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Geschrieben von: Kristina Kesselring
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Dienstag, den 17. November 2009 um 08:13 Uhr |
In drei Jahren geht die gesamte Menschheit unter. So sehen es zumindest der von Roland Emmerich produzierte Blockbuster 2012 und angeblich auch der Mayakalender. Filmfreunden gefällt beides nicht. Nach der an den Kassen gefloppten Steinzeittragödie 10.000 BC blieb es eine Weile still um den Erfolgsproduzenten Emmerich. Nun diskutieren vor allem die Medien über Sinn und Unsinn seines neusten Weltuntergangszenarios. Nach der Logik des Films erwartet uns am 21. Dezember 2012 eine deftige Katastrophe.
Großartig katastrophal: Der Katastrophenregisseur, …
Mit Independence Day und dem Klimaspektakel The Day after Tomorrow ließ Roland Emmerich schon einmal unsere Welt auf Messers Schneide balancieren. 2012 folgt dem gleichen Muster und lässt sich in drei kurzen Sätzen wiedergeben. Die Welt geht unter. Die Mayas haben das schon vor Tausenden von Jahren vorhergesagt. Ein Geologe mit Schuldkomplex (dargestellt von Chiwetel Ejiofor) will mit seinen Freunden überleben und einen Ausweg finden. Dies alles garniert Emmerich mit pseudowissenschaftlichen Theorien.
… das Katastrophenrezept, …
Der Film bietet aber allen animierten Knalleffekten zum Trotz weder Menschlichkeit noch ein Eigenleben der Figuren. Stattdessen verabreicht Emmerichs und Harald Klosers Drehbuch die altbekannte Soße aus Gefühlsduseligkeit, kleinen archetypische Helden und einer zerbrechenden Welt. Als Nachspeise gibt´s das Aufbrechen des Erdkerns, Flutwellen und sich lang hinziehende Erdbeben. Dieses Gericht für das Massenpublikum schmeckt anspruchsvollen Kinogängern sicher nicht, lässt aber schon jetzt in den USA die Kassen klingeln.
Freilich haben sich Emmerichs Team und dessen Schauspieler ordentlich ins Zeug gelegt. Denn dieser Film ist inhaltlich ein 0815-Werk, beeindruckt aber dank ausgereifter Computertechnologie. Das muss er auch, denn noch hat die Menschheit kein Archivmaterial ihres eigenen Unterganges.
… und die Katastropheneffekte.
In einer Szene etwa knickt ein Parkhaus förmlich ein. Zahlreiche Wagen fallen auf die Straße. Zu Studienzwecken haben Emmerichs Team hier wochenlang reale Autos durch die Luft katapultiert. So studierten sie das Sturz- und Flugverhalten. Und tatsächlich legt Emmerich auf visuelle Effekte den größten Wert. In dieser Beziehung ist er einer der Besten und wir können unsere flatternden Herzen getrost in seine Hände legen, uns in den Kinosesseln mit einer Jumboportion Popcorn zurücklehnen und nicht daran denken, dass dieser Film nur eine Adaption unserer nahen Zukunft sein könnte. Die letzten drei Jahre in den Kinos vor größenwahnsinnigen Filmen zu verbringen, wäre vor allem wirtschaftlich gesehen nicht das Schlechteste.
Die Worte des Mayakalenders
Es entbehrt nicht einem gewissen Zynismus, eine Vorschau auf unseren Exitus innerhalb von 158 Minuten zu genießen. Aber es gibt einige Gründe gegen die Theorie des Weltuntergangs 2012. Denn die Mayas haben dieses Datum nie auf den 21.12.2012 festgelegt. An diesem Tag endet lediglich einer ihrer drei Kalender. Nehmen wir doch einmal an, wir hätten in der Küche einen dieser Astrokalender, der mögliche Ereignisse anhand von Sternenkonstellationen anzeigt. Auch heutzutage kann man so etwas berechnen. Wir vergraben diesen Kalender in der Wüste und 2000 Jahre später graben unsere Nachfahren ihn aus. Die Zeitrechnung jedoch hat sich längst geändert. Unsere neugierigen Nachkommen lassen ihn heimlich entschlüsseln. Würden sie annehmen, dass der letzte Tag des Kalenders automatisch der Untergang von jedem und allem wäre?
Die Show der letzten Tage
Ebenso wie Nostradamus' Prophezeiungen kann der Nachgeborene das Datum der Apokalypsen nie genau nennen. Möglicherweise liegen die Wissenschaftler Jahrhunderte oder Jahrtausende daneben. Wer 1999 dem neuen Jahrtausend entgegenfieberte, kennt bereits ein Spektrum damals prophezeiter Katastrophenszenarien. Denn auch für die Mayas war der 21.12.2012 nichts anderes als der 31.12.1999 für uns. Nun dürfen wir, davongekommen, Emmerichs neusten Film bewundern. |