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Unter dem Titel „Under Influence – Rausch und Drogen in der Gegenwartskunst“ nähert sich das Kunsthaus Dresden bis zum 12. Oktober 2008 in Ausstellungen, Gesprächen, Filmen und Führungen dem Thema „Rauschgift in der Kunst“. Wer aber einen historischen Abriss des Konsums bewusstseinserweiternder Mittel, im Rausch geschaffene Werke oder Tipps für den Eigenbedarf erwartet, sei vorgewarnt. Der Schwerpunkt der Ausstellung ist ein anderer. Deutlich wurde dies auch im Vortrag der Kunsthistorikerin Viola Vahrson: „Take A Walk On The Wild Side – Rauschzustände in der Kunst”.
Denn das Kunsthaus Dresden setzt vorwiegend auf Fotografien US-amerikanischer, britischer und deutscher Künstler. Deren Motiv bildet zumeist der Konsum selbst oder die Drogenbiographie der Betroffenen. So vermittelt Ashkan Sahihi etwa in elf Farbporträts Crack, Speed, Ketamin, Meskalin, Ecstasy, LSD, Marihuana, Heroin, Kokain, Psilocybin und Haschisch der Öffentlichkeit, samt physischen Folgen. Er holt sie damit aus den „abgedunkelten und privatisierten Raum des Drogenkonsums“ heraus, wie es im Führer zur Ausstellung heißt. Tatsächlich schafft es diese Fotoserie, das herkömmliche Bild von Drogen zumindest beim unbedarften Betrachter zu wandeln. Drogen erscheinen nicht mehr als anonyme Größe, vor denen man sich ja in Acht nehmen sollte – sie werden in ihren Auswirkungen auf Psyche und Physis visuell erkennbar.
Kein Rausch, nur Drogen
Der Titel der Ausstellung ist aber etwas irreführend: denn es geht höchstens am Rand um Rausch und Drogen als Mittel zur künstlerischen Ausdruckssteigerung. Im Mittelpunkt steht die künstlerische Darstellung von Drogenkonsum und Drogenkonsumenten. Ebenso interessant wäre unter diesem Titel auch die Konzentration auf andere Formen des Rausches gewesen: etwa sexuellen Rausch, Arbeits- oder Massenrausch. Doch unter diesem Konzept steht die Ausstellung nicht, abgesehen von der Uferlosigkeit des Themas. Man merkt dem Veranstaltungsprogramm an, dass schon der vom Kuratorium gesteckte Rahmen genügt, um den Besucher zur ausführlichen Diskussion über Ästhetik und Gefahr der Drogen anzuregen.
Drogen jenseits der Anonymität
Denn Drogen haben zweifelsfrei einen festen Platz in unserer Gesellschaft. Dabei dient deren Konsum heute weniger dem Erweitern des Bewusstseins, als vielmehr der Stabilisierung der eigenen Fitness. Kokain beschert endlos lange Nächte. Hasch macht den Entspannungskick mit Freunden möglich. Speed steigert die Arbeitsleistung. Soweit die klassischen Vorstellungen. Was aber steckt – aus künstlerischer Perspektive – hinter der Sehnsucht nach dem Kick?
„Schönheit des Schreckens“ – Drogen als künstlerisches Thema
Viola Vahrson etwa sprach von einer „Schönheit des Schreckens“. Gemeint ist damit die ästhetisierte Darstellung des Drogenkonsums. Dabei finden sowohl christliche Ikonographie, aber auch provozierende Bilder von jugendlichen Konsumenten Verwendung – wie etwa bei Boris Mikhailov. Der ukrainische Fotograf wurde als sozialdokumentarischer Künstler bekannt. Mittelpunkt seiner Arbeiten bildet unter anderem die Darstellung der sozialen Folgen des Zusammenbruchs des Sowjetstaates – Massenarbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und eben Drogenkonsum. Die Ausstellung unter dem Kuratorium von Susanne Weiß strebt derweil ein anderes Konzept an: sie will keinen „moralischen Zeigefinger“ erheben. Zweifelsohne jedoch bleibt das bei „Drogen und Rausch“ schwierig. Ein künstlerisches Thema ist es allemal, dessen Darstellung oft unbedarfte Neugier weckt. Mit inzwischen 1223 Besuchern und einer nach Auskunft des Büros „sehr gut aufgenommenen“ Ausstellung ist dies im Kunsthaus Dresden zweifelsohne gelungen.
Die Seite des Kunsthauses Dresden mit Informationen zur Ausstellung: www.kunsthaus-dresden.de |