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Zwischen Nora Tschirner, Jorg-Gray-Uhr und Dreiknopfanzug steht es: das neue Bild vom Mann. Seine Verkörperung heißt Barack Obama und blickt im Cowboyhut – „befreit von allen testosterongesteuerten Egoattacken“ – auf den Terminplaner. So sieht ihn Tomo Mirko Pavlovic in der Erstausgabe des bei Gruner + Jahr erscheinenden Business Punk.
Käse-Wurst-Torte und Sex Mit gleich drei neuen Männermagazinen bildet das Verlagshaus dieses Jahr die Speerspitze auf der Suche nach dem modernen Mann. Das Kochmagazin BEEF!, die hochglänzende GALAMEN und die Unternehmerzeitschrift Business Punk vermitteln dabei ein Identitätsangebot irgendwo zwischen „Käse-Wurst-Torte“, Sex und selbstgemachten Orden der US-Army. Die Lücken füllen Hugo-Boss, Gucci und Nivea-Werbung. Und in einem sind sich alle einig: die neuen Männer sind unangepasst, mutig und kreativ. „Oliver Pocher ist dafür ein gutes Beispiel. Er ist vielleicht der Unangepassteste, den es im deutschen Fernsehen gibt“, lobt der ehemalige Geschäftsführer der österreichischen „Kronen-Zeitung“, Hans Mahr, in Business Punk. Besonders aufschlussreich ist dabei die Begründung seiner originellen These: „Aufmüpfig, frech, wechselt ständig den Sender.“ Liebe Fernsehmoderatoren und Komödianten der Welt: wechselt den Sender, reißt ein paar gelangweilte Schenkelklopfer, dann schmelzen die Frauenherzen vor großen Augen dahin! Nicht zu vergessen trotz allem Wagemut: „Männer löffeln keinen kakaobestäubten Milchschaum.“ So diagnostiziert es ein Autor der GALAMEN im Aufmacher „Der Pitt-Stopp“. Die Erkenntnis des Artikels: Brad Pitt fühlt sich ach so schrecklich gelangweilt vom Medienrummel und will lieber nur schauspielern. Ganz bestimmt! Steril und glanzlos: die Welt mit wenig Testosteron Wessen Ego immer noch schrumpelig klein ist, der bekommt in GALAMEN eine weitere Hilfe. Das Magazin bietet eine Penismesslatte zum Ausschneiden, zudem darf die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Vergleich dank integrierter nationaler Durchschnittsgrößen gleich mit getestet werden. Das so vermittelte Männerbild bietet keine Identität, sondern nur einen Zweck für Ideale. Diese Ideale bestehen hauptsächlich aus haufenweise Geld und einem guten Image bei Männlein und Weiblein. Steril kommen die Magazine daher, weil sie eine zurecht polierte heile Welt verkaufen. Testosteron dürfte allenthalben noch Kate Moss' nackte Brust oder die Suche nach dem „besten Steak der Welt“ in BEEF! erregen. Eher Substantielles bietet dem Leser ein Interview der GALAMEN mit den Schauspielern Til Schweiger, Christian Ulmen, Simon Verhoeven, Florian David Fitz und Wotan Wilke Möhring. Dabei wird so mancher Widerspruch in der „Männeremanzipation“ aufgedeckt. Fitz: Frauen wollen Arschlöcher und keine komplizierten Alles-Versteher Der Schauspieler Florian David Fitz bekennt etwa frei: „Das, was sich Frauen in ihren Katzenkissenträumen vorstellen und wofür sie sich dann wirklich entscheiden, ist auch nochmal ein riesiger Unterschied. Letztlich wählen sie doch oft das Arschloch und nicht den, der sie über die Blumenwiese führt.“ Wotan Wilke Möhring reagiert nicht etwa brüskiert, sondern bestätigt: „Alles wird heute megaverkompliziert. Und das gilt natürlich auch für die Männerrolle.“ Gefragt nach Vorbildern, schlägt Til Schweiger George Clooney vor. Doch schnell verbessern Fitz und Ulmen: „Natürlich prägen Väter mehr als Clooneys.“ Als die gestandenen Männer bekennen, ihre Elternzeit habe sie doch mehr überfordert als ausgefüllt, biegt GALAMEN in die letzte Ausfahrt Richtung Emanzipation ab und fordert vom modernen Mann Elternzeit, Karriere, Schüchternheit und Draufgängertum. Ironischerweise endet das Interview mit Möhrings doch noch maskuliner Aufforderung: „So, und jetzt gehen wir mal ein Bier trinken.“ Irgendwie klappt das dann also doch nicht mit dem verständnisvollen, schüchternen Vollzeitpapi. |