Startseite Rezension Auf Wagners Spuren: Das „Cluster“-Duo

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Auf Wagners Spuren: Das „Cluster“-Duo PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benjamin Jahn Zschocke   
Dienstag, den 24. November 2009 um 09:16 Uhr

ClusterEs gibt Wagnarier und Wagnerianer. Die typischsten Vertreter dieser Gattungen sind logischerweise Deutsche: Hitler und Thomas Mann. Weil Hitler scheiße ist, darf man sich getrost mit der zweiten Gruppe beschäftigen. Irgendwie gehören da nämlich auch „Cluster“ rein. Dieses Duo aus Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius fabrizierte in den 70ern großartige Elektromusik. Ihre Alben „Sowiesoso“ und „Curiosum“ veröffentlicht das Label „Bureau B“ am 4. Dezember 2009 neu.

Elektro nach klassischen Spielregeln

Doch man muß vorsichtig sein mit den Begriffen. Denn wie gut „Cluster“ Wagner wirklich kannten und mochten, kann man nach fast 30 Jahren nun wirklich nicht mehr wissen. Was aber feststeht: die beiden Instrumentalalben funktionieren nach gängigen Mustern, wie wir sie auch vom Meister kennen. Da werden Melodiegebäude gebaut, die von irgendwoher kommen und am Anfang nach eigentlich gar nichts klingen, eher dahinblubbern. Die bekommt man nicht mehr los, wenn man sie nur bis zu Ende hört.

Mit jeder Wiederholung entstehen deutlichere Kontrapunkte, die einander jagen, sich verwinden, einander ablösen, sich fast treffen und doch Gegensätze bleiben, um dann am Ende in einer unverhofften Harmonie zu gipfeln. Das gilt für Wagners „Liebestod“ in „Tristan und Isolde“ genauso, wie für „Tristan an der Bar“ auf „Curiosum“. Ein (liebes-)trunkener Tristan torkelt dort von der Bar heim und hat den Kopf wohl voll Isolde. Was bei Wagner mit klassischen Instrumenten entsteht, bastelt „Cluster“ aus vielfältigen elektronischen Klangvarianten und stapelt diese übereinander.

Ideen für „Von Thronstahl“

Andere Stücke wie „Halwa“ von „Sowiesoso“ lassen einen nur darauf warten, daß Joseph Maria Klumb endlich irgendetwas dazwischen murmelt. Dessen Band „Von Thronstahl“ ließ sich hier wohl für manche Titel und Intros inspirieren. An Wagner kommt man auch bei „Sowiesoso“ nicht vorbei. Das Titelstück ähnelt einem Mix aus Tannhäuser- und Meistersinger-Ouvertüre. Es erinnert an den „Einzug der Götter in Walhall“ aus dem ersten Teil des „Rings der Nibelungen“, nur reproduziert mit elektronischen Mitteln. „Es war einmal“, das vorletzte Stück der Platte, ähnelt ebenfalls einer Ring-Sequenz. „Waldweben“ heißt das bei Wagner, „Cluster“ zeichnen eine düstere Abend-Wald-Szenerie. Solche Welten kennt man sonst nur aus Daniel von Triers neustem Film „Antichrist“.

Dunkler Wald statt „Neue Deutsche Welle“

„Sowiesoso“ entstand 1976, „Curiosum“ 1981. In einer Zeit, in der das Gehopse der „Neuen Deutschen Welle“ als cool galt, flohen Roedelius und Moebius. Sie wollten ihre Alben in der Stille des Weserberglandes und irgendwo in einer österreichischen Einöde aufnehmen. Mit bescheidensten musikalischen Mitteln entstanden die wunderbaren Alben mit je sieben Titeln. Von deren Veröffentlichung bekam damals wahrscheinlich so gut wie niemand etwas mit. Am 4. Dezember erhält „Cluster“ die verdiente zweite Chance. Nur Pop-Freunden dürfte das nicht gefallen.

 
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