| Porno, Porno, Porno |
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| Geschrieben von: Felix Menzel |
| Freitag, den 23. Mai 2008 um 02:00 Uhr |
Täglich fotografieren oder filmen sich etwa 2000 deutsche Jugendliche beim Liebesspiel. Etwa 20 % dieser Aufnahmen landen im Internet – meistens verspätet als „Rache an der Ex“. Den berühmtesten dieser unfreiwillig im WWW gelandeten Streifen, „One Night in Paris“ mit Paris Hilton in der weiblichen Hauptrolle, haben Millionen Menschen gesehen. Mittlerweile ist es jedoch gar nicht mehr so unwahrscheinlich, auch den Nachbarn und die Nachbarin im Netz in flagranti zu erwischen. Über zwei Millionen registrierte Mitglieder tauschen etwa auf einem deutschen Onlineportal gegenseitig intime Bilder und Filme aus. Über Pornographie und die Verrohung der Sexualität berichtet Felix Menzel.
In Frankreich fragt man sich, warum es unter Studentinnen so viele Prostituierte gibt. Den gängigen Erklärungsmustern zufolge ist ihr finanzieller Notstand schuld daran, daß sie auf den Strich gehen. Dieser Ansatz läßt die sexuelle Sozialisation der jungen Frauen völlig außer Acht. Pädagogen und Psychologen versuchen allzu gern, die Verantwortung für solche Phänomene dem Staat in die Schuhe zu schieben. Dieser müsse das Bafög erhöhen und dann erledige sich das Problem von selbst. 15jährige, die auf dem Schulhof Pornos austauschen. Ganz so einfach ist es freilich nicht. Das trifft auch auf Deutschland zu. Hierzulande beschwert man sich insbesondere über die zunehmende Verbreitung von Gewalt- und Sexvideos auf dem Schulhof. Über Internet und Handy gelangen Pornos von einem 15jährigen zum nächsten. Mit der Forderung, Lehrer müßten verstärkt „Handy-Kontrollen“ durchführen und die Telekommunikationsindustrie müsse Sperren für solche Videos integrieren, ist wenig getan, denn die Ursache des Problems liegt tiefer.
Maischberger, Schmidt und Pocher ziehen mit. Bei „Menschen bei Maischberger“ und Ende April 2008 bei „Schmidt&Pocher“ durfte sie ihre Thesen sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsentieren. Noch sind sich die ARD-Gremien nicht einig, ob sie solche „ekelerregenden“ Auftritte in Zukunft nicht besser unterbinden. Reyhan Sahin wird die Entscheidung egal sein. Die selbsternannte „Bitch“ nimmt sich, was sie will und bekommt von den Medien das, was sie immer wollte: Aufmerksamkeit und Berühmtheit. Eine Gesellschaft, die solche „Vorbilder“ salonfähig macht, braucht sich nicht zu wundern, wenn Pornographie zum Alltag der Jugend gehört. Selbst die deutschen Intellektuellen gehen relativ nett mit der Skandalrapperin um. Im aktuellen Cicero stellt Christine Eichel Reyhan Sahin als eine clevere, mit dem Tabubruch spielende Frau vor. Die harmlose Überschrift des Portraits: „Jenseits von Kuschelsex“. |