Startseite Gesichtet Die Verteidigungsschlacht bei Aspern: Der Mythos bricht

Alternative Flash-Inhalte

Sie müssen aktualisieren sie ihren Flash Player

Get Adobe Flash player

Die Verteidigungsschlacht bei Aspern: Der Mythos bricht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Simon Meyer   
Freitag, den 15. Mai 2009 um 01:00 Uhr

Erzherzog KarlBis Mitte Mai 1809 hatten sich die Vorzeichen des Krieges vollständig umgekehrt und Erzherzog Karl stand mit seiner Armee mit dem Rücken zur Wand. Der bayerische Feldzug war in einer Reihe von einzelnen Verteidigungsgefechten ohne eigentliche Entscheidungsschlacht verloren gegangen. Die Österreicher hatten tapfer gefochten, waren aber taktisch den hochbeweglich geführten Bayern und Franzosen klar unterlegen. Napoleon selbst bezeichnete rückblickend diese Aneinanderreihung von Gefechten in Ostbayern als Krönung seines strategischen Könnens. Doch was geschah dann?

Napoleons strategisches Genie war nur die eine Seite der Medaille, die andere – und darin liegt die Tragik des Feldzugs von 1809 – war die Kampfkraft der bayerischen Vasallentruppen, auf deren Fahnenwechsel Erzherzog Karl seine Hoffnung gesetzt hatte. Napoleon ließ in den Schlachten nach 1806 in vorderster Linie gerne Rheinbündler, Polen und Italiener antreten, um seine Franzosen zu schonen und diese für den entscheidenden Stoß ungeschwächt zu bewahren.

Opportunisten und Verräter

So war es der Kronprinz von Bayern, der in der Schlacht von Regensburg an der Spitze der rheinbündischen Truppen die Linien der Österreicher durchbrach. Heinrich von Kleist kommentierte eine Zeitungsmeldung, wonach der bayerische Kronprinz von Napoleon am Abend der Schlacht umarmt und „ein Held der Deutschen“ genannt worden sei, mit den Worten, Napoleons Herz habe bei dieser Geste heimlich gesprochen „Ein Verräter bist du; und wenn ich dich werde gebraucht haben, wirst du abtreten.

Nach dem verlorenen Feldzug in Bayern riet Erzherzog Karl seinem Bruder, in Friedensverhandlungen einzutreten. Nachdem der Vorstoß zum Rhein und damit die Sprengung des Rheinbundes gescheitert war und auch Preußen seine Neutralitätspolitik beibehielt, sah der Oberbefehlshaber der österreichischen Streitkräfte kaum mehr die Möglichkeit, dass dieser Krieg noch zu gewinnen war. Doch der Kaiser war nicht bereit, auf Vermittlungsvorschläge einzugehen und forderte eine große Entscheidungsschlacht.

Was folgte war ein Wettlauf in das Herz der Monarchie. Erzherzog Karl rückte mit der Hauptarmee durch Böhmen nördlich der Donau in Richtung Wien. Napoleon südlich der Donau hatte das gleiche Ziel und trieb dabei das österreichische Korps des Generals Hiller vor sich her. Hiller gelang es unter Aufopferung einiger mit Todesverachtung kämpfender Nachhuten am elften Mai bei Krems, die Donau zu überqueren und sich mit Erzherzog Karl zu vereinigen. Wien ließ sich unter diesen Umständen nicht verteidigen und die Wiener Garnison, Landwehreinheiten zumeist, räumten die Stadt am zwölften Mai unter Zurücklassung riesiger Magazine. Den ungeheuren Materialverlust mag verdeutlichen, dass fast die gesamten dreißigtausend Bayern, die drei Jahre später in Russland einrückten, mit Gewehren aus den Wiener Zeughäusern ausgerüstet waren.

Am 17. Mai waren die Österreicher auf dem Marchfeld nördlich von Wien versammelt und erwarteten, insgesamt knapp 100.000 Mann stark, den französischen Angriff. Napoleon begann am Abend des 20. Mai mit dem Übergang über die Donau. Der Fluss führte aufgrund später, plötzlicher Schneeschmelze in den Alpen starkes Hochwasser und die österreichischen Pioniere schufteten Tag und Nacht und ließen ununterbrochen alles, was sie an Baumstämmen, Flößen und schwer beladenen Kähnen auftreiben konnten, mit dem reißenden Wasser gegen die provisorischen Brücken der Franzosen prallen, was zu wiederholten schweren Beschädigungen und Zerstörungen der französischen Brücken führte. So wurde der französische Aufmarsch auf der nördlichen Donauseite schwer gestört.

Österreich gegen die napoleonische Allianz

Am 22. Mai hielt sich Napoleon für stark genug, mit 60.000 Mann, die zwischenzeitlich über die Donau gesetzt waren, das österreichische Zentrum anzugreifen. Hier kam es zum Aufeinandertreffen der beiden Befehlshaber und unter dem persönlichen Einsatz von Erzherzog Karl zerbrach die Woge des  Massensturms der Franzosen im Feuer der österreichischen Infanterie. Napoleon schrie nach frischen Truppen, doch den österreichischen Pionieren war zwischenzeitlich wieder die Unterbrechung der Verbindung zum südlichen Donauufer gelungen.

Schließlich schritten ungarische Grenadiere, steirische Schützen und böhmische Landwehr zum Gegenangriff und nach dem Verlust der Dörfer Aspern und Eßling erkannte Napoleon, dass es für ihn nur noch um die Rettung eines geordneten Rückzugs über die Donau ging. Französische Gardebataillone eroberten zur Deckung des Abzugs nochmals Eßling zurück und gegen Abend rückten die Franzosen über die notdürftig wiederhergestellten Donaubrücken auf die südliche Donauseite. Den total erschöpften Truppen des Erzherzogs gelang es nicht, den Sieg durch einen kraftvollen Stoß in die sich zurückziehenden Massen in eine Vernichtung der übergesetzten Teile des französischen Heeres zu verwandeln. Nicht einmal zu einer größeren Artilleriebeschießung des fliehenden Gegners reichten die Kräfte.

Aspern – eine erfolgreiche Verteidigungsschlacht

So blieb Aspern eine Verteidigungsschlacht, fast ohne strategische Auswirkungen. Doch Erzherzog Karl und seiner Armee blieb der Ruhm des ersten Sieges über Napoleon in einer großen Feldschlacht. Napoleon selbst hatte die größte Hochachtung vor dem Gegner gewonnen. Ein bekanntes Zitat lässt Napoleon später zu Murat, zu diesem Zeitpunkt König von Neapel, sagen: „Ihr habt die Österreicher nicht bei Aspern gesehen und somit habt Ihr gar nichts gesehen.

Die Verluste der beiden Heere hielten sich mit jeweils über 20.000 Männern auf beiden Seiten in etwa die Waage. Eine auch für damalige Verhältnisse sehr hohe Verlustziffer – dreißig Stunden lang hatte nördlich der Donau ein wahres Gemetzel getobt. Die Erbitterung, mit der gefochten wurde, beschreibt Patrick Rambaud sehr anschaulich in seinem in Frankreich mehrfach ausgezeichneten Roman „Die Schlacht“.

Für den gesamten Feldzug blieb Aspern Episode. Als Napoleon unter mehr als 30.000 Mann Verlusten am 5. Juli 1809 in der Schlacht von Wagram den Übergang des französischen Heeres über die Donau erzwingen konnte, ging der Krieg ohne einen großen französischem Sieg seinem Ende entgegen. Erzherzog Karl, der seine Truppen nach der Schlacht von Wagram nach Mähren zurückzog, wählte nicht den nibelungenhaften Untergang, sondern erhielt seinem Kaiser eine weitgehend intakte Armee, als am 12. Juli in Znaim der Waffenstillstand abgeschlossen wurde.

Das Heer für die wirklich entscheidende Schlacht geschont

Erzherzog Karl wußte, daß die letzte Schlacht noch nicht geschlagen war und daß das Heer unter allen Umständen erhalten bleiben mußte. Als vier Jahre später im Jahre 1813 die Feuerzeichen von den böhmischen Bergen den preußischen und russischen Regimentern den Beitritt Österreichs zur Koalition signalisierten, ließ der Beitritt dieser Armee unter seinem Nachfolger Fürst Schwarzenberg die Waagschale zugunsten der Alliierten ausschlagen und die Befreiung, die 1809 noch gescheitert war, vollenden.

 
ANZEIGE

Aufgepasst!

Banner

Umfrage

Das größte Problem in Deutschland ist ...
 
Wie würdest du dich politisch selbst beschreiben?