| Novo Argumente: Sachliche Erwiderungen auf einen hysterischen Zeitgeist |
|
|
|
| Geschrieben von: Felix Menzel |
| Mittwoch, den 13. Januar 2010 um 22:29 Uhr |
Novo Argumente ist ein liberales Debattenmagazin. Die aktuelle Ausgabe der aller zwei Monate erscheinenden Zeitschrift mit einer Auflage von 5000 Exemplaren beschäftigt sich mit „Mensch und Tier“. Chefredakteur Thomas Deichmann macht bereits im Vorwort deutlich, weshalb man sich dieses Themas annimmt. Hysterische Debatten über Bildung, das Klima und den Tierschutz seien von einer „Geringschätzung des Menschen als Gestalter seiner Welt“ geprägt. Novo will Sachlichkeit entgegensetzen.
Bereits durch die Aufmachung überzeugt das Magazin mit Schlichtheit. Diese Seriosität prägt auch den Inhalt. Aktuell sorgt ein zwar etwas inhaltsleeres Interview mit dem Buchautor und Spiegel-Mann Gabor Steingart über US-Präsident Obama für Prestige. Beiträge über die „Endlosschleife NPD-Verbot“ und die „Dianaisierung Deutschlands“ nach dem Selbstmord Robert Enkes zeigen aber, daß hier gründlich nachgedacht wird.Politisierung der Bildung und Autoritätsverlust Echte Akzente setzt eine Auseinandersetzung von Jennie Bristow mit Thesen des Soziologen Frank Furedi über die „Politisierung der Bildung“. Als Grundübel heutiger Bildungsmiseren wähnt der Autor des Buches „Wasted: Why Education Isn´t Educating“ den Angriff auf die Autorität der Erwachsenen. Es sei nicht mehr angesehen, wenn einfach eine Generation im traditionellen Sinn ihr intellektuelles Erbe an die nächste weitergibt. Statt dessen würden die heutigen Bildungsexperten zu allem und jedem eine kritische Distanz fordern. Dies führe sie zu der Annahme, nur noch Methoden und nicht mehr vorrangig Inhalte müßten vermittelt werden. Dieser therapeutische, moderierende Ansatz raubt den Erziehern ihre Autorität. Die soll ihnen von noch nicht mal mündigen oder verantwortungsvoll handlungsfähigen Schülern geradezu in Frage gestellt werden, so Furedi. Lehrer und Eltern hätten gegenwärtig damit zu kämpfen, daß Experten und Politiker ihre ideologischen Kämpfe auf ihrem Rücken austragen. „So wird das Problem politischer Apathie und Politikunmündigkeit als unvermeidbarer Bestandteil unseres öffentlichen Lebens angesehen, um dann in den Schulen plötzlich im Rahmen von ‚Demokratieunterricht’ wieder aufzutauchen“, betont der Professor für Soziologie von der Universität Kent (Großbritannien). Ein paar Seiten weiter kommt Frank Furedi dann selbst zu Wort und arbeitet sich an der Frage „War Gott grün?“ ab. Er beleuchtet in diesem Beitrag, wie übereifrige Klimaschützer Gott und Glaubenssurrogate für ihre Kampagnen vereinnahmen. Furedi meint: „Sie wollen einen Gott mobilisieren, der gewöhnliche Menschen sowohl beeinflussen als auch in Angst versetzen kann.“ Zwar gelingt es dem britischen Soziologen, den zivilreligiösen Charakter führender Klimaschutz-Wissenschaftler offenzulegen, dennoch vermißt man in Novo die Gegenseite und ihre Argumente. In einem Debattenmagazin wären solche echten Kontroversen mit mehr als einer Meinung wünschenswert. Gleichheitsutopien – Wie Gutmenschen unser Selbstbewußtsein als Gattungswesen preisgeben Dies trifft auch auf die in diesem Heft angestoßene Tierschutzdebatte zu. Gleich sechs Autoren äußern sich zu diesem Thema, ohne daß für den Leser gravierende Unterschiede der vorgestellten Meinungen festzustellen wären. Alle prangern sie die durch den australischen Ethiker Peter Singer populär gewordene Idee einer Gleichheit von Mensch und Tier an. Dies sei allein schon deswegen Blödsinn, weil nur der Mensch ein „moralisches Wesen“ ist, welches sowohl Rechte als auch Pflichten wahrnehmen kann, betont etwa Soziologieprofessor Franz Kromka. Bei Tieren gelingt es eben nicht, ihnen über eine Rechtsgemeinschaft das Töten zu verbieten. Daher ist es auch logisch, sie zwar zu achten, aber niemals kann man ihnen umfangreiche, den Menschenrechten ähnliche „Tierrechte“ einräumen. Vielfache Hysterien um arme, niedliche Tiere verstellen derzeit jedoch den Blick auf diese Einsicht. Auch wenn die Ablehnung der Tierrechte in Novo einwandfrei hergeleitet wird, so könnten doch gerade andere Positionen – etwa die eines Vegetariers – das Schwarzweißbild bunter gestalten. Genau das muß auch die Forderung an ein – alles in allem – gutes Debattenmagazin sein: Öffnet euch gegenüber neuen Meinungen, wagt die Kontroverse! |