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Gab es Mohammed tatsächlich? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Carlo Clemens   
Mittwoch, den 29. Oktober 2008 um 02:00 Uhr

Mohammed-KarikaturWie fundamental-dogmatische Muslime versuchen, eine kritische Untersuchung der fragwürdigen Anfänge des Islams zu verhindern und welche Rolle westliche Islamwissenschaftler und Medien beim Einknicken vor dem Denkverbot spielen: Eigentlich könnte Deutschland stolz sein auf seine Islamwissenschaftler, Islamkenner und Orientalisten. Im beschaulichen saarländischen Otzenhausen sitzt zum Beispiel ein im Rahmen der Arbeitsstelle für Religionswissenschaft der Universität des Saarlandes gegründeter Verein namens Inârah, was soviel wie „Erleuchtung“ bedeutet. Die internationalen Forscher haben sich nichts geringeres auf die Fahnen geschrieben, als eine ähnliche textkritische Reflexion des Korans durchzuführen, wie es in der christlichen Theologie z.B. schon längst gang und gäbe ist.

Syro-aramäische Lesart des Korans

Die deutschen Zugpferde der „Saarbrücker Schule“ sind Karlheinz Ohlig, Gerd R. Puin und Christoph Luxenberg. Sie veröffentlichen Thesen, Artikel und Bücher, nach denen u.a. der Koran – die wortwörtliche göttliche Offenbarung für alle orthodoxen Muslime – anders als allgemein angenommen, nicht aus dem Arabischen stammt, sondern aus dem Syro-Aramäischen. Daher würden sich auch viele wirre und unverständliche Koran-Passagen erklären, die laut Puin etwa 20 Prozent des Korans ausmachen. Diese verstünde man erst, wenn man unter philologischen Gesichtspunkten den Einfluss der aramäischen Sprache berücksichtigt.

Angesichts dieser Erkenntnisse lässt sich daraus schließen, dass der Koran ursprünglich zu weiten Teilen auf einer syrisch-christlichen Grundschrift basiert. Viele als „mystisch“ und „göttlich“ umschriebene unerklärliche Zeichen wären demnach nicht mehr als Abkürzungszeichen, Priesternotizen oder Hinweise auf biblische Psalmen, die unwissentlich über die Zeiten hinweg übernommen wurden. Viele Suren würden nach dieser syro-aramäischen Lesart eine komplett neue Bedeutung bekommen. Ein Beispiel: Die in diversen Suren versprochenen Jungfrauen (traditionell „Huri“) bedeuten ursprünglich „weiße Trauben“ und beziehen sich auf frühchristliche Paradiesvorstellungen.

Mohammed in Wirklichkeit die gleiche Person wie Jesus Christus?

Doch es geht noch provokanter. Weiterhin behaupten Ohlig und Co., dass es Mohammed, den Propheten, gar nicht gegeben habe. „Muhammadun“ (etwa: „der Gepriesene“, „der Auserwählte“) sei eigentlich nur eine Ehrbezeichnung für Jesus Christus gewesen. Erst Jahrhunderte nach Mohammeds (vermeintlicher?) Lebenszeit von 570 bis 632 entwickelte sich nach und nach eine eigenständige Biografie. Noch im Jahre 691 huldigte der Umayyaden-Kalif, Abd el-Malik, Jesus im von ihm aufgrund der innerislamischen Unruhen erbauten Jerusalemer Felsendom. Für das gesamte 7. und 8. Jahrhundert könne sich der Islam im nahen und mittleren Osten auf keinerlei urkundliche Hinweise bei vermeintlich „islamischen“ Herrschern berufen. Mit der Annahme, dass es keinen Propheten Mohammed gegeben habe, könne sich die islamische Zeitrechnung, die sich auf das Jahr 622 beläuft, auch nicht auf Mohammeds Auswanderung von Mekka nach Medina berufen (die so genannte „Hidschra“). Viel mehr berief sich diese auf den zeitgleich stattgefundenen Sieg des byzantinischen Kaisers und seiner arabischen Hilfstruppen gegen die Sassaniden. Ist der Islam folglich auch nur eine christliche Sekte, die sich von Byzanz abgespalten hat? Mohammed gar nur ein Märchen aus 1001 Nacht? Eine Rückprojizierung?

Die „Saarbrücker Schule“ hat unter den westlichen Islamforschern eine Außenseiterrolle inne. Luxenberg schreibt unter einem Pseudonym aus Angst vor Repressionen orthodoxer Muslime. Weltweit bekannte Islamforscher, die sich zur literarkritischen Sicht der Dinge bekennen, stehen überall unter Lebensgefahr. So z.B. der ins niederländische Exil geflüchtete Nasr Hamid Abu Zaid, der „Ketzer von Kairo“ und Vordenker eines aufgeklärten Islams. Die meiste Literatur über den Islam, den Koran oder Mohammed, versucht, möglichst keine Tabus zu brechen. So geht man auf die sichere Seite und verletzt keine „religiösen Gefühle“. Der Utrechter Professor für islamisches Denken der Gegenwart, Hans Jansen, will mit seiner kürzlich erschienenen Mohammed-Biografie, die wohl eher eine koranische Quellenkritik darstellt, anscheinend einiges nachholen: „Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein hat man sich aus den tückischen Quellen Mohammed zurechtgebastelt. Was nicht passen wollte, etwa eine Reise in die sieben Himmel, ist einfach weggelassen worden.“

Der Fall Sven Kalisch: Wie die Forschungsfreiheit eingeschränkt wird ...

Kürzlich wurde auch ein Deutscher Opfer der genannten islam-orthodoxen Repression. Der in seiner Jugend zum Islam konvertierte Mohammed Sven Kalisch ist heute erster Inhaber des Lehrstuhls für die Ausbildung islamischer Religionslehrer an der Universität Münster. Nachdem er vor einigen Wochen für Schlagzeilen sorgte, als er öffentlich die historische Existenz des Propheten in Frage stellte, folgte eine Entrüstung seitens der staatlich geförderten Islamverbände. Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland beendete daraufhin sofort jegliche Zusammenarbeit mit dem Centrum für religiöse Studien von Kalisch. Statt sich unmissverständlich hinter Kalisch und somit auch hinter das Recht auf Meinungs-, Rede- und Forschungsfreiheit zu stellen, knickte das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium jedoch vor dem Druck der Erzkonservativen ein und entband den Geächteten auch noch von seiner Tätigkeit in der Lehrerausbildung im Fach Islamkunde.

Doch wen vertritt dieser Koordinationsrat eigentlich, dessen Wünsche die nordrhein-westfälische Landesregierung in so vorauseilendem Gehorsam kritiklos befolgt? Die FAZ vom 29. September 2008 sagt: „Mitglied sind neben der Ditib, einer vom türkischen Religionsministerium kontrollierten Organisation, der Islamrat, dessen stärkster Verein die antisäkulare und integrationsfeindliche Milli Görüs ist, sowie die Islamischen Kulturzentren, über deren Verfassungstreue kürzlich herbe Zweifel geäußert wurden, und der Zentralrat der Muslime, der in seiner Charta die Menschenrechte unter Scharia-Vorbehalt stellt.“

Auch Kalisch selbst, der sich bedroht fühlt, geht in die Offensive: „An einer Universität geht es weder um die Vermittlung von Glaubensinhalten noch darum, die Ansichten eines Professors als richtig zu erachten.“ Die Berliner Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer von der FU Berlin steht ihm da zur Seite: „Alle kritischen Islamwissenschaftler wissen, dass wir keine unzweifelhaft aus der vermuteten Lebenszeit Mohammeds stammenden Originalquellen haben.“ Tatsächlich stammt fast das ganze Wissen über Mohammed aus der Biografie Ibn Ishâqs, der umfassendsten und frühesten Quelle, die um 750 im Irak entstanden ist. Also so gut wie nichts – gemessen an üblichen historischen Maßstäben. Verteidigt wird Kalisch des weiteren von der alevitischen Gemeinde in Deutchland sowie von Abu Zayd oder Seyran Ates. Kalisch kündigte im Focus vom 22. September 2008 an, dass er seine Thesen im kommenden Jahr in einem Buch publizieren wird.

Um die dringend notwendige Aufklärung über den islamischen Glauben steht es heute so schlecht wie eh und je. Und so lange eine fundamentalistische und antiaufklärerische Islam-Lobby als erster „Dialogpartner“ und staatlich anerkannter Repräsentant aller Muslime in Deutschland fungiert, wird es auch immer schlecht um eine dringend notwendige Neuauffassung des islamischen Religionsverständnisses stehen.

 
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