| Zu Gast beim linksextremen Frankfurter Stadtteilprojekt Rödelheim |
|
|
|
| Geschrieben von: Carlo Clemens |
| Samstag, den 08. November 2008 um 02:00 Uhr |
|
Fußball und „Rassismus gegen Deutsche“ Die Lokalzeitungen sowie die örtlichen Politiker des im Nordwesten der Stadt Frankfurt am Main gelegenen Stadtteils Rödelheim protestierten damals angesichts des „Rassismus gegen Deutsche“, den die Rödelheimer Linksextremen veranstalten würden, die ihren Verein gerne auch als Kinder- und Jugendprojekt präsentieren. Eine Rödelheimerin, die zuvor das Projekt mit Fördergeldern unterstützt hatte und beim Finalspiel als Deutsche gebeten wurde, das Singen der Hymne zu unterlassen, ärgerte sich in einem Leserbrief über ihr „Hausverbot“ zur EM. Der Verein äußerte in einer Gegendarstellung, dass unter der deutschen Fahne Menschen „in die Gefangenschaft oder in den sicheren Tod abgeschoben“ werden. Die Bevölkerung sei nicht mehrheitlich rassistisch und nationalistisch, viel eher drücke die neue Patriotismus-Welle nur den „Wunsch nach Gemeinsamkeit und Solidarität“ aus. Das „Bürgerbündnis Für Frankfurt“ (BFF) fand klare Worte für die „notorischen Fahnenschänder“, die „die deutsche Nationalflagge zerstören, das Absingen der Nationalhymne verbieten wollen und die im Moschee-Konflikt in Hausen mit übelsten Methoden kritische Bürgerinnen und Bürger diffamiert und bedroht haben.“ Zusammen e.V. verteidigte sich gegen die vermeintlichen „gutbürgerliche(n) Lynchgelüste“. Man wolle die Diskussion wahrnehmen, um „mit vielen RödelheimerInnen ins Gespräch über Nationalismus und Rassismus zu kommen“. Deutschland sei kein Land, auf das man stolz sein könne: „Hartz-Schikanen, die menschenrechtswidrigen Aufenthaltsgesetze und die Enteignung und Entrechtung von Jung (Bildung) bis Alt (Rente mit 67)“ würden dafür sorgen, dass man nicht stolz auf dieses Land sein kann. Dabei war ein anderes großes Fußball-Ereignis, nämlich die WM 2006 im eigenen Land, ausschlaggebend für die Gründung des Stadtteilprojekts. Das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ treffe aufgrund vieler rassistischer Umstände in diesem Land nicht zu, so die Meinung der Gründer. Man wolle die Vereinnahmung des Sports durch Politik, Wirtschaft und „nationale Symbole“ nicht länger hinnehmen. Deshalb musste ein „antirassistisches, unkommerzielles und solidarisches“ Fußballturnier her. „Just kick it“ wurde geboren. Das Motto: „Freunde schieben nicht ab.“ Angesichts des ursprünglichen Vorhabens, den Sport nicht als Lockmittel für politische Vereinnahmung gelten zu lassen, mutet es doch ein wenig widersprüchlich an, wenn man bedenkt, dass diese mittlerweile jährlich stattfindende Veranstaltung stets durch politisch einschlägige „Musik- und Kulturprogramme“, Ausstellungen und Demonstrationen begleitet wird. Der Aufstieg zum Stadtteilzentrum in Rödelheim Aus dem anfänglichen Kern von etwa 15 Leuten anno 2006 entwickelte sich bis heute eine funktionierende Struktur von, laut eigenen Angaben, circa 40 Mitgliedern. Kooperiert wird mit ebenso ideologisierenden Vereinen und Verbänden wie der Jugend- und Kulturinitiative Rödelheim, der Friedensinitiative Rödelheim, dem „Rhein-Main-Bündnis gegen Sozialabbau“ und dem Bund Deutscher PfadfinderInnen. Angefangen mit hilflosen Ständen auf der Straße, über den so genannten „Stadtteilladen“ bis hin zum neu angemieteten Hinterhof baute man sich schnell ein selbst ernanntes „Stadtteilzentrum“ auf, welches als Treffpunkt für ein „solidarisches Rödelheim“, für „gegenseitige Hilfe, für Zusammenkommen, für Überwindung der Grenzen“ dienen soll. Das alles wurde ohne staatliche Fördergelder geschafft, sondern ausschließlich durch Spenden. Dennoch werden Zusammen e.V. Kontakte zur starken Römer-Fraktion der Linkspartei nachgesagt – bis hin zu verdeckten städtischen Fördergeldern, wie es das BFF nicht zu unrecht vermutet. Dass der deutsche Staat dem linkslastigen Stadtteilprojekt im Sinne des allgegenwärtigen „Kampfes gegen Rechts“ prinzipiell wohlgesonnen zu sein scheint, würde nicht verwundern. Allerdings passt das nicht mit dem „kritischen“ und „oppositionellen“ zusammen, mit dem sich der Verein so gerne brüstet. Ideologischer Überbau für den tiefroten Nachwuchs Mittlerweile schafft es Zusammen e.V., sechs Tage die Woche halbtags geöffnet zu haben. Die ehrenamtlichen Aktivisten bieten denjenigen praktische Hilfe an, die „nicht über Macht und Reichtum verfügen.“ Laut den Initiatoren seien die Unterschiede zwischen den Menschen, „künstlich auferlegt“, anzustreben seien hingegen „Menschlichkeit und Gleichheit“. Der Verein will diese Werte bereits mit Kinder- und Jugendarbeit vermitteln. Dies sei ein Gründungsgrund gewesen. Ob Nachtflohmärkte, Fahrrad-Werkstätten oder „Jam Sessions“ letztlich über das linke Stammklientel hinaus bei Jugendlichen ankommen, ist allerdings fraglich. Falls sich aber doch einmal ein „unvorbelasteter“ Jugendlicher in den Einflussbereich der Rödelheimer verirren sollte, darf man von einer dezidierten politischen Indoktrination ausgehen. Ein ganz schön happiger ideologischer Überbau erwartet Kinder und Jugendliche beim Stadtteilprojekt. Welcher typische Jugendliche verspürt bei Angeboten wie allwöchentlichen Diskussionen über Artikel der Jungen Welt oder Filmabenden zur Novemberrevolution 1918 schon große Lust, seine Freizeit freiwillig für linkes Allerlei (Sozialisten, Kommunisten, Trotzkisten, Antideutsche, Antifas, …) zu opfern? Unter dem großen Aufmacher „Als die Schule Kopf stand!“ warb Zusammen e.V. für einen Vortrag des Altlinken Hartmut Barth-Engelbart, ehemaliger Grundschullehrer in Frankfurt und Umgebung, derzeit tätig als Musiklehrer an der Gebeschusschule in Hanau. Seine politischen Publikationen führten in den frühen 1960ern zu Disziplinarstrafen bis hin zu Schulverweisen. Dieser sollte jetzt also am 31. Oktober 2008 von „Schulreformen und basisdemokratische(r) Schulsozialarbeit“ in den 70ern berichten. Trifft das Links-Klischee hier zu? Bereits auf den Weg nach Frankfurt-Rödelheim sieht man am S-Bahnhof neben Werbeblättern zur Veranstaltung auch etliche Antifa-Aufkleber, Grafitties („This is Antifa-Territory – welcome to Hell“) und Plakate zu politischen Veranstaltungen von Gewerkschaften und der Linkspartei. Am Stadtteilladen angekommen, erweckt der baufällige Hinterhofes keinen sonderlich einladenden Eindruck. Wenn man dort die Holztüre öffnet, gelangt man in einen länglichen Raum. Kurz vor Veranstaltungsbeginn sind so etwa fünf Leute im Raum, alle waren etwas älter, bis auf einen Jungen, der in etwa 20 Jahre alt gewesen sein dürfte. Alle hatten noch ihre Anoraks an und viele von ihnen hielten eine Flasche Bier in der Hand. Die eigene Welt des Alleinunterhalters mit der Gitarre – Hartmut Barth-Engelbart Hat die Veranstaltung schon angefangen? Einige Leute sitzen an ein paar kleinen Tischen oder wärmen sich am Ofen und am Bier. Letztlich sagt der Alleinunterhalter mit der Gitarre, dass die eigentliche Veranstaltung noch nicht begonnen habe. Er erzählt weiter von der Ziege Bin Zora. Erst später erfährt man, dass dieser Mann da vorne bereits der angekündigte Referent ist, und dieser einfach mal aus seiner selbstverfassten „Kindergeschichte“ vorlas. Die Verzögerung der Veranstaltung lässt Zeit, sich die Aufkleber und Prospekte der Marxistischen Abendschule über Hugo Chavez und „Die Globalstrategie des US-Imperialismus“ anzusehen. Langsam mehren sich die Leute, wieder andere verlassen den Raum, um schnell noch eine zu rauchen. Mittlerweile fängt Hartmut Barth-Engelbart mehr oder weniger mit seinem Vortrag an. Mehr oder weniger deshalb, weil er immer wieder in nostalgischen 68er-Erinnerungen verharrt, in Exkurse abschweift oder linke Insider-Scherzchen bringt. Nach einiger Zeit fragt eine Frau mit gebrochenem Deutsch leicht entnervt, was das denn alles mit dem ursprünglichen Thema, nämlich den Bildungsexperimenten damals, zu tun habe. Der ergraute Lehrer, der sich nach eigenen Angaben in der Vergangenheit schon in 36 verschiedenen Berufen verdingt hat und auch linker Liedermacher ist, räumt reumütig sein Abschweifen ein, ehe er dann nach fünf Minuten wieder völlig in seine eigene Welt abgleitet. Mittlerweile füllt sich der Raum immer mehr. Neu gekommen ist auch Aitak Barani, die aus dem Iran stammt, und zur EM die Deutschlandfahne zerschnitten hat. Etwa ein Drittel der Leute hier dürften einen Migrationshintergrund haben. In der Regel ist die linksradikale Ecke eine Bastion von deutschen Unrealisten, während sich Migranten eher in den effizienteren Islam- und Ausländerlobbys der etablierten Grünen oder SPD niederlassen. „Grüßen Sie bitte die andere Seite von uns!“ Barth-Engelbart erzählt weiter. Von den Konservativen der damaligen CDU, die gegen ihn und seine nonkonformen Unterrichtsmethoden vorgehen wollten. Von der DKP, die ihn in den Schutz nahm, und auch davon, dass man ausländischen Mitschülern die Muttersprache nicht entziehen dürfe. Es bestehe eine Notwendigkeit zu zweisprachigem, herkunftsspezifischem Unterricht in – das würde sonst „tatsächlich die Hirnrinde des Menschen schädigen!“ „Ehrlich jetzt?“, fragt ein junger Zuhörer, der anscheinend schon gar nicht mehr zwischen Scherz und Ernstgemeintem unterscheiden konnte. „Ja, wirklich jetzt. Das belegen Universitätsforscher.“ Aha. Nach einer Stunde fasse ich den Beschluss zu gehen. Als ich zur hölzernen Ausganstür schreite, unterbricht Barth-Engelbarth und fragt mich erstaunt, wieso ich denn schon gehen wolle. Aitak Barani ergänzt: „Und ach ja! Grüßen Sie bitte die andere Seite von uns!“ „Kein Problem, mache ich“, sage ich, und gehe in die nasse Herbstkälte. Ich bin jemand, der hält, was er verspricht. |