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Neue Medien und Anschlusshandeln PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sven Schäfer   
Samstag, den 22. November 2008 um 02:00 Uhr

InternetDie amerikanische Affinität zu neuen Medien im Wahlkampf ist augenscheinlich. Die zielgruppenspezifische Adressierung berücksichtigt den zunehmenden Internetkonsum der jüngeren Generation. Insbesondere die Demokraten haben das Internet als Domäne der Jungwähler erkannt und für Öffentlichkeitsarbeit, Wahlwerbung und Rekrutierung nutzen können. Spezielle Kommunikationsangebote, die Anschlusskommunikation herausfordern, die informieren wurden entwickelt und angewendet. In Deutschland erschöpft sich das dann in Kommunikationsforen, dem Gästebuch oder dem Live-Chat. Wir müssen Kommunikationsangebote entwickeln, die Männer und Frauen zum Anschlusshandeln auffordern und nicht zum Geschwätz.

Sie: Anschlusskommunikation – Wir: Anschlusshandeln

Nun soll das Internet die Rekrutierung erleichtern, aber nicht die eigentliche Tat verhindern oder auch nur hinauszögern. Das Internet soll zukünftig einen Beitrag dazu leisten, Taten vorzubereiten. Strukturen von Obamas Politainment können für die Entstehung einer Bewegung, wie sie uns vorschwebt, helfen, doch sie stehen nur für den Beginn und sollten dann wieder verschwinden. Die Etablierung politischer Kommunikation als eine Form medialer Unterhaltung und Boulevardisierung unserer Themen wie bei den US-Demokraten müssen konsequent vermieden werden.

Die Präsentation von Politik nach den Maßstäben und mit den Mitteln der Unterhaltungsindustrie überlassen wir Obama oder den Grünen. Wer gesehen hat, wie (nicht nur) grüne Politiker sich dem jeweiligen Internetjargon anpassen und z.T. in einem mit graphostilistischen Mitteln arbeitenden Duktus um das jugendliche Publikum buhlen, der weiß nicht mehr, was er vom geschriebenen Wort halten soll. Dabei geht es kaum noch um Rezipientenorientierung sondern nur noch um beliebige Zuschauerstimulanz. Die leerformelhaften, nichts aussagenden Parolen richten sich an jeden und gegen niemanden (außer gegen rechts), so dass ein dumpfer Wahrnehmungs- und Erfahrungsraum entsteht, indem der hilflose Mediennutzer herumirrt. Inklusion (ja in was eigentlich noch?) ist des Zeitgeists Fahne und Exklusion ist böse. In  der medialen Erlebnisgesellschaft wird es nur noch eine Form der Vergemeinschaftung geben, nur noch eine Form des Lagerfeuers: die Gemeinschaft der Hauschweine.

Die Hausschweine stören

Wenn die Massenmedien zur zentralen Infrastruktur unseres Staates werden, müssen wir uns Nischen suchen. Wenn die Feel-Good-Stimmung alle einlullt, müssen wir die Hausschweine stören, denn sie sind fett und schreckhaft …

 
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