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Cicero im Zeichen des Krieges PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dirk Hack   
Freitag, den 05. Februar 2010 um 09:30 Uhr

CiceroSeit gut einer Woche ist die aktuelle Cicero-Ausgabe 02/2010 erhältlich. Unter dem Slogan „Der Krieg geht weiter... als die Deutschen es wollen“ steht diese ganz im Zeichen des nunmehr bereits acht Jahre währenden Afghanistaneinsatzes. Warum auch in den nächsten Jahren mit keinem Truppenabzug zu rechnen ist, legen zehn Verteidigungsminister dar. Darunter ist auch Karl-Theodor zu Guttenberg.

Pakistan als mögliches Ziel

Ebenso wird noch einmal die bereits seit einiger Zeit vertretene Aussage bekräftigt, dass die Etablierung einer westlichen Demokratie für Afghanistan ausgeschlossen sei. „Afghanistan gehört den Afghanen“, beschreibt etwa der ungarische Verteidigungsminister Imre Szekeres die Problematik. Der britische Außenminister David Miliband fügt hinzu: „Wir haben auch nie behauptet, eine westliche Demokratie in Afghanistan aufbauen zu wollen.“

Wie Osama bin Laden fliehen konnte, wird ebenfalls unter der Rubrik „Weltbühne“ thematisiert. Aus aktuellem Anlass darf ein Bericht über die Gefährlichkeit Pakistans natürlich nicht fehlen. Wer weiß, ob demnächst nicht auch in diesem Land amerikanische Bomben niedergehen. Anlass hierfür könnte neben dem Wirken islamistischer Terroristen beispielsweise das ungeschützte Atomwaffenarsenal sein. Vor dem Hintergrund terroristischer Angriffe auf die pakistanische Armee im Oktober 2009 scheint diese Angst gar nicht so unbegründet.

Kritik an Westerwelle ...

Natürlich haben nicht nur Kriegsthemen Eingang in das neue Cicero-Heft gefunden. So ist man beim Artikel über Guido Westerwelles „komplexbeladene“ Persönlichkeit fast schon versucht, Mitleid mit dem derzeitigen Außenminister zu haben. Martina Fietz spekuliert hier über dessen vorzeitigen Abgang vom Gymnasium und parteipolitische Querelen mit Möllemann als mögliche Ursachen für Westerwelles Anmaßungen in Polen und der Türkei. Der Bericht „Unsere Städte bluten aus“ zeichnet hieran anknüpfend ein gutes Bild der aktuellen Situation deutscher Kommunen – und liefert gute Gründe, warum das schwarz-gelbe Wachstumsbeschleunigungsgesetz verfehlt ist.

… und Kladderadatsch über Benedikt

Vor derlei kritischen Betrachtungen ist selbstverständlich auch der Pontifex nicht gefeit. Allerdings bereitet es durchaus Bauchschmerzen, dass es nicht bei Kritik bleibt, sondern Alan Posener dem Heiligen Vater in subversiver Weise Nähe zum Nationalsozialismus unterschiebt. Mit Hinweis darauf, dass das deutsche Tätervolk nicht gleichzeitig Opfer der NS-Propaganda sein könne, wird Papst Benedikts Verweigerung vor der Instrumentalisierung der zwölf dunklen Jahre scharf kritisiert.

Profillose Gestalten

Umso aufschlussreicher hingegen erscheint der Artikel „Der Westen veröstlicht“. Dass sich in West und Ost auch heute noch getrennte Entwicklungspfade erkennen lassen, ist eine Tatsache. Inwieweit nicht nur die Linkspartei und ein etwas anderes Geschichtsbild als Beispiele für ostdeutsches Importgut die Neu-BRD beeinflussen, liest sich auf jeden Fall amüsant. Bedenklich hingegen stimmt das Thema, welches die „Generation ohne Schicksal“ betrifft: gesichts- und geschichtslos plätschert der deutsche Parlamentarier heutzutage in den politischen Betrieb hinein und wieder hinaus. Keine Originale, keine Identitäten mit Wiedererkennungswert und Lebenserfahrung bestimmen über Sein oder Nicht-Sein, sondern profillose Gestalten. Der Autor Klaus Harprecht konstatiert: „In Wahrheit scheint sich hinter der Fassade unkorrigierbarer Gewohnheit die klassische Parteienlandschaft der Bundesrepublik sachte aufzulösen.“

Die neue Lyrik-Ecke bei Cicero

Ein besonderes Lob verdient Cicero dafür, die oftmals vernachlässigte Lyrik in das Bewusstsein der Gesellschaft zurück zu bringen. Hierfür stellt ab sofort Joachim Sartorius, Intendant der Berliner Festspiele, in jeder Ausgabe politische Lyrik vor. Trakl und Apollinaire kommen in der Februar-Ausgabe zur Sprache.

Weitere interessante Themen im neuen Cicero betreffen unter anderem den Vorsitzenden des VW-Aufsichtsrates Ferdinand Piësch, Brasiliens Multimilliardär und Bergbauunternehmer Eike Batista sowie die Frage, inwieweit Landesbanken in Zukunft noch Existenzberechtigung haben. Zweifelsohne polarisiert der Schriftsteller Gerhard Henschel in „Spengler und die Ibsenweiber“. Einen guten Auftakt für die vorliegende Ausgabe bildet übrigens der Aufsatz des Gründungsintendanten des Deutschlandradios, Ernst Elitz, über die Bürgergesellschaft: „Wie feige ist doch der Staat, der auf die Zivilcourage der Bürger setzt, weil er selbst nicht mehr willens ist, seine Pflicht zu erfüllen.“

 

 
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