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Heute vor 110 Jahren, am 8. Mai 1899, wurde Friedrich August von Hayek geboren. Wäre er noch am Leben, würde er den Zusammenbruch des Keynesianismus, den er vorausgesagt hat, selber miterleben und ihn wahrscheinlich ebenso höhnisch wie er bereits die Ereignisse des Jahres 1989 kommentieren. Das spöttische Grinsen darüber bleibt nun seinen Erben vorbehalten. Doch die Kritik an Keynes war gewiss nicht seine Hauptbeschäftigung. Hayek ging es vielmehr darum, jede interventionistische Pfuscherei abzulehnen, sei sie nun eine leichte wie bei Keynes oder eine schwerwiegende wie im Sozialismus. Für seine Leistungen erhielt er 1974 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Doch ein Blick zurück: Hayeks Jugend war bereits von den interessantesten Persönlichkeiten seiner Zeit geprägt. Er wuchs in Wien auf, zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der Weltstädte, wenn auch der nahende Zerfall der Doppelmonarchie allgegenwärtig war. Ein Kommilitone Hayeks, Joseph Herbert Fürth, schrieb über die Zeit: „Es gibt buchstäblich keine Sphäre des Lebens, in der wir nicht von Genies umgeben waren. Das hat uns vielleicht ein bisserl verdorben.“ Das galt für Hayek vielleicht sogar noch ein wenig mehr, denn das Haus seiner Großeltern mütterlicherseits war ein beliebter Treffpunkt eines Teils der Wiener High Society. Dazu zählten der junge Konrad Lorenz sowie Karl von Frisch, aber auch bedeutende Persönlichkeiten der Österreichischen Schule wie Eugen Böhm Ritter von Bawerk. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde Hayek zum Kriegsdienst einberufen. Seine militärische Laufbahn war nicht unbedingt spektakulär. Als er von der Front zurückkehrte, traf er in einem Zug seinen Cousin Ludwig Wittgenstein, der gerade an dem Manuskript seines Tractatus schrieb. Die Begegnung blieb nicht ohne Folgen, denn Wittgensteins Wahrheitsliebe färbte auf Hayek ab. Auch Hayek hatte an den Sozialismus geglaubt Als er nach dem Krieg an die Universität kam, promovierte er 1921 in Rechtswissenschaften und fand eine Anstellung im Abrechnungsamt unter Ludwig von Mises. Er trieb Hayek die romantische Sozialismus-Vorstellung aus, der er wie viele Jungökonomen der damaligen Zeit anhing. Er war von nun an zeit seines Lebens ein Anhänger der Österreichischen Schule der Ökonomie und prägte deren Erscheinungsbild im 20. Jahrhundert entscheidend. Daran konnte selbst sein Professor Othmar Spann nichts mehr ändern. In die öffentliche Wahrnehmung geriet Hayek das erste Mal, als er 1929 mit seiner Schrift Geldtheorie und Konjunkturtheorie habilitiert wurde. Er lehnte ganz klar die Unterkonsumtionstheorie in ihren verschiedenen Spielarten ab. Jene Theorie, die in der damaligen Zeit zu künstlicher Steigerung der Nachfrage und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen führte. Damit widersprach Hayek ganz klar der Theorie Keynes´. Nach der Veröffentlichung seiner Kritik an Keynes, A Treatise on Money, rückte dieser gar von seiner eigenen Theorie ab und Hayek verzichtete bei dessen weiteren Veröffentlichungen auf Kritik, was er jedoch später bereuen sollte. Denn was er ablehnte, war nicht zwangsläufig die Theorie Keynes‘, sondern den Geist des Keynesianismus, etwa so wie der heutige Papst nicht das II. Vaticanum ablehnt, sondern nur den Geist des Konzils einen Ungeist nennt. Die meisten Auswüchse des Keynesianismus widersprechen nämlich offen der Lehre von Keynes, auch wenn viele Politiker und Ökonomen sich auf ihn berufen. Er kritisierte den blinden Fortschrittsoptimismus Hayeks Schaffen ab dem Ende der 30er Jahre hat einen nicht zu verachtenden Einfluss auf viele moderne Konservative gehabt. Denn im Verlauf des Krieges, inzwischen war er nach England emigriert, widmete er sich einem Projekt, welches aufbauend auf einer Analyse des 19. und 20. Jahrhunderts den Hyperrationalismus kritisierte. Dabei ging es ihm vor allem darum, die Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnismethoden auf die Sozialwissenschaften sowie den zügellosen Fortschrittsglauben, was er als Wegbereiter der totalitären Systeme ansah, anzugreifen. Jedoch stellte er die Arbeit nie fertig. Aus dem ursprünglichem Projekttitel Through Socialism to Fascism (from Saint-Simon to Hitler) wurde The Road to Serfdom. Hayek legt hier die sperrige Sprache ab, welche das ursprüngliche Buch prägen sollte und machte daraus eine kämpferische Streitschrift, die zunächst Churchill an seine Thesen anknüpfen ließ, der jedoch damit scheitern sollte. Denn die zentrale These, dass Interventionismus nicht mit Freiheit und Demokratie zu vereinbaren ist, war für die damalige Zeit ausgesprochen provokant. Als jedoch die junge Chemiestudentin Margaret Roberts das Werk in die Hand bekam, war noch niemandem klar, dass sie 30 Jahre später und inzwischen mit Denis Thatcher verheiratet, das schaffen wird, was Churchill verwehrt blieb. Ende der 50er Jahre sah Hayek das Problem des Werterelativismus. Erst im Konflikt mit dem Kommunismus – wie heute mit dem Islamismus – zeigte sich das Problem, da die Demokratie dem ganzen ideologisch nicht viel entgegensetzen konnte. In The Constitution of Liberty versucht Hayek ein Konzept entgegenzustellen, indem er beantwortet, warum wir Freiheit brauchen, wie wir sie schützen können und wie das konkret umgesetzt werden kann. Hayek musste den Nobelpreis mit einem Sozialisten teilen Im Alter von 70 Jahren kehrte Hayek in seine Heimat zurück, wo ihn kurze Zeit später die Nachricht ereilte, dass er mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet werden sollte, den er sich jedoch ironischerweise mit dem Sozialisten Gunnar Myrdal teilen musste. Vor dem Hintergrund der Krise der 70er-Jahre war jedoch die Auszeichnung Hayeks diejenige, der am meisten Bedeutung zukam. Inspiriert von Hayek waren es dann schließlich auch Thatcher und Reagan, die den Westen vor der Eskalation bewahrten. Im Laufe der nächsten Jahre verfasste Hayek noch einige weitere Schriften und wirkte in Freiburg, bis er schließlich 1992 dort starb. Wie ist nun dieser Mann von konservativer Seite aus zu bewerten? Die einen würden sagen: kritisch, die anderen würden sagen: als Vorbild. Letzteres scheint plausibler, denn er kritisiert ganz klar die Appeasement-Funktion vieler Konservativer gegenüber dem Sozialismus. Damit trifft er einen wunden Punkt, der nicht gerade unumstritten ist. |