Literatur und in den programmatischen Schriften Deutschlands kreuzten.

Reihe über die "Burschenschaftliche Geschichte"

In den nächsten Wochen wird blauenarzisse.de mehrere Artikel zur burschenschaftlichen Geschichte veröffentlichen. Das Hambacher Fest, die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Deutschlandlieds sowie das Thema "Burschenschaften heute" werden dabei von verschiedenen Autoren behandelt.

Die Reihe über die "Burschenschaftliche Geschichte" soll dazu beitragen, ein Verständnis  für "Politische Jugendbewegungen - früher und heute" zu schaffen.

Das Erwachen der deutschen Nation

Die gebildete akademische Schicht, teilweise aus jungen Jenaer Professoren wie Schiller, Hegel, Fichte und anderen bestehend, veränderte ihre vorher revolutionsbejahende Sichtweise in dieser Zeit zu einer mehr volksbezogenen Anschauung. Fichtes „Reden an die deutsche Nation“ in Berlin wiesen das Prinzip eines rationalen Verfassungsstaates als Idee der Französischen Revolution und als dem „deutschen Wesen fremd“ zurück. Speziell in Jena wurde dieses zunehmende patriotische Empfinden seit 1806 durch die Vorlesungen des Historikers Heinrich Luden gefördert, welcher damit das Interesse an der Geschichte des deutschen Volkes wecken wollte. Luden und andere Professoren trugen dazu bei, dass sich viele Jenaer Studenten dem Freiheitskampf gegen Napoleon innerhalb des Lützowschen Freikorps anschlossen.

Weitere Gründe begünstigten die Gründung der Urburschenschaft gerade in Jena: der hervorragende Ruf der „Alma Mater Jenensis“ als ein Zentrum der literarischen Klassik und Frühromantik, der natürlich viele bedeutende Köpfe anzog, sowie die vergleichsweise liberale Regierung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Als einer der ersten Staaten des Deutschen Bundes gewährte man dort am 5. Mai 1816 eine Verfassung und Pressefreiheit. In Jena wirkten somit auf die Studenten um 1815 alte protestantische Traditionen, der Geist von Aufklärung, Französischer Revolution und Frühromantik, repräsentiert durch hervorragende Professoren, das einigende Erlebnis der Befreiungskriege gegen Frankreich sowie die freiheitlichen politischen Tendenzen innerhalb des thüringischen Kleinstaats, auf dessen Boden sich die Universität befand, ein.

Das Burschenschafterdenkmal in JenaFriedrich Ludwig Jahn, Karl Friedrich Friesen und das Lützowsche Freikorps

1810 gründeten Friedrich Ludwig Jahn und Karl Friedrich Friesen in Berlin einen „Deutschen Bund“. Innerhalb dieses Zirkels entwickelte sich der Plan zur „Ordnung und Errichtung der Burschenschaften“, wobei Jahn an eine Verschmelzung von Burschenschaften und Turnwesen in Form der „Burschenturner“ dachte. 1814 vereinigten sich die aus dem Krieg heimkehrenden Jenaer Studenten, welche im Lützowschen Freikorps gedient hatten, in einer Wehrschaft. Diese war verbindungsübergreifend und sollte das unpolitische Nebeneinander von Landsmannschaften und Orden überwinden. Dieses Ereignis macht ein weiteres Mal deutlich, dass der Krieg gegen Napoleon einen wesentlichen Einigungsimpuls zumindest für einen Teil der deutschen Studenten darstellte.

Die Burschenschaft als studentische Jugendbewegung

Der endgültige Anstoß zur Gründung der Urburschenschaft ging schließlich von der Landsmannschaft Vandalia Jena aus. Am 12. Juni 1815 nahmen im Gasthaus „Zur Tanne“ 113 Studenten an einem feierlichen Akt teil, in dessen Verlauf sich die Jenaer Landsmannschaften auflösten und gemeinsam die Burschenschaft gründeten. Bemerkenswert ist die Auflösung der Landsmannschaften deshalb, weil man deren Ende als eine symbolische Aufgabe der jeweiligen regionalen Identität zugunsten eines größeren, nationalen Zugehörigkeitsgefühls bewerten kann. Später sollte sich diese studentische Jugendbewegung auf das ganze Vaterland ausdehnen und, beginnend mit dem Ersten Wartburgfest, einen Anlauf zur Einigung der gesamten deutschen Studentenschaft unternehmen. Dieses heroische Aufbäumen der akademischen Jugend und ihr letztendliches Scheitern muss jedoch an anderer Stelle betrachtet werden.

 
ANZEIGE

Aufgepasst!

Banner

Umfrage

Das größte Problem in Deutschland ist ...
 
Wie würdest du dich politisch selbst beschreiben?